The Hotelier im Werk 21 – what a show

Noch kein Jahr ist es her, seit mich The Hotelier aus Massachusetts das letzte Mal voll und ganz in ihren Bann ziehen konnten. Und sie haben’s auch im zweiten Anlauf im Zürcher Werk 21 am Montag, 6. Februar 2017 wieder hingekriegt, aber lass mich von vorne beginnen. Nämlich mit Crying, ebenfalls aus den Vereinigten Staaten.

Gehört habe ich vom Trio noch nie was, aber mein erster Eindruck, als sie die Bühne betreten: Eine Schülerband? Hä? Vielleicht liegt’s an der nervös lächelnden Schlagzeugerin oder der distanzierten Bühnenaufteilung, aber irgendwie kommt’s mir vor, als wären die drei noch nicht sehr bühnenerprobt.

Diese Meinung verschwimmt irgendwann; denn mit jedem Song, den Crying anspielen wird mir klarer: Fuck, die können was, da ist ja gar nichts mehr vom Studi-Band-Image zu spüren. Zwar merkt wohl der ganze Saal, dass die Drei-Mann-Band sich noch nicht ganz für eine Musikrichtung entscheiden konnte, aber die funkigen, ein wenig altbackenen Synthies ab Band und die Achtziger-Gitarrenriffs regen mich trotzdem zum Tanzen an. Während einigen Passagen könnte ich schwören, dass Crying gleich einen Journey-Song anspielen, fast jedes Mal verfliegt diese Vermutung aber im Refrain, der in vielen Song einen asiatisch-poppigen Einschlag verpasst kriegt. Und nein, das sage ich nicht nur, weil die Sängerin in den viel zu grossen Manchester-Hosen (die übrigens meeeega härzig ist, ich möchte sie so gerne in den Arm nehmen) Asiatin ist.

Alles in allem ist der Sound von Crying wohl nichts, dass ich lange ab Band hören würde, aber um mich am Konzert in den Montagabend zu tanzen, ist’s wunderbar.

Erstaunlich pünktlich beginnt dann auch die Hauptattraktion des Abends: The Hotelier. Natürlich bin ich fest davon überzeugt, dass die Amis ihr Set mit “An Introduction To The Album” beginnen; denn es gibt wohl keinen besseren Song für die Eröffnung einer Show. Und dann: Ich werde bitter enttäuscht. Nicht nur von einer unerwarteten Songauswahl, auch weil Sänger Christian nicht seine berühmt-berüchtigten Leggings trägt. Spätestens bei Song drei löst sich mein Groll zum Glück in Staub auf und “Your Deep Rest” reisst mich in den oben schon erwähnten Bann. Es gibt wohl wenige andere Musikstücke, die in mir eine solch starke Gänsehaut auslösen.

Das hängt wohl unter anderem mit Christians Stimme zusammen, die trotz dem vergangenen Monat auf Tour fantastisch klar klingt. Ansonsten merkt man der Band die vielen Shows und den wenigen Schlaf ein wenig an. 

Apropos Schlaf: Es ist mittlerweile fast halb elf und ich muss mir die Müdigkeit aus den Augen wischen; denn nach einem kurzen Blick auf die Setlist weiss ich: Der Übersong der Übersongs kommt ganz zum Schluss – also heisst’s durchhalten. Und glaub mir oder glaub mir nicht, aber als The Hotelier dann endlich doch noch “An Introduction To The Album” anspielen, könnte ich weinen – einfach weil dieser Track so viel Gefühl mit sich bringt und es mich noch einmal voll reinzieht.

Ein weiteres Mal schaffen es The Hotelier, mich total zu flashen – so sehr, dass ich mittlerweile gar nicht mehr an mein Bett denke und lieber noch stundenlang der Musik der Band lauschen würde. So gut sind die, wirklich! Überzeug dich doch am besten gleich selbst: