07.04.2017 – Deaf Havana im KIFF: Jeder Song ein Hit!

Als unsere kleine Gruppe die Stufen zum Saal des KIFFs erklommen hatte, waren die Schweizer Harvey Rushmore & The Octopus gerade auf der Bühne. Was soll ich dazu wohl sagen? Hätte ich während der Anfahrt ein paar bewusstseinserweiternde Pillen eingeworfen, hätte ich den Sound vielleicht verstanden. Nennt man das Psychedelic Rock? Schwammiger und undefinierter Sound, unmotivierte Band und kein einziger Song, nicht mal ein Refrain, an den man sich nach dem Konzert erinnern könnte. Wem’s gefällt…

Weiter ging’s mit Dinosaur Pile-Up aus Leeds, England. Im Netz als Alternative Rock angepriesen, klingt’s eher nach einem mittelmässigen Nirvana-Verschnitt aus den 90ern. Die Gitarren klangen ätzend nach kaputtem Verstärker, der Bass wummerte irgendwo im Foyer umher und vom Drum waren nur die beissenden Höhen zu hören, die meine Oropax geschickt umgingen. Und wenn man dann noch so selbstbewusst jeden verdammten Ton dermassen daneben singt… Ich weiss ja nicht. Aber immerhin: der letzte Song „11-11“  blieb im Gehörgang hängen und hie und da hatte die Band auch eine Sternstunde in Form von rhythmischen Teilen, die eine mitreissende Wirkung auf die Zuhörer hatten.

Zu guter Letzt folgten nun die Headliner Deaf Havana aus Norfolk, ebenfalls England. Seit dem letztjährigen Greenfield Festival krieg ich die Band nicht mehr von meinem iPod. Das neue Album „All These Countless Nights“ ist düster, melancholisch, emotional und unglaublich kurzweilig – hat mich mitten ins Herz getroffen, wie schon die Vorgänger-Alben. Und anscheinend geht das nicht nur mir so, denn das KiFF war mittlerweile gut gefüllt. Unbeschwert legte die Band los und holte die Leute im Saal sofort ab. Sehr textsicher und voller Zuneigung wurde lauthals mitgesungen und getanzt. Irgendwie schien jeder Song ein mitreissender Hit zu sein, von „Cassiopeia“ über „Trigger“ oder „22“. Leider war die Soundqualität auch hier nicht besonders gut, irgendwie waren dem KIFF die Bässe abhanden gekommen. Das machte Sänger James mit seiner Sympathie aber locker wett. Gesprächiger denn je plauderte er die eine oder andere Geschichte aus und liess uns deutlich wissen, wie schön wir Schweizer es doch haben. Voller Freude und Leidenschaft spielten die Jungs gut anderthalb Stunden, die wie im Flug vergingen. Klar, es hilft schon, wenn man die Songs kennt. Aber dieser Band hört und sieht man einfach gerne zu. Denn es ist eine echte Band, und noch eine richtig gute oben drauf. Da überlege ich mir sogar, dieses Jahr ans Gampel zu fahren…