So war’s bei The Pretty Reckless am 04.02.2017 – Total objektiv (wie immer)

Mit ausverkauften Konzerten ist es immer so eine Sache; einerseits ist es natürlich cool, wenn eine Band so viele Menschen anzieht, andererseits ist dafür die Bewegungsfreiheit des einzelnen Konzertbesuchers ziemlich eingeschränkt, der Weg hinein, hinaus, zu Garderobe, Bar und Toilette wird je nachdem zum risikoreichen Hindernislauf und wenn man sich erstmal verloren hat, bleibt man auch eher verloren. Sagt ja aber eigentlich nichts über die Qualität des Konzerts aus, darum soll’s jetzt einfach darum gehen, was denn The Pretty Reckless am Samstagabend im grossen Saal des Dynamos abgeliefert haben.

Support waren The Cruel Knives, die neue Band von 2/4 (Gitarrist und Bassist) der wunderbaren Heaven’s Basement; im Vergleich mit diesen haben jene aber, naja, nicht unbedingt an musikalischer Qualität – man kennt halt die Songs noch nicht, blabla -, dafür an Arschtritt-Attitüde, Live-Präsenz und Rohheit verloren. Vom ehemaligen Energie-Feuerwerk sind bloss noch die Rockstarposen geblieben, die dann auch passend ergänzt wurden mit der mehrmaligen Aufforderung, jetzt crazy zu gehen, zu screamen und so weiter. Sympathischer wurde es dann doch noch, als ein technischer Zwischenfall die Band dazu zwang, ein bisschen zu plaudern, zu improvisieren, etwas Leben zuzulassen. Aber ja, lohnt sich, glaub ich, trotzdem, die Band im Auge zu behalten.

The Pretty Reckless machen mit den grossen Gesten da weiter, wo der Opener aufgehört hat. Taylor Momsen und ihre Band – ja, trotz allem „wir sind eine Band und gleichberechtigt usw.“ fühlt es sich schon sehr auf sie zentriert an. Immer noch; das soll jetzt aber nichts Schlechtes sein, sie ist ja eine der besseren Frontpersonen dieses Planeten – wissen, was auf der Bühne Wirkung entfaltet und zelebrieren einer Show, die viel Classic-Rock-Anleihen heranzieht, immer mal wieder grosse Schlenker in grungige, alternative, allgemein einfach modernere Gefilde macht. Das ist dann ganz klischiert amerikanisch ziemlich breit dargeboten und auch nicht ganz frei von Pathos, aber den Anwesenden – gemessen an der Lautstärke des Applauses – gefällt es offensichtlich. Einzig die paar Tanzenden werden immer mal wieder mit schrägen Seitenblicken gemustert.

Bzgl. Songauswahl fehlt natürlich auch nichts – abgesehen von „Miss Nothing“ -; da werden alte Überhits wie „Make Me Wanna Die“ und „My Medicine“ gespielt, die sich aber sehr gut mit dem Material vom neuen, im letzten Jahr veröffentlichten Album „Who You Selling For“ vertragen.

Aber was jetzt, war’s gut oder nicht? Doch, doch, es hat durchaus gefallen, eine gute, solide Rockshow, die einfach etwas den persönlichen Anstrich, das „this is more than a job and there’s no place I’d rather be than on this stage“-Gefühl vermissen liess. Und was noch gesagt werden muss: Danke an den Mischer! Von dieser Seite her hat wirklich alles gestimmt.