18.04.2017 – Ghost auf ihrer Popestar Tour im Volkshaus

Disclaimer: Ich habe versucht, Teile des Abends, zumindest ein paar Eindrücke davon, mit der Handykamera festzuhalten. Schon nach kurzer Zeit war aber klar, dieser Abend wird mit Fotos nicht und auch mit Worten nur sehr schwer zu beschreiben sein. Das Grosse und Ganze kann man nur mit persönlicher Anwesenheit einfangen und erleben.

Begonnen hat alles mit verschlossenen Türen und Schnee. Reichlich kaltem, nassem Schnee und nicht dem kleinsten bisschen Lust, bei diesem Wetter vor den Türen des Volkshaus zu warten, welche eigentlich schon für die Mengen offen stehen sollten. Stattdessen trafen wir um 19:00 Uhr eine Meute frierender Fans an, hilflos dem unerwarteten Schneegestöber ausgesetzt. Unser Entschluss: nächste Bar, Wärme, Bier und Kaffee. Und wozu dies geführt hat, kennt man ja inzwischen nicht mehr anders von mir. Wie man während einem Bier eine ganze Band verpassen kann, ist mir jedoch auch nicht ganz klar. Hust. Die letzten paar Töne von Zombi waren aber ganz okay, besser, als ich sie mit vorgestellt hatte.

Und dann, Dunkelheit. Leise setzten die Orgelklänge ein und begannen, düstere Melodien zu spielen. Erregung machte sich über dem Publikum breit, wie eine mächtige Gewitterwolke und Spannung lag in der Luft, man konnte das Knistern förmlich spüren. Das kalte Licht auf der Bühne ging an und für einen kurzen Moment herrschte Stille, wonach die Menge jedoch in Applaus und Geschrei ausbrach: Der Soundcheck begann. Also, sogar einen Soundcheck zu inszenieren, noch nie gesehen, noch nie miterlebt. Punkto Show war mir spätestens hier klar: Die vorab gesammelten Eindrücke und Aussagen zu den Bühnenshows werden sich bestätigen. Die wissen schon, warum sie einen Grammy gewonnen haben.

Von neuem setzten die leisen Klänge ein, zusammen mit unheilvollem, vom roten Licht durchstochenem Nebel. Ein Bild wie das Warten vor den Toren zur Hölle. Wieder Dunkelheit. Und auf einmal tauchten aus der Dunkelheit erst die Namless Ghouls auf und stimmten den ersten Song „Square Hammer“ ein, dann, aus einer Nebelwolke wie aus dem nichts auch Papa Emeritus III. Alle im Erwarteten Aufzug: Masken, Robe, Mitra. Von Beginn an war die Bühne zu einem Schauplatz geworden, ich war Sekunde für Sekunde gespannt, welche Inszenierung mit der nächsten Strophe wohl folgen mag, mit welchen Effekten sie das ganze wohl beim nächsten Song unterstreichen werden. Die überschwänglichen, teils anmutigen, ja schon fast arrogant wirkenden Bewegungen auf der Bühne bestätigten mir die oft gehörte Aussage, Ghost würden uns „ihre Gnade der Anwesenheit“ schenken. Und ja, auf gewisse Weise fühlte man sich effektiv ein Wenig beherrscht und gab sich dessen hin. Theatralik und Düsterheit werden gross geschrieben, vom Anfang bis zum Ende. Jedoch war auch immer wieder ein wenig Platz für eiskalten Sarkasmus und tiefschwarzen Humor, was mir das ganze unheimlich sympathisch macht. Ich fühlte mich sofort noch viel wohler.

Mit „Cirice“ legte dann auch Papa Emeritus III Gewand und Hut ab. Die Show ging jedoch genau so perfekt inszeniert weiter, wie sie begonnen hatte. Und mir fiel erst da auf, dass mir die Gesichter nicht fehlten. Die Spannung auf Grund aller anderen Aspekte war zu gross und ausserdem ist genau dies einer der Punkte, die das Bild komplett machen.
Zum Schluss gaben Papa Emeritus und die Nameless Ghouls „Monstrance Clock“ zum besten. Und kaum waren die letzten Töne gespielt, es wurde dunkel, die Finsterniss brach über uns hinein und sie waren verschwunden, als wären sie nie da gewesen. Als wären sie Geister.

Das Gesamtpaket, welches Ghost zu bieten haben, ist überwältigend. Die ganze Show, das Zusammenspiel zwischen Ton und Licht, jede Bewegung passt, reine Sympathie trotz Gesichtslosigkeit und vor allem die Tatsache, dass es mir während des ganzen Konzert nicht eine Sekunde langweilig war, machen dieses schon jetzt zu einen der für mich besten Konzerte 2017.