27.03.2017 – So waren Tokio Hotel im Volkshaus Zürich

Ein Abend zwischen musikalischer 180° Wendung und Fantreue: Tokio Hotel haben am 27. März zum zweiten Mal in Folge das Volkshaus in Zürich besucht und ich war wohl die einzige in unserem Team, die sich dieses Datum schon früh rot angestrichen hat. Bis kurz vor der Show wusste ich nicht genau, ob dies eine gute Idee war oder nicht.

Tokio Hotel, die Überband meiner frühen Jugend! Und ja, ich gebs zu, mein Zimmer war voll mit Tom- und Bill-Postern und diese Typen sind nicht ganz unschuldig, dass ich zur alternativen Musik gefunden habe. Denn der Sound von damals hat in Teenies viele Gefühle ausgelöst und auch an der Show im Volkshaus wurde mir wieder bewusst, warum mich die Person Bill Kaulitz schon immer fasziniert hat: Ein Musiker durch und durch, der von Anfang an sein Ding durchgezogen hat und eine Band die trotz komplettem Soundwechsel viele Fans mitziehen konnte und immer noch begeistern kann. Ich kann textlich so ausholen, weil es an diesem Abend keine Vorband brauchte und wir selten eine so problemlose Durchfahrt nach Zürich hatten.

Das Publikum im Volkshaus war gemischt und man erwartete mit Spannung den grossen Moment. Um 20:45 Uhr wurde es dunkel und die Show begann. Es erwartete uns eine eineinhalbstündige und fulminante Lichtshow, viel Synthie-Sound und eine professionelle Band, die ihr Handling versteht. Ein Frontmann, der mit dem Publikum in deutscher Sprache kommunizierte, auch wenn dies teilweise nicht so spontan, sondern eher etwas programmiert rüber kam. Trotzdem konnte mich die Band mit jedem Song mehr wieder zurück in ihren Bann ziehen, auch wenn ich nur rund sechs der 18 Songs auf der Setlist kannte. Ich habe keine Sekunde daran denken müssen, dass es jetzt langsam zum Ende kommen könnte, denn die Show war durchaus unterhaltsam und gut abgemischt. Ich hatte das Gefühl, die Band ist mit ihrem jetzigen Dasein total zufrieden und die Songs kamen authentisch rüber. „Feel it all“, „Girl Got A Gun“, und „Run, Run, Run“ waren für mich die Highlights, jedes Bandmitglied ging in seinem Element vollkommen auf, selbst Schlagzeuger Gustav darf weiterhin richtig auf die Pauke hauen und teilweise tönten Gitarre, Bass und Schlagzeug in Kombination durch – ein bisschen wie in alten Zeiten.

Für die VIP-Besucher gab’s ein besonderes Gutzi, sie durften bei „Automatic“  zur Band auf die Bühne und ein paar Zeilen mitsingen, wobei ich fand, dass dies nicht gerade bei diesem Song hätte sein müssen 😉

Wie es sich für eine richtige Band gehört, gab’s natürlich auch eine Zugabe, die unter anderem „Durch den Monsun“ enthielt und es wurde deutsch gesungen – den ganzen Song lang! Ich hätte nie geadacht, dass ich diesen Song mal live erleben würde auf deutsch!

Meine Begleitung und ich fanden, ganz abgesehen von der Geschichte der Band, würde sich dieser Act durchaus als „Closer“ des Tages an einem Festival eignen und verdient einen ganz neutralen Blick auf die aktuelle Show; ohne ständig mit ihren Anfängen verglichen zu werden.

Ich bin ohne grosse Erwartungen an dieses Konzert gegangen, einfach weil ich Tokio Hotel persönlich gerne mal live erleben wollte und ich muss sagen: Tokio Hotel haben sich in ihre ganz eigene Richtung entwickelt und konnten mich mit dem Gesamtpaket überzeugen. Fanmodus off.