Ein wunderbares Valentinstagsdate mit The Wonder Years im Werk 21

Der Valentinstag ist nichts, was ich speziell feiern würde, aber irgendwie finden dann seit Jahren gute Konzerte statt – so auch 2017 mit The Wonder Years, Trash Boat und Tiny Moving Parts. 

Letztere füllen überraschenderweise gleich den ersten Support-Slot; gerechnet hätte ich eher mit Trash Boat, aber whatever. Vor einem halbleeren Werk 21 schnallen sich Tiny Moving Parts also ihre Instrumente um und irgendwie mag die Stimmung noch nicht recht aufkommen – zu tun hat das wohl auch mit den zu leisen Vocals. Dieses Problem macht das unglaublich sympathische Lächeln von Sänger Dylan für mich aber zum Glück wett und an den vielen “Oh, er esch sooo härzig” zu urteilen, die ich um mich rum höre, geht’s den anderen wohl etwa gleich. 

Auch sonst vermag der TMP-Frontmann die Crowd von Zeile zu Zeile mehr für sich zu gewinnen – alles andere würde mich bei seinem energiegeladenen Auftreten auch wundern. Obwohl er mit seinen Bandkollegen eigentlich ziemlich melancholische Einschläge in den Sound packt, steigt bis Ende des Sets der Amis eine Konzert-Party, die mit meinem Lieblingstrack “Dakota” einen krönenden Abschluss findet.

Next up: Trash Boat, deren Sänger Tobi im Dezember 2016 mit Jasmin gequatscht hat. Von Beginn weg muss ich ein wenig schmunzeln: Hihi, Meitlimusig. Nicht, weil die Jungs aus Grossbritannien sonderlich sanften Sound von sich geben. Das hat mehr damit zu tun, dass sich in den vordersten Reihen mehrheitlich weibliches Publikum einfindet und die Band anhimmelt. Der männliche Anteil der Crowd widmet sich derweil lieber dem Starten von Moshpits – am Leben erhalten können sie diese aber nie wirklich lang. Immerhin kriegen sie’s hin, meine extra zum Valentinstag montierten Herz-Socken in Bier einzuweichen, fein!

Aber wer kann’s ihnen übel nehmen, die vielen “Oooh-oooh”-Parts und die generischen Pop Punk-Riffs laden halt schon ein wenig zum Pogen ein. Leider ist für mich bei Trash Boat aber auch nicht mehr dabei als 0815-Pop Punk, der, wie Baze sagen würde “scho nätt u so, aber ender weniger” ist.

Irgendwie verfliegt mit dem Ende des Trash Boat-Sets auch die Lust auf eine weitere Band, aber eigentlich weiss ich ja selbst, dass mich The Wonder Years – mit denen ich 2014 übrigens ein Interview geführt habe – eh wieder voll abholen.

Kennst du’s, wenn du vom ersten Moment an weisst, dass eine Show verdammt fucking geil wird? Dann verstehst du, wie’s mir gleich zu Beginn des Wonder Years-Gigs geht. Der (fast) ganze und mittlerweile gut gefüllte Saal singt mit, alle hüpfen und plötzlich ergeben sich auch die Moshpits wie von selbst – an einem Dienstag, an dem alle gearbeitet haben.

Und ganz ehrlich, irgendwann verfalle auch ich dem Pop Punk der Jungs aus Philadelphia komplett. Es fühlt sich fast an, als wären wir alle wieder 15 und uns nichts stoppen könnte. Während den eher ruhigeren Songs fällt aber auf: Obwohl drei (!!) Gitarristen auf der Bühne stehen, hört sich der Sound an als käme er aus schlechten Mini-Boxen oder einem Handy und Rawk-Gspänli Marc bemerkt (jetzt bitte mit Ostschweizer-Dialekt lesen): “Fuck de Sänger tönt als würer grad sterbe wenn er redet”.

Glücklicherweise sind diese beiden Negativpunkte spätestens bei “Passing Through A Screen Door” wieder vergessen und der Übersong “Came Out Swinging” holt nochmals alles aus dem Publikum raus. Sogar ich – wer mich kennt weiss, ich bin eine Hinten-Steherin – renne zur Bühne und schreie den Text in Richtung Band; natürlich nicht, ohne ganz zum Schluss eine Hand ins Gesicht geschlagen zu bekommen (unabsichtlich versteht sich).

In diesem Sinne: Liebe Veranstalter, ich freue mich, wenn ihr mir auch den nächsten Valentinstag mit einer guten Show versüsst, es war wunderbar!