01.04.2017 – Wir waren am Castle Rock in Burgdorf

Samstag, 1. April 2017 in Burgdorf – zum Glück habe ich eh nie eine Frisur, denn nach den windigen fünf Minuten auf dem Velo von meiner Wohnung bis zum Castle Rock wäre sie doppelt zerstört gewesen. Passend zu meiner Pollen-Bazillus-Nase. Anyway, bereits zum vierten Mal fanden viele schwarz gekleidete Metalheads den Weg in die alte Sägegasse Turnhalle. Aber so metallig sollte der Abend gar nicht werden.

Als erster Act standen Irony Of Fate auf der Bühne. Auf diese jungen Herren und die Dame am Mikro war ich sehr gespannt. Obwohl ich Thrash- respektive Death-Metal eigentlich überhaupt nichts abgewinnen kann, hat mich das Quartett total fasziniert. Dies wohl in erster Linie wegen Sängerin Cveti. Da stand sie in ihrem weissen, mit roter Farbe verschmierten Kleid auf der Bühne und machte mit ihrer fast schon sanften Sprechstimme eine kleine Ansage. Und dann ging es los. Huiuiui, wie kann man als Frau so „singen“? Was passiert da bloss in ihrer Kehle? Sie hat mir nach der Show verraten, dass sie überhaupt nicht normal singen kann. Es sei alles eine Übungssache und ja, es wären halt andere Stimmbänder. Wie auch immer, ich werde es nicht versuchen aber überzeugen konnten sie mich trotz dem harten Genre auf ganzer Linie.

Weiter ging es mit einem ziemlichen Stilbruch: Alternative Rock von GROOMBRIDGE. Die Burgdorfer mussten bereits bei drei Ausgaben des Castle Rocks absagen, aber diesmal hat es geklappt. Ich war skeptisch, wie das schwarz gekleidete Publikum die melodiöseren Töne aufnehmen würde und habe mich dann darüber gefreut, dass die Halle gut gefüllt blieb. Sänger Dyle stand zwar mit angeschlagener Stimme auf der Bühne und Gitarrist Fibe mit Migräne, aber das tat der Show keinen Abbruch. Das Set haben sie dem Publikum entsprechend etwas rockiger mit weniger Elektronik angepasst und die Songs kamen frisch und knackig aus den Boxen. Da stehen erfahrene Musiker auf der Bühne, die ihr Können vollends verstehen. Ja ja, ich bin voreingenommen – aber da gibt’s nix zu diskutieren. Schweizer Musik auf höchstem Niveau. Punkt.

Als letzter Act hauten uns Skylla’s Revenge ihren Hardcore um die Ohren. Leider hatte sich Schlagzeuger Jona kurz vor der Show verletzt und so musste kurzerhand ein Ersatz für ihn her. Hut ab, dass da jemand so spontan eingesprungen ist und die Songs quasi aus dem Effeff spielen konnte. Das Set musste leider aufgrund dessen von 60 auf 30 Minuten gekürzt werden, aber dafür hauten sie eine halbe Stunde richtig rein. Ich habe sie schon lange nicht mehr live erlebt und muss sagen, dass der Sound jetzt um einiges tighter daherkommt. Den brandneuen Song “Old Souls” könnt ihr euch auf Youtube anhören. Dem Drummer wünsche ich gute Besserung!

Das OK des Castle Rocks hat wiederum einen runden Abend auf die Beine gestellt und gezeigt, dass sich der Mut zu Genre Mix auszahlt. Die Stimmung war friedlich und ausgelassen – ein paar Mädels brachten übrigens sogar einen pinkigen Bobby Car mit – und die Organisation top. Im nächsten Jahr feiert das Castle Rock bereits die fünfte Ausgabe. Da die alte Sägegasse Turnhalle ab Herbst umgebaut wird, muss eine alternative Lokalität gefunden werden. Wir werden bestimmt wieder am Start sein. Castle Rock, das war gut!