Scott Holiday von den Rival Sons: «Songwriting funktioniert bei uns wie Kuchen backen»

Electric Man„, „Pressure and Time„, „Open My Eyes„, „Hollow Bones„, und, und, und… Die Liste der genialen Hymnen der Rival Sons ist lang. Doch nicht nur deshalb hab’ ich mich auf den Weg nach Liverpool ans Konzert der kalifornischen Rock-Band gemacht; denn ich durfte dort mit Gitarrist Scott Holiday plaudern. Hach, ich liebe meinen Job!

Was mir dieser über das neue Album „Hollow Bones, das Songschreiben und die Arbeit als Vorgruppe für Black Sabbath auf deren Abschiedstour erzählt hat, könnt ihr hier im Interview nachlesen:

Seit fast einem Jahr seid Ihr nun als Support von Black Sabbath auf deren Abschiedstournee unterwegs. „Hollow Bones“ kam aber vor einem halben Jahr raus. Habt Ihr die Songs dazu etwa auf Tour geschrieben?
Die Songs für „Hollow Bones“ haben wir grösstenteils im Studio geschrieben. Wir wollen immer die neuste, frischeste Idee aufnehmen, weshalb wir meist erst wenn alle im Studio zusammenkommen mit dem Schreiben beginnen. Das kann ganz schön stressig sein… Manchmal fühlt sich das so an, als ob man mit einem Degen in eine Ecke gedrängt wird – da muss man dann schnell reagieren. Natürlich versuchen wir aber auch immer, Finesse und das gewisse Etwas reinzubringen.

Abseits des Studios schreibe ich jeweils nur, was ich „Krimskrams“ nenne. Das kann dann irgendeine coole Melodie sein, aber nie mehr als ein rohes Konstrukt. Würde ich mehr machen und alles bereits ausfeilen, würde ich mich bestimmt beleidigt fühlen, wenn ein anderes Bandmitglied seine eigenen Ideen zu meinem Song hat, was ich bereits erlebt habe. Wir haben wirklich starke Mitwirkende mit starken Meinungen in dieser Band – unglaublich kreative Menschen, die es verdient haben zu schreiben und zu ergänzen. Deshalb ist es am besten, in Bruchstücken zu schreiben und zu warten, bis alle zusammen kommen um kreativ zu sein.

Eigentlich ist es ziemlich süss, wie wir schreiben. Man könnte fast sagen, wir machen einen Kuchen und jeder schmeisst seine eigenen Zutaten rein. Der eine schmeisst das rein, der andere kommt mit seiner speziellen Geheimzutat von der anderen Seite, und, und, und… Glücklicherweise ist der fertige Kuchen am Ende meistens ziemlich köstlich.

Was wir tun klingt sehr einfach, aber für eine andere Band wäre es wahrscheinlich das falsche Rezept. Für uns hat’s soweit funktioniert.

Definitiv! Würdest Du denn sagen, dass sich der Geschmack dieser Kuchen auf „Hollow Bones“ verändert hat im Vergleich zu „Great Western Valkyrie„?
Wir versuchen mit jedem neuen Album in eine andere Richtung zu steuern. Wir arbeiten dann meist mit etwas anderen Tempos oder Klängen, mit anderen Grooves. Verschiedene Einflüsse können da auch einen Unterschied machen. Ich hoffe sehr, dass man hören kann, dass all unsere Platten eine eigene Identität haben. Ich denke aber, dass „Hollow Bones“ das ziemlich schön aufzeigt.

Wenn wir gerade bei den Einflüssen sind… Ist Black Sabbath – seit ihr mit ihnen auf Tour seid – mehr zu einem Einfluss auf eure Musik und vor allem auf die Songs auf „Hollow Bones“ geworden?
Ich glaube, wir hatten die Platte bereits fertig aufgenommen, als wir die Tour mit Sabbath starteten. Wir wussten aber bereits im Studio, dass das ansteht. Vielleicht war es schon irgendwo im Hinterkopf… Im Allgemeinen würde ich aber sagen, dass Sabbath keinen riesigen Einfluss auf unseren Sound haben. Da gibt es andere viel grössere – vielleicht auch etwas zeitgenössischere – Einflüsse. Trotzdem muss ich sagen, dass ich persönlich total von Black Sabbath und Tony beeinflusst wurde. Das sieht man glaub’ ich gut daran, dass heftige Riffs auch bei uns zentral sind. Es ist aber nicht so, dass wir das von ihnen übernommen hätten – es ist eher, was bei mir übrig geblieben ist vom Aufwachsen als Black Sabbath-Fan.

Und wie ist’s denn so auf Tour mit Sabbath? Seht Ihr Euch oft?
Wir sehen uns nicht immer, wir haben ja auch andere Zeitpläne… Wenn’s jedoch die Möglichkeit gibt abzuhängen, pack’ ich die auch immer. Sie sind immer so unglaublich nett! Da gibt’s dann ein paar Umarmungen und High Fives. Vor allem Tony ist immer sehr schmeichelhaft. Er sagt uns immer wie beständig wir sind, wie super wir klangen, und dass er meinen Gitarrenklang liebt. All diese unglaublich netten Dinge. Ich denk mir dann jeweils nur „come oon!!!“.

Ihr habt nicht mehr allzu viele eigene Gigs seit ihr mit Sabbath unterwegs seid. Ist es denn genug für euch, Opener zu sein?
Wir haben versucht, auch ein paar eigene Gigs reinzupfeffern wo das möglich war. Grösstenteils haben wir aber wirklich nur die 40-minütige Show als Vorband gehabt, was schon ein wenig seltsam ist. Vor allem, weil wir ja „Hollow Bones“ rausbrachten und das Album dann gar nicht so recht präsentieren konnten. Aber es ist schon auch aufregend. Man gewöhnt sich leicht daran, jede Nacht vor 40’000 Leuten zu spielen. Man muss dann einfach diese Zeitnische komplett ausnutzen und wissen, dass das unsere einzige Aufgabe ist – dass wir genau für diese 40 Minuten da sind. Einerseits ist das sehr „bequem“, andererseits ist es aber auch ein wenig einengend.

Wie jede Band bevorzugen wir es natürlich, unsere eigenen Gigs zu haben – für unsere Fans, die so grossartig zu uns sind, und auch für uns selbst. Wir wollen all unser Material zeigen, wir wollen dieses Zusammenspiel – diese Symbiose – mit dem Publikum spüren. Wenn ich auf der Bühne bin, habe ich immer das Gefühl, dass die Leute im Publikum und wir auf der Bühne eins werden, da kommt dann so viel Energie zusammen. Das ist definitiv schwerer zu erreichen, wenn man „nur“ Opener ist.

Würdet Ihr es trotzdem nochmal machen? Vielleicht auch für andere grosse Ikonen?
Natürlich würden wir! Ich meine, die Black Sabbath-Tour ist solch eine Ehre – auch wenn’s etwas einengend ist. Wir sind die Band, die auf ihrer allerletzten Tour dabei ist und sozusagen ihre Karriere mit ihnen beendet. Nie hätte ich da abgelehnt, das sind die Helden meiner Jugend! Und sie erwähnen uns auch in praktisch jedem Interview. Sagen jeweils, dass sie unsere Band lieben. Wie genial ist das denn?! Nie würden wir auf solche High Fives von unseren Helden verzichten wollen… Und da gibt’s definitiv auch noch mehr Ikonen, für die ich das machen würde. Wir haben gerade erst mit Aerosmith über deren nächste Tour gesprochen. Ich weiss nicht genau, was dort der Plan ist oder ob wir das machen, aber ich bin auch ein Riesenfan dieser Band. Also ja, da gibt es definitiv noch mehrere Ikonen, für die ich gerne Shows eröffnen würde.

Wir dürfen also eindeutig gespannt bleiben auf die weiteren Projekte der Rival Sons. Für alle, welche die Band – wie ich – in voller Länge sehen möchten anstatt „nur“ als Vorband, gibt’s gute Neuigkeiten: Die Band macht Halt im Zürcher Volkshaus am 13. Februar – und zwar solo! Tickets gibt’s hier.

Nach dem Konzert in Liverpool kann ich ganz klar sagen: Es lohnt sich!