Album Review: Opal Ocean – Lost Fables

Als fleissige Leser von rawk.ch könnt ihr euch bestimmt noch an Opal Ocean erinnern – die zwei „Über-Gitarristen“ aus Australien, die ich im August letzten Jahres am Fringe Festival in Edinburgh entdeckt habe (das Interview mit ihnen hier). Die, denen ich eine erfolgreiche musikalische Zukunft prophezeit hatte. Nun kann ich mit Stolz und Freude verkünden: Ich hatte Recht!

Die sympathischen Jungs starten in ihrer Heimat grad mächtig durch. Fernseh- und Radio-Auftritte hier, Konzerte da, Musikvideo-Drehs dort – und daneben bleiben sie der Strassenmusik immer noch treu. Man muss Nadav und Alex einfach mögen. Ausserdem haben sie Ende letzten Jahres noch ein Album rausgehauen, „Lost Fables“ heisst es. Und genau dieses wird jetzt unter die Lupe genommen:

Das Album beginnt mit dem Stück „Styx“, das die perfekte Basis schafft für das was danach kommt. Mystisch wird’s – zwar immer noch auf Basis des Flamencos, aber um einiges dunkler, um einiges „härter“. „Tribal Instinct“ weckt einen dann so richtig schön auf. Energetisch und eingängig, aber alles andere als langweilig. Das Stück zeigt wunderbar auf was passiert, wenn zwei Classic und Progressive Rock-Fans die Flamenco-Gitarre und Technik für sich entdecken. „Sleight of Hand“ ist ebenfalls so ein Fall – also mir gefällt die Mischung sehr!

Mit „Burnt Out“ erreicht das Album dann ein ganz neues Level für mich. Sowohl dieses Stück wie auch „Endling“, „The Fallen Prince“, „Carnival“ und „Mr. Stoker“ schaffen es, Geschichten der Extraklasse zu erzählen – und das ohne auch nur ein einziges Wort Gesang zu beinhalten. Die Stücke sind so vielschichtig und interessant, dass Worte auch absolut überflüssig wären.

Vor allem „The Fallen Prince“, „Burnt Out“, „Mr. Stoker“ und „Spirit of Dreams“ verleiten dazu, die Augen zu schliessen und einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Da es bei Opal Ocean aber – im Gegensatz zum grossen Teil der Musik heutzutage – absolut keine Worte zu hören gibt sondern nur das Klimpern der Gitarrensaiten, wird dies noch viel interessanter gemacht. Fast so, als habe man ein leeres Buch vor sich, in das man die Geschichte von Grund auf selbst schreiben kann. Mein Favorit vom neuen Album? Ganz klar „Mr. Stoker“! Dieses eine Stück schafft es für mich einfach, so viele Emotionen aufs Mal rüber zu bringen. Da geht’s von „ruhig und zufrieden“ über zu „aufgeregt“, weiter zu „böse und ein wenig aggro“, bis hin zu „verzweifelt“ – alles in einem Stück, das deswegen kein bisschen an Harmonie verliert.

Fazit: Opal Ocean haben’s geschafft, ein Album zu kreieren, das ihren Live-Auftritten in nichts nachsteht. „Lost Fables“ ist vielschichtig, emotional und lädt wunderbar zum kreativen Kopf-Kino ein.

opal_ocean_lost_fables_

Tracklist:

Styx
Tribal Instinct
Burnt Out
Endling
Sleight Of Hand
The Fallen Prince
Echoes Of Light
Carnival
Scientific Reality
Mr. Stoker
Spirit Of Dreams