30.12.2016. – So waren Snitch & Support im Dynamo Zürich

Als verkündet wurde, dass Snitch für ein Konzert auf die Bühne zurückkehren werden, wusste ich, dass ich das sehen muss, denn seit 2002 – als “Genuine” erschien – gehören diese Zürcher zu meinen ständigen Begleitern. Seither habe ich sie mindestens zehn Mal live erlebt. Luki, der Drummer von Snitch, wohnt seit einiger Zeit in Myanmar und deshalb ging ein Teil des Erlöses von diesem Abend an die Myanmar Abteilung von „Food Not Bombs“. Der Zweck dieser Organisation ist, Essen an die Ärmsten der Gesellschaft auf den Strassen von Yangon zu verteilen. Es kamen an diesem Abend etwa 2500.- Franken zusammen.

2016 feierten Snitch ihr 20-jähriges Bestehen mit hochkarätigen Vorbands. Die Bündner von Nguru und die Winterthurer Peacocks sollten einen Abend, der Nostalgie und grosse Emotionen versprach, eröffnen. Dementsprechend riesig war meine Vorfreude für diese Sause. Wenn man bedenkt, dass alle drei auf Leech Records waren, und Leech*Redda heuer ihr 20-jähriges feiern würden, ist es gleichzeitig eine Art Back To The Roots-Party.

Da wir leider im Stau steckenblieben, sahen wir nur noch die letzten paar Songs von Nguru, doch diese hatten es in sich. Vor der Bühne hatte sich schon eine ziemlich grosse Masse versammelt und die Churer Skaband wurde ordentlich abgefeiert. Es wurde geskankt, mitgesungen und das Bier floss bereits in Strömen.

Als nächstes waren Peacocks an der Reihe. Peacocks haben sich längst bewährt und sich nach über 26 Jahren im Business den Legend-Status mehr als verdient. Auch sie habe ich über die Jahre unzählige Male gesehen. Das Set bot eine gelungene Mischung aus dem Besten der letzten zweieinhalb Dekaden. Ein Hit jagte den andern. Hasu sang sich die Seele aus dem Leib und die Besucher tobten.

Nach kurzen 45 Minuten war der ganze Zauber leider wieder vorbei, doch als nächstes stand eine der besten Schweizer Punkbands auf dem Programm. Im dem Moment, als sie mit „The Longest Days“ loslegten, war alles egal. Die Dynamobesucher wurden in jenem Augenblick für eine Weile eine Familie und es schien, als würde man einander seit Ewigkeiten kennen. Noch selten habe ich im Dynamo so eine Stimmung erlebt. Snitch wurden abgefeiert wie eine riesen Stadionband, die eine Secretshow gibt. Es wurde so laut und so textsicher zu allen Songs mitgesungen, dass man vom eigentlichen Gesang kaum mehr was gehört hat. Nach “Slumberville” kam dann eine kurze Verschnaufpause. Eine Besucherin wurde auf die Bühne gebeten und machte einen ziemlich perplexen Eindruck. Wir wurden Zeugen von wahrer Turboliebe. Ihr Freund – beide Mitglieder der Turbojugend Richterswil – machte ihr einen Heiratsantrag. Mit ihrem Jawort ging die Show mit „Chasing Stars“, Stagediving und einer Menge Emotionen weiter. Es folgten Hits wie „Monkey Baby“, „Hiding From The Light“ und „Gravity“. Mit jedem Song wurde der Pit grösser. Bier wurde verschüttet, es wurde gepogt und mitgegrölt als gäbe es kein Morgen. Mit „First Day“ gedachten Snitch der ersten Phase ihrer Band. Die Geschichte von Snitch kann in zwei Phasen aufgeteilt werden. 1996-2006 und alles danach. Im Juni 2006 starb Louise, die damalige Bassistin von Snitch, bei der Geburt ihres Kindes. Seither steht Marc von Dryconditions am Bass.

Mit „Fake It“ wurde ein Abend beendet, der alles hielt, was er versprochen hatte. Die drei Bands waren in Höchstform und das Publikum voller Ekstase. Leider war alles viel zu schnell wieder vorbei.

Herzlichen Glückwunsch an Marco und Sarah! Danke Snitch und bitte kommt bald wieder!