Daniel von Capsize im Interview

Im Rahmen der momentanen Europa-Tournee mit Being As An Ocean bekam ich die Möglichkeit, ein bisschen mit Daniel Wand von Capsize zu plaudern.

Wie läuft die Tour bis jetzt?
Es läuft super! Wir sind jetzt seit zehn Tagen unterwegs und alle Shows waren genial!

Ihr wart die letzten Jahre fast konstant auf Tour, gibt es Tage an denen du es leid bist, die ganze Zeit unterwegs zu sein?
Nein, es gibt nichts, dass ich lieber machen würde. Zudem hätte ich sonst nichts zu tun, darum touren wir auch so viel. (lacht)

Also haben die anderen auch keine Jobs?
Genau, wir sind nur auf Tour.

Gibt es denn Unterschiede zwischen Amerika und Europa wenn’s ums Touren geht?
Ziemlich starke sogar! In Europa kümmern sich alle um dich, du kriegst essen, kannst irgendwo schlafen, das macht das Ganze viel einfacher. Wenn es aber um das Publikum geht, ist es ziemlich ähnlich. Manchmal drehen sie völlig durch und manchmal nicht. (lacht)

Wie siehts in dieser Hinsicht mit den restlichen Kontinenten aus?
Am speziellsten war es für uns in Japan. Es war teilweise ziemlich schwer sich zu verständigen, da wenige Leute fliessend Englisch gesprochen haben. Das war der einzige kleine Kulturschock, den wir bis jetzt gehabt haben, sonst fühlten wir uns immer wohl.

Geht ihr die Städte, in denen ihr spielt, auch anschauen?
Meistens schon. Letztes Mal als wir in Zürich waren, habe ich einen langen Spaziergang gemacht. Da es aber momentan saukalt ist draussen, vor allem für jemanden aus Südkalifornien, gehe ich auf dieser Tour nur selten spazieren.

Kommen wir auf deine Texte zu sprechen. Meist geht es um Selbsthass und Depressionen; ist das für dich ein Weg mit dem Ganzen fertig zu werden?
Ich versuche, positiv durch das Leben zu gehen. Wenn es mir schlecht geht, versuche ich, das so gut es geht zu verdrängen, bis ich es am Abend auf der Bühne wieder rauslassen kann. Ich habe das Glück, mit echt lustigen Leuten in einer Band zu sein und Touren zu fahren, darum fokussiere ich mich tagsüber darauf, eine gute Zeit mit meinen besten Freunden zu haben. Ich zwinge mich dazu, glücklich zu sein, wenn ich nicht gerade Musik mache, irgendwie.

Lass uns über euer neues Album reden. Ihr habt euch auf „A Reintroduction: The Essence Of All That Surrounds Me“ ziemlich stark verändert, wie kommt das?
Um ehrlich zu sein, ich mochte „The Angst In My Veins“ nicht wirklich. Nicht, dass ich nicht dahinter stehe oder so, aber ich wollte etwas Neues machen. Wir als Band wollten uns einer Herausforderung stellen, versuchen etwas Aufregendes zu kreieren. Ich will nicht zehn Jahre die gleiche Musik machen, ich würde mich zu schnell langweilen. Somit war es für uns das einzig logische, teilweise neue Wege einzuschlagen.

Ist auch spannender, vor allem wenn man so viel auf Tour ist wie ihr.
Genau! Wenn man ein paar Wochen im Jahr tourt, ist es einfacher, die gleichen Songs immer wieder zu spielen. Wenn man aber wie in unserem Fall ca. 300 (!) Shows pro Jahr spielt, braucht man ein bisschen Abwechslung mit der Zeit. (lacht)

Momentan habt ihr ja keinen festen Bassist, wie löst ihr das?
Wir haben im Eigentlichen zwei Freunde, die immer wieder aushelfen. Es kommt drauf an, wo wir sind und was am meisten Sinn macht. So hat es bis jetzt immer super geklappt. Offiziell haben wir keinen Bassisten, vielleicht werden wir auch keinen mehr engagieren. Im Studio können unsere Gitarristen den Bass einspielen und solange das System mit den Aushilfen funktioniert, passt es für uns auch.

Zurück zum neuen Album: Hat sich das Publikum nach dem Release verändert? Ist es grösser geworden?
Wir haben definitiv mehr Leute an unseren Shows. Ich denke, es ist mit dem neuen Album einfacher, den Zugang zu uns zu finden. Vor allem für jüngere Zuhörer, die meistens noch nicht bereit sind für ganz brutale Sachen, ist unser neues Zeug viel einfacher zu bewältigen als vorher.

Was magst du lieber? Touren oder Recorden?
Am liebsten bin ich auf Tour, aber um auf Tour zu bleiben, musst du ins Studio und Musik aufnehmen. Es ist also eine stetige Wechselbeziehung.

Hast du zum Abschluss noch einen Rat für jüngere Bands und Musiker?
Investiert so viel Zeit wie ihr könnt. Verzichtet auf Dinge, die euch unnötigerweise am Musik machen hindern. Wenn du dich nämlich 24/7 mit Musik beschäftigen kannst, wird das Produkt nachher auch eher so, wie du dir das vorgestellt hast.