Interview mit Zach Lind von Jimmy Eat World

Am Sonntag, 13. November 2016 war es endlich soweit: Jimmy Eat World in der Schüür in Luzern! Darauf freute ich mich schon wochenlang und als das Interview mit Zach Lind, seinerseits Schlagzeuger bei JEW, bestätigt wurde, wurde ich ganz hibbelig! Jasmin und ich trafen den sehr sympathischen Herrn am Nachmittag vor ihrer Show und ich darf sagen, dass Zach bei mir wirklich Eindruck hinterlassen hat. Liebe Musiker, ich glaube, er könnte euch so einiges mit auf den Weg geben, aber lest selbst.

Willkommen zurück in der Schweiz. Ihr seid eher selten gesehene Gäste hier. Wie kommt das? 
Wir waren jetzt zwei Jahre nicht da, weil wir generell nicht viel unterwegs waren. Wir sind jetzt seit September mit dem neuen Album auf Tour und zuvor haben wir ein Jahr Pause gemacht und noch das neue Album aufgenommen. Somit haben wir auch keine Shows mehr gespielt. Es ist aber auch immer schön für uns an Orten zu spielen, wo wir nicht so oft zu Gast sind. Wir haben uns jetzt richtig darauf gefreut.

Lest ihr viele Album-Reviews? Seid ihr mit dem Feedback zum neuen Album “Integrity Blues” soweit zufrieden?
Wenn wir ein Album schreiben, denken wir eigentlich nicht darüber nach, was die Presse oder die Leute generell darüber schreiben und denken werden. Wir hoffen natürlich immer, dass unsere Fans damit zufrieden sein werden. Das ist uns wichtig, aber so Magazine und so, nein, das ist uns ehrlich gesagt egal und da machen wir uns keine Sorgen darüber.

Ihr macht einfach, was euch gefällt. Das ist ja auch wünschenswert.
Ja, wenn du in deinem künstlerischen Prozess anfängst, über solche Dinge nachzudenken und das Gefühlt hast, du bist nur erfolgreich, wenn du gute Reviews bekommt – nein, also da wäre ich mir nicht sicher, ob das ein gesunder Ansatz ist, über deine Kreativität nachzudenken. Sei einfach du selbst und denke bloss nicht darüber nach, wem du mit was gefallen könntest. Das sollte man ausblenden.

Auf dem Album ist eine Frau zu sehen. Was ist die Geschichte hinter dem Cover?
Als wir mit den Aufnahmen für das Album begonnen haben, kamen wir mit einer Fotografin aus Los Angeles ins Gespräch. Wir finden ihre Arbeiten wirklich super und fanden, sie könnte die Atmosphäre des Albums sicher gut einfangen. Also haben wir sie kontaktiert und mit ihr über die Geschichte des zukünftigen Bildes gesprochen. Unsere Idee war eine junge Frau zu zeigen, die sich auf dem Weg irgendwohin befindet. Das war die generelle Idee, aber wir wollten es nicht zu spezifisch definieren. Also ging sie los, engagierte eine ihrer Freundinnen als Model und begab sich mit ihr auf einen kleinen Roadtrip. Das Bild ist dabei entstanden und wir mögen es wirklich sehr.

Mir ist aufgefallen, dass ihr schon mehrfach Frauen auf euren Covers abgebildet habt. Wie kommt das?
Hm, ich weiss gar nicht so genau. Hier brauchten wir ja ein „Thema“ für das Cover und eine Frau passte einfach besser als ein Mann. Wir sind ja schon alle Männer und es sollte ja auch nicht um uns gehen. Eine Frau wirkt da stimmiger auf so einem Bild. Anmerkung: Da Jimmy kurz ins Interview reinplatzte, habe ich da etwas den Faden verloren, sorry!

Nun habe ich eine Frage von Lukas, seinerseits Drummer bei GROOMBRIDGE für dich. Er mag deine Art, wie du Schlagzeug spielst sehr. Wie entwickelst du deine Beats?
Oh, ich glaube das basiert sehr auf Instinkt. Wenn ich einen Gitarren- oder Basspart höre, versuche ich einfach, verschiedene Ideen herauszufühlen. Ich überlege mir dabei, was dem Song selber am besten helfen könnte. Ich versuche nicht, einen möglichst eindrucksvollen Drumpart zu entwicklen. Was auch immer das Schlagzeug macht, es muss sich im Song richtig anfühlen. Manchmal ist weniger halt mehr. Das ist auf jeden Fall die Art und Weise, wie ich es sehe.

Nun eine ganz andere Frage: Wie schwierig ist es, ein passendes Label zu finden?
Schwierig. Wir hatten in der Vergangenheit Labels, wo wir nicht hingepasst haben. Aber das wussten wir jeweils erst im Nachhinein. Es ist, wie mit so vielem im Leben. Wenn du kreativ bist, dann möchtest du mit Menschen zusammenarbeiten, die auch an dich und das, was du tust, glauben. Du möchtest das Gefühl bekommen, dass jemand an dich glaubt und dir auch so viel wie möglich dabei helfen kann. Jemand, der sieht, was das Beste für den Künstler ist. Das ist das Wichtigste überhaupt, jemanden zu finden, der an deine Band glaubt. Wir waren in Situationen, da wurde unser Label von einem anderen aufgekauft, und dieses dann wiederum auch wieder. Da landest du schlussendlich bei einem Label, wo du nur in einem Businessdeal gefangen bist. Und dann bist du an einem Ort, wo sich ja ursprünglich auch niemand für dich interessiert hat. Das ist dann wirklich hart, weil du lieber mit jemandem arbeiten möchtest, der dich unterstützt. Aber ja, für manche ist das vielleicht OK.

Das ist schon für uns manchmal schwierig, überhaupt herauszufinden, welches Label oder Firma für eine Band verantwortlich ist, wenn es um Interviewfragen etc. geht. Da landen wir auch öfters bei unvorhergesehen Kontakten…
Ja, das glaube ich, das ist bestimmt ziemlich verwirrend. 

Ihr seid eine Band, die nie negative Schlagzeilen gemacht hat oder in irgendwelche Skandale verwickelt war. Was war bisher der grösste Ärger, den ihr verursacht habt?
Haha, wir bekommen schlicht nie Ärger, ganz ehrlich. (lacht) Wir sind langweilig und wir benehmen uns anständig. Wir sind alle ganz normale Typen, niemand benimmt sich verrückt oder ist verantwortungslos. Wir behalten die Dinge lieber langweilig, damit wir uns auf gute Shows und Alben konzentrieren können.

Ihr seid jetzt alle um die vierzig Jahre alt. Hat sich eure Beziehung zur Musik verändert, im Vergleich zu vor, sagen wir 10 oder 20 Jahren?
Ja, das glaube ich schon. So wie alles, wenn du älter wirst. Deine Interessen ändern sich, du lernst neue Wege kennen, Dinge anzugehen. Das hat sich ganz natürlich über die Jahre als Band entwickelt und ich hoffe, dass das auch so bleiben wird.

Wenn ihr ältere Songs spielt, sagen wir vom Album “Bleed American”, kannst du dich noch mit den Songs identifizieren?
Ja, ich kann mich auf jeden Fall noch damit identifizieren. Jede Show ist eine neue Herausforderung und egal welchen Song du spielst, du willst ihn so gut wie möglich spielen. Das motiviert mich jedes Mal aufs Neue. Klar, bei manchen Songs identifizierst du dich nicht mehr mit dem Inhalt, jetzt wo du älter bist. Aber du erkennst dich als Person, die zu damals gewesen bist – und das finde ich wichtig.

Wenn du zurückschaust, was würdet ihr als Band heute anders machen?
Hm, ich glaube wirklich grosse, wichtige Entscheidungen würden kaum anders ausfallen. Aber so kleinere Dinge, wie Songs, die wir nicht auf ein Album genommen haben, es aber im Nachhinein bereuten. Schlussendlich ist das aber ja nichts Schlimmes. Natürlich gibt es da auch das konstante Auseinandersetzen damit, was du glaubst, was du tun sollst, und was du wirklich tun möchtest und nicht alles hinterfragst. Das war uns jetzt bei „Integrity Blues“ sehr wichtig. Es mussten alle Songs drauf, die wir mögen. Früher dachten wir „Oh, dieses Album braucht mehr Rock-Energie oder noch einen ruhigen Song.“ Aber darüber haben wir jetzt nicht mehr nachgedacht und einfach die für uns besten Songs auf das Album gepackt.  Ja und wenn es jetzt halt ruhige Songs sind, dann ist das jetzt so. Das haben wir aus gewissen „Fehlern“ gelernt.

Die Adventszeit steht quasi vor der Tür. Wie feiert ihr zuhause Weihnachten?
An Weihnachten sind wir meist zuhause und ich verbringe Zeit mit meiner Frau und meinen drei Kindern. Ja, wir stellen einen Weihnachtsbaum auf und verbringen Zeit mit unseren Freunden und Familie. Ganz traditionell.

Wie ist das Wetter bei euch in Arizona?
Es wird schon kühl, etwa so wie ihr heute Wetter habt, aber dann auch nicht kälter.

Hast du davon gehört, dass Bring Me The Horizon jetzt T-Shirts bei H&M verkaufen? Wäre das auch etwas für euch?
Ach, echt? Das wusste ich noch nicht. Wir hatten unseren Merch auch schon in diversen Läden, aber nicht so grosse wie H&M. Wir müssten sicherlich mehr über eine solche Zusammenarbeit wissen, ich hätte da auch kein Problem damit, solange die Produkte nachhaltig, fair und in guter Qualität produziert würden. Aber irgendwie wäre es schon etwas schräg…

Möchtest du unseren Lesern noch etwas mitteilen?
Ich möchte mich natürlich für die Unterstützung bedanken und dafür, dass ihr auch an unsere Shows kommt! Danke!

Foto: Bret Chin-Quan, Tourmanager und schnellster Handy-Fotograf ever.