Josh von Apologies, I have none im Interview

Am 30.09.2016 hatte ich das riesige Vergnügen mit Josh McKenzie von Apologies, I have none direkt vor der unglaublichen Show im Luzerner Treibhaus zu plaudern. Dabei habe ich zum Beispiel herausgefunden, weshalb vor und nach ihrem Auftritt Whitney Houston gespielt wurde.

Ihr habt schon und werdet noch sehr viele Shows spielen auf eurer Tour. Bist du da auch heute noch nervös, auf die Bühne zu gehen?
Nein. Okay, ein kleines, oder eher winziges bisschen, da, wie du vielleicht hören kannst, meine Stimme nicht ganz mitspielt. Ich habe in den letzten Wochen wohl zu viel Gas gegeben und alles schon ein wenig rausgehauen. Aber ich denke, das kommt schon. Generell werde ich eigentlich nicht nervös.

Lass uns über euer neues Album reden. Seit “London” sind ja mittlerweile vier Jahre vergangen. Warum?
Wir hatten einige Wechsel in der Bandaufstellung und einer der Songwriter hat uns verlassen. Das hat uns ein bisschen zurückgeworfen und gebremst. Wir waren eigentlich schon dabei, Songs für das neue Album zu schreiben, als er gegangen ist. Dann hat uns auch noch der Bassist verlassen, was uns zusätzlich zurückgeworfen hat. Ausserdem brauchen wir immer viel Zeit, um neue Songs zu schreiben. Ich meine, für “London” haben wir Jahre gebraucht. Beim Schreiben des aktuellen Albums haben wir aber definitiv noch ein bisschen an Geschwindigkeit gewonnen gegen Ende hin. Ich denke, beziehungsweise hoffe, dass es keine weiteren vier Jahre dauern wird, bis wir ein neues Album herausgeben werden. Wenn ich es mir recht überlege, würde es mich wahnsinnig machen, wenn es wieder vier Jahre dauern würde.

Sind schon vor dem Wechsel Songs entstanden, die ihr dann nicht veröffentlich habt?
Dan hat ein paar Songs geschrieben, die nicht veröffentlicht wurden. Die Songs, die von mir stammen, sind auf der EP “Black Everything”.

Was ist das schlechteste und auch das beste Feedback, das du über euer neues Album gelesen hast?
Puh, gute Frage und schwierig zu sagen. Ich lese nicht sehr viele Reviews. Was ich gelesen habe ist, dass Leute es vielleicht als ein bisschen langweilig empfunden haben und das ihnen die alten Sachen besser gefallen haben. Aber eigentlich erwartest du das. Ich erwarte das immer, wenn ein neues Album released wird. Einige Leute werden immer die früheren Songs besser finden. Und positiv sind für mich alle die sagten, sie fänden es besser als die alten Sachen. Ich will immer besser werden und bessere Sachen machen. Wenn du einfach ein Album rausgibst und nicht den Anspruch daran hast, dass es besser ist als was du vorher gemacht hast, ist das recht punktlos. Das beste Feedback für mich ist definitiv, wenn Menschen gesagt haben, sie mögen das neue Album lieber als das alte.

Findest du den wirklich, dass die beiden Alben sehr vergleichbar sind?
Nein, ich finde nicht, dass sie sehr vergleichbar sind. Aber es wird immer Menschen geben, die versuchen, die Alben zu vergleichen, nur weil wir dieselbe Band sind. Du kannst dem Vergleich nicht entkommen. Natürlich sehe ich aber auf der anderen Seite auch ein paar Ähnlichkeiten, weil ich sie geschrieben habe.

Was oft aufkommt ist, dass „Pharmacie“, verglichen mit „London“, ein ganzes Stück düsterer ist. Stimmst du zu und wenn ja, woran liegt es?
Ich stimme zum Teil zu. Eigentlich sind viele der Lyrics auf London auch schon ganz schön düster, einfach in punkigerer, rockigerer Musik verpackt. Also zumindest die Lieder, die ich geschrieben habe. Im Gegensatz dazu ist „Pharmacie“ ein bisschen düsterer.  Ich weiss eigentlich nicht genau weshalb. Ich wollte es einfach so. Wahrscheinlich fällt es jetzt einfach ein bisschen mehr auf, da musikalisch nicht mehr so eine Heiterkeit erzeugt wird.

Einige Reviews tönen an, dass es in den neuen Liedern an der Auflösung fehlt. Der Hörer wird ein bisschen in die Situation geworfen und dann dagelassen, oder nicht?
Ich habe auch einige Reviews gelesen, in denen gesagt wird, dass es schon auch eine Erlösung gibt. Aber ich stimme da mit dir überein, dass es keine gibt. War aber auch nicht so geplant.

Du zitierst Breat Easton Ellis. Ist er einer deiner Lieblingsautoren?
Nein, ich weiss nicht einmal, ob ich „American Psycho“ wirklich mag. Ich mag vielleicht ein paar von seinen Kurzgeschichten. Aber bei „American Psycho“ hatte ich eigentlich keine Freude daran, das Buch zu lesen. Dennoch sind einige Sachen drin, die einfach wirklich aussergewöhnlich sind. Zum Beispiel der innere Monolog zum Schluss. Ich glaube, das ist die perfekteste Beschreibung einer kompletten Loslösung von der Realität, die ich je gelesen habe. Deshalb wollte ich die Sätze auch benutzen. Ich war mir anfangs aber recht unsicher, ob ich es wirklich benutzen sollte, da ich nicht wollte, dass die Leute mich mit Patrick Bateman in Verbindung bringen.

Welches is dein Lieblingssong von “Pharmacie”?
„Pharmacie in Paris” oder “Clarity of Morning”.

Und die spielst du dann auch auf der Bühne am liebsten?
Ich liebe es, „Clarity of Morning“ zu spielen, obwohl wir das nicht of tun. Ich weiss gar nicht genau weshalb. Ich vermute, weil wir ihn ein bisschen weniger geübt haben als die anderen Songs.

Spielt ihr ihn heute Abend?
Oh ich weiss nicht, vielleicht… aber sowieso, „Pharmacie in Paris“ ist auch hier mein Lieblingssong, wenn ich wählen muss. By the way, was ist dein am wenigsten liebster Song?

Meiner? Das ist eine unfaire Frage, aber ich müsste dann sagen “Clarity of Morning” – sorry.
Kann ich verstehen. Ist wohl der Song, der am wenigsten Struktur hat.

Ich bin immer sehr daran interessiert, was für Musik andere Musiker inspiriert. Welcher Musiker hat den grössten Einfluss auf dich?
Ich will keine individuellen Musiker nennen. Ich würde aber sagen, Alkaline Trio als Band und Nirvana natürlich. Damit möchte ich aber nicht sagen, dass wir irgendwie ähnlich klingen. Es soll mehr so als Rahmen, der die Band umfasst, verstanden werden. Als ich jünger war, waren das aber bestimmt auch meine Lieblingsbands.

Was ist den momentan deine Lieblingsband, Interpret, etc.?
Das ist echt schwierig, wenn du mich das jetzt fragst, kommt eine andere Antwort, als noch vor sechs Monaten. Im Moment höre ich am meisten Whitney Houston.

Wirklich?
Ja, ich liebe sie einfach. Ich habe sie immer gemocht. Als ich noch jünger war, habe ich mir vor dem Einschlafen immer “Bodyguard” angehört.

Und abgesehen von Whitney, welchen Song würdest du am liebsten covern?
Im Moment, denn das ist auch etwas, dass sich über die Zeit verändert, würde ich am liebsten “Change (In The House Of Flies)” von den Deftones covern. Ich höre zur Zeit auch recht viel Deftones. Was ich auch schon immer mal covern wollte war Michael Jackson „Dirty Diana“. Ich mag einfach den Drumbeat und den Mix am Anfang.

Was ist mit aktuellen Popsongs?
Ich würde gerne einen Taylor Swift Song covern. Ich glaube, das könnten wir recht gut. Magst du Taylor Swift?

Nun ja, ich finde es aufstellende Musik, aber ich kann mir das nicht zu lange anhören. Irgendwie zu glücklich.
Ja, ich verstehe was du meinst.

Nach dem Interview folgte dann die wirklich eindrückliche Show. Seine Befürchtung mit Stimmverlust ist zwar ein bisschen eingetroffen, er wurde aber tatkräftig unterstützt. Alles in allem einfach wunderbar.