14.03.2017 – John Garcia unplugged

Welch ein gemütlicher Start in den Dienstagabend. The Leaving haben uns gut und mit viel Herz empfangen. Auch wenn es meinem Empfinden nach doch ein Bisschen zu ruhig oder jedenfalls ungewohnt war, im Vergleich zu meinen letzten Besuchen im ISC in Bern, sind solche Gigs doch immer interessant. Und auf jeden Fall ideal, um sich zeitgleich ein feines Bier an der Bar zu gönnen und dem Geschehen von da aus mitzuhören.

Ein Mann, eine Gitarre: Frederyk Rotter hat bereits 2010 sein erstes Akustikalbum “Even If We Sleep” produziert und mit seinem eigenen Label, Czar Of Crickets Productions, herausgebracht. Seither ist er in Europa umhergetourt und hat 2013 den Namen The Leaving kreiert. 2016 folgte das Album “Faces”.

Dann betraten zwei die Bühne, bei denen man meinen könnte, dass sie nie etwas anderes gemacht haben, als zusammen Gigs zu spielen. John Garcia und Ehren Groban wissen, was sie tun und sie tun es richtig gut. Sie haben das neu eingespielte Album “The Coyote Who Speaks In Tongues” zum Besten gegeben. Jeder Ton hat gesessen — eine solch authentische Stimme habe ich noch selten live gehört. Es schien gerade so, als hätten die beiden Männer die Sonne gleich mitgebracht. Ihr Sound passte wie die Faust aufs Auge zum Wetter in den letzten Tagen. Es war wie eine Spazierfahrt,  das Verdeck offen, die Sonnenbrille auf, kein anderer Wagen in Sicht. Freie Fahrt, kein Zeitdruck, kein Ende der Strasse in Sicht. Der Wind in den Haaren und dazu Garcia auf den Ohren. Ja, wenn man die Augen geschlossen hat, konnte man sich so richtig in einer anderen Welt verlieren. Und trotzdem auch hier: die passende Mukke um ein Bier zu geniessen und über vergangene Tage zu resumieren.

Was natürlich auch noch erwähnt werden muss: das ISC-Team hat für das perfekte Ambiente für diesen Gig gesorgt. Eine gemütlicher ausgestattete Bühne habe ich wohl noch nie gesehen – ein Vintage-Sofa, zwei Sessel, Bilder an der Wand. Man hatte das Gefühl, die beiden Herren sitzen bei einem gemütlichen Männerabend und starten eine spontane Jam-Session. Ich fühlte mich automatisch wohl. Auch wenn der ISC, wie gewohnt, ziemlich voll war, vergass man dies durch die Stimmung, die entstanden ist, sofort wieder.

Nach dem Konzert durfte ich noch ein paar Worte mit John wechseln. Was für ein sympathischer Mann! Da jedoch noch eine Menge Leute darauf gewartet haben, mit der Stoner-Legende ins Gespräch zu kommen, räumte ich nach einem Foto –  konnte nicht widerstehen– dann auch wieder den Platz und beobachtete das Geschehen von weiter weg.

Es war ein toller Auftritt und ich empfehle in diesem Sinne auch die Platte, die die beiden vorgestellt haben. Es lohnt sich, dort mal reinzuhören.

Foto: Nicole Imhof Photography