05.10.2016 – Die Red Hot Chili Peppers begeistern im Hallenstadion

Am 5. und 6. Oktober beehrten die Red Hot Chili Peppers das zweimal ausverkaufte (!) Zürcher Hallenstadion und wussten dabei zu begeistern. Die legendären Funk-Rocker überzeugten mit Dynamik, Frische, musikalischem Können und bewiesen, dass sie noch lange nicht zu alt sind, um auf der Bühne rumzurennen.

Eröffnet wurde der Abend von La Femme aus Biarritz, deren Musik recht zugänglich war, aber dennoch nicht zu poppig wirkte. Mit der Zeit wurde es für den sich im Genre nicht gut auskennenden Hörer etwas langweilig, gegen Schluss brachten La Femme aber einige schnellere Lieder, was dem Auftritt sicherlich gut tat. Es war viel Energie auf der Bühne vorhanden und die französischen Ansagen wurden wohl von den wenigsten verstanden, sympathisch waren sie trotzdem. La Femme wurden übrigens erst 2010 gegründet…

…zu diesem Zeitpunkt existierten die Red Hot Chili Peppers bereits seit sage und schreibe 27 Jahren! Der Auftritt der Kalifornier begann mit dem Abspielen eines Bassklarinettensolos Eric Dolphys. Dann kamen Chad Smith, Flea und Josh Klinghoffer auf die Bühne und starteten einen fulminanten Instrumentaljam. Hätten die drei alleine anderthalb Stunden musiziert, ich hätte begeistert zugehört. Doch da ist ja noch Anthony Kidies und das Instrumentalstück mündete im Intro von „Can’t Stop“. Als Flea zum Hauptriff dieses Meisterwerks ansetzte, bekam ich Gänsehaut. Das war ein perfekter Auftakt in eine Show, die keine Zeit für Langeweile liess. Während 100 Minuten zündeten die Altmeister ein Feuerwerk, das geschmückt war mit zahlreichen Hits, älteren und ganz neuen Liedern. Diverse Instrumentalintermezzos – offensichtlich meist improvisiert – bewiesen, dass da Musiker auftraten, die diese Bezeichnung auch wirklich verdient haben. Chads Rhythmen, Fleas Slaps und Bassriffs sowie Joshs Solos legten eine grandiose Basis (wobei „Basis“ weit untertrieben ist), die von Anthonys Stimme vollendet wurde. Das Beeindruckende dabei ist, dass dieses Ganze eben auch live und improvisiert wundervoll funktionierte. Die Band braucht dabei kein Feuerwerk oder Konfetti. Ein bisschen was musste aber doch sein: Ein Bildschirm und dutzende in verschiedenen Farben leuchtende Stäbe, die sich an der Decke mal weit oben, mal ganz nah am Publikum befanden, rundeten den Auftritt ab. Das war gerade das richtige Mass an visuellen Einflüssen. Auch dem Publikum schien es zu gefallen, besonders bei grossen Hits wie „Californication“, „By the Way“ oder „Dani California“ war die Stimmung sehr gut.

Hätte ich gekonnt, ich wäre die Red Hot Chili Peppers am Tag darauf gleich noch einmal schauen gegangen. Dann aber wohl eher stehend, denn ich war auf einen für Journalisten vorgesehenen Sitzplatz verbannt worden.

Bild: Manuel Lopez / liveit.ch