Scream Your Name im Interview mit Jennifer Rostock

Manu und Stefan von Scream Your Name haben die Band Jennifer Rostock vor ihrem Konzert im Exil in Zürich zum Interview getroffen. Ihr fragt euch jetzt bestimmt, warum nicht sonst wer von rawk.ch das Interview geführt hat, gell? Ganz einfach: die hatten alle Schiss und wollten nicht. Ne, Quatsch. Wir setzen uns ja dafür ein, Schweizer Bands mit internationalen Bands bitzeli in Verbindung zu bringen. Und wir wussten, dass die Jungs von Scream Your Name die Jennifer und co. echt gut finden. Beide Bands waren offen für das erste Experiment #bandmeetsband – cool, oder?

Stefan:  Euer Album „Genau in diesem Ton“ ist nun seit knapp einer Woche auf dem Markt. Was war bisher das beste und welches das schlechteste Feedback dazu?
Jennifer: Also wir haben eigentlich nur gutes Feedback bekommen.  Ausser jetzt blöder Kommentare und so, aber darauf kann man ja eigentlich scheissen. Es geht ja dann immer um Fans und die haben gesagt, das ist das beste Album, was wir je gemacht haben.

Christoph: Wir haben auch noch keine Review gelesen, ist uns mittlerweile egal.

Stefan:  Und wie war die Tour bis jetzt?
Joe: Ganz anstrengend, aber super.

Jennifer: Also kleine Locations bedeuten halt auch sehr viele Leute, es ist mega stickig, mega warm und man schwitzt schon krass auf der Bühne und man verbraucht sehr viel Energie. Ich habe das Gefühl, es war früher nicht so anstrengend in den Klubs (lacht).

Joe: Ich kann mich an einmal erinnern, da hatte ich einen kleinen Kreislaufkollaps gekriegt, das war glaube ich auch in Zürich. Da musste ich erstmal vor die Tür und lange durchatmen. Aber heute wird’s die Hölle werden.

Manu: Die neue Platte ist ja über Four Music erschienen, vorher wart ihr bei Warner Music. Wieso dieser Wechsel?
Christoph: Wir wurden rausgekauft für Millioooonen. (lacht)

Joe: Nee Quatsch, unser Vertrag ist nach acht Jahren ausgelaufen, wir haben ein paarmal verlängert bei Warner und danach haben wir ‘ne EP auf ‘nem eigenen Label rausgebracht und dann gemerkt, dass wir fürs nächste richtige Album doch wieder ein bisschen mehr Manpower brauchen. Wir haben uns mit verschiedenen Labels zusammengesetzt und mit dem Team von Four Music hatten wir sofort ein gutes Verhältnis. Es hat geklickt, also sind wir zu denen gegangen.

Stefan: Ist euch die Chartplatzierung des neuen Albums eigentlich wichtig? Dauert ja ‘ne Woche, bis man die Zahlen hat oder?
Joe: Ja genau, also morgen erfahren wir dann, wie es eingestiegen ist.

Christoph: Also das blöde is ja, unsere letzten Alben waren auf Platz Nr. 4, 3 und 2. Das Problem ist halt, dass so zwei Rapper-Typen am selben Tag releasen, und da war es eh klar, dass es nichts wird mit der Nr. 1. Wenn in Deutschland ein Rapper veröffentlicht, dann hat er die Nr. 1 für sich, kannste machen, was du willst, is einfach so.

Stefan: Habt ihr denn darauf geschaut oder auf wen Rücksicht genommen beim Release-Date?
Jennifer: Es ist so, dass man das nicht wirklich erfährt. Ist ja jetzt nicht so, dass man sagt „Hallo, wir releasen da“ und alle sagen “aaah, warte mal, ich schau mal kurz nach”. Das kriegt man erst immer so mit. Und ich meine, so schlimm ist es auch nicht, so Chartplatzierungen sind jetzt auch nicht so wichtig.

Christoph: Und ausserdem ist der 2. auch immer irgendwie cooler als der Erste, ne?

Jennifer: Ich mein, wenn man gut einsteigt, dann kriegen das auch noch ein paar Leute mehr mit, die sonst nicht auf uns aufmerksam geworden wären, aber Platz 2 wäre schon super, Platz 3 auch.

Joe: Man muss auch sagen, dass man für die Anzahl CDs, die man in der Woche verkauft, man in der nächsten Woche vielleicht Platz eins gekriegt hätte. Ist jetzt nicht so ein total gutes Mass, um den Erfolg einer Platte abzumessen.

Manu: Zum Albumtitel „Genau in diesem Ton“: Könnt ihr uns den erklären?
Jennifer: Ja wir tun uns immer ziemlich schwer, einen Albumtitel zu finden, auch in der Vergangenheit schon.

Christoph: Das ist immer das aller-allerletzte was steht.

Jennifer: Wir hatten da einfach so ‘nen Zettel, da standen viele Sachen drauf. Zum Schluss haben wir auch Meetings extra deswegen einberufen und da haben wir so gesagt: „Scheisse Leute, wir haben nur noch einen Tag, wir müssen irgendwie…“ (lacht). Und dann stand „Genau in diesem Ton“ auf dem Zettel und wir fanden das alle gleich sofort super. Kommt halt von der Redewendung „Nicht in diesem Ton“, nur halt das Gegenteil, ne.

Stefan: Wieso sind alle Songs auch instrumental auf der Platte?
Jennifer: Das ist nur bei der Fan-Box so, ausser bei iTunes. Wir wurden halt oft danach gefragt, weil die Leute das Zuhause gerne mitspielen und nachsingen, das mache die sehr gerne.

Christoph: Das haben wir nämlich den Rappern geklaut! (Gelächter)

Manu: Schreibt ihr eure Musik selber inklusive den Texten?
Jennifer: Ja klar. Ich find das so witzig, dass man das krass findet. Alle so: „Echt wirklich, nur von euch?? Wow!“

Joe: Das stimmt eigentlich nicht ganz… Beim Song „Hengstin“ hat unsere Kollegin Jennifer ein paar Zeilen geschrieben.

Jennifer: Ja genau, das ist ‘ne gute Freundin von mir, die auch Songwriterin ist. Dann sagt man so „Hey Jen, kannste mal kurz aushelfen“. Ich meine Joe ist ja auch Songwriter und schreibt für andere Leute. Das kriegen wir ganz gut hin.

Stefan: Was wollt ihr mit dem Video zu „Uns gehört die Nacht“ genau mitteilen? Wieso stirbt auf einmal einer nach dem anderen?
Christoph: Also man darf da nicht zu viel reininterpretieren. Es wurde uns ja auch schon unterstellt, wir hätten so ‘ne Anti-Drogen-Botschaft mit drin. Das ist halt einfach nicht so gemeint, das ist eigentlich nur so ein kleiner Scherz.

Jennifer: Wir sind ja auch selber schuld, weil wir verpacken in allen Sachen immer Messages und sagen „Wie, hast nicht verstanden, musste nochmal gucken, nochmal hören?!“ und so. Und jetzt sagen wir: “Wie, was ist los? Ist doch alles easy.” (lacht)

Joe: Wir wollten halt ein Video zu dem Song machen, und alle Ideen, die wir selber hatten oder von Regisseuren gebracht wurden, waren halt so „Jaah, fünf junge Leute durch die Nacht feiern, wohoo…“ und das war ziemlich langweilig.

Jennifer: Dann haben wir gesagt, komm, wir machen genauso einen Umbruch und dann zeigen wir was, das irgendwie keiner gedacht hat, dass das kommt.

Manu: Hat der AFD-Song zur Album-Promo beigetragen?
Jennifer: Wir haben nach dem Release des Videos zu dem Song etwa hundert Interview-Anfragen abgelehnt, weil wir gesagt haben, wir wollen jetzt nicht Interviews nur wegen diesem Song. Weil wir haben unsere Meinung zu dem Thema gesagt, das war uns wichtig und wir wollten nachher auch wieder über unsere Musik sprechen, über das neue Album.

Christoph: Also es hat natürlich viel mehr Aufmerksamkeit generiert, aber das war nicht mit Absicht.

Stefan: Aber das hat schon ziemlich gut gepasst, dass das grad eine Woche vor Album-Release rausgekommen ist.
Joe: Ehrlich gesagt finden wir, dass es nicht so gut gepasst hat. Natürlich müssen wir uns jetzt anhören, dass es nur Promo war.

Jennifer: Dann sagen die Leute halt „Ah ja, jetzt hat man nichts mehr von euch gehört, jetzt müsst ihr wieder was raushauen“. Dieser Vorwurf kommt ja immer, ne. Aber wir waren ja viel unterwegs, auch in Mecklenburg-Vorpommern, wo wir ja auch herkommen, und haben da mit den Leuten geredet, auch über die Probleme mit dem Rechtsradikalismus. Und da haben wir dann gedacht, hey, wir wollen dafür auch noch was machen, wir kommen von da, und wir wollen ein Statement setzen, die Leute vielleicht ein bisschen wachrütteln. Wir haben jetzt nicht vorher gedacht, da sind Landtagswahlen, da legen wir jetzt schön unser Album hin. Das ist völliger Quatsch.

Stefan: Lebt ihr zu 100% von der Musik?
Jennifer: Ja, wir können schon davon leben, aber es ist weniger, als man so denkt.

Joe: Ist auch so, dass wir alle neben der Band noch andere Sachen machen.

Jennifer: Also unser Gitarrist zum Beispiel, der ist auf der Tour nicht dabei, weil er ein Kind gekriegt hat und der führt nebenbei noch ‘ne Bar. Also was ganz anderes so, ne. Christoph macht viel mit Grafik-Design und unser Merchandise und schreibt für andere Leute, der Joe schreibt für andere Leute, ich bin Moderatorin. Also jeder hat so sein Süppchen, das er so nebenbei kocht. Leben können wir davon, aber jetzt auch nicht in Saus und Braus.

Joe: Aber wir können die Miete bezahlen davon.

Manu: Habt ihr irgendwelche Pläne, auch mal auf Englisch zu singen, um die Grenze des deutschsprachigen Raums so zu überschreiten?
Joe: Also Jennifer Rostock ist ne deutschsprachige Band und das wird sie auch bleiben. Dafür sind uns jetzt auch die Texte zu wichtig, als dass wir jetzt sagen, ach das können wir auch auf Englisch und gut is.

Christoph: Da müsste man eigentlich einen komplett neuen Song aus dem Song machen.

Jennifer: Das geht nicht. Und auch unsere ganzen Redewendungen, die wir ja auch umdrehen, das ginge einfach nicht. Und reimen muss es sich auch noch. Schuster bleibe bei deinen Leisten.

Stefan: Was für Bands oder welche Art von Musik hört ihr eigentlich sonst so?
Jennifer: Ziemlich viel unterschiedliches Zeugs. Jeder nicht nur auf ein Genre begrenzt, dafür sind wir auch irgendwie zu alt. Ich glaube, es gibt in jedem Genre gute Songs. Klar, unser Schlagzeuger kommt halt irgendwie aus dem Punk & Hardcore, Chris auch, Joe und ich kommen halt aus der Popmusik, unser Gitarrist kommt so ein bisschen aus dem Indie-Bereich. Wir haben alles dabei. Aber wir treffen uns auch bei Hardcore-Konzerten oder auch bei Pop-Konzerten, das ist sehr, sehr unterschiedlich, wir sind da sehr offen.

Stefan: Also ihr habt nicht irgendwelche Bands, die ihr total abfeiert?
Jennifer: Nee, nicht wirklich. Also auch wenn wir jetzt nach der Show im Tourbus sind, darf jeder mal seinen iPod anhängen.

Christoph: Und irgendwer ist immer genervt.

Stefan: Ich hab mal ein Gerücht gehört, dass ihr die Band Eskimo Callboy nicht so toll findet. Ist da was dran?
Christoph: Also der Sushi hat mir grad noch ‘ne Nachricht auf Facebook geschrieben, dass das ein ganz tolles Album geworden ist. Also wir hatten mal so einen kleinen Streit…

Jennifer: Du hast das eigentlich losgetreten, oder? Der Christoph ist so ein kleiner Internet-Troll, muss man sagen.

Christoph: Und die haben auch getrollt, dann haben wir so ein bisschen hin und her getrollt und uns aber dann selber kennen gelernt und seitdem ist alles gut.

Jennifer: Ich glaube, wir finden uns gegenseitig geht so.

Joe: Nenee, die finden uns gut. (lacht)

Jennifer: Nee also das hat ja auch nix mit den Menschen zu tun, so…

Stefan: Alles klar, vielen Dank für das Interview und gute Show heute Abend dann, wir freuen uns!

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