Review: Bitch Queens – L.O.V.E.

©Matthias Willi

Endlich neues Material der Basler Schlampen von den Bitch Queens. Die selbsternannten Königinnen sind mit ihrem neuen Studioalbum “L.O.V.E.” am Start und bugsieren uns damit zurück in das Skandinavien der Neunziger — damals als Gluecifer zusammen mit Turbonegro und den Hellacopters den Rockolymp des hohen Nordens beherrschten.

Das Album öffnet mit “Anti-Social” einer nihilistischen, leicht misanthropischen Fuck You-Hymne, die sich anhört wie eine B-Side alter Turbonegro-Alben. „Go fuck the world! Leave me alone! Anti-Social to the bone.“ Die Zuneigung zur Turbojugend (und zu Turbonegro) der Bitch Queens ist kein Geheimnis, da sie selbst Mitglieder der Turbojugend Basel sind und man den Einfluss in ihrem bisherigen Repertoire überall heraushören kann. So überraschen auch Texte wie in “Naked Or Denim” keinesfalls: „Some of them say, he’s a party hard superstar. That dude is in the Turbojugend and a fucking legend!“  Überraschend hingegen sind die Gastmusiker: Peter Van Elderen von Peter Pan Speedrock begleitet sie an der Gitarre in „Collateral Damage“ und in „Deadbeat Generation“, „B-Stock Babies“ und „Naked Or Denim“ erhalten sie Unterstützung von den beiden Mädels der Delilahs.

Politisch korrekt, sowas gab es bei dieser Band nie. Fluchen sei ja sowieso gesund und zeichne ehrliche Menschen aus – endlich wird es salonfähig gemacht! „R-Rated“, der Song mit dem Backyard Babies-Riff gehört mit zu den besten dieses Albums und animiert in der Öffentlichkeit laut zum Refrain „Bitch! Bitch! Bitch! Queen!“ mitzusingen.

Mit „Techno is Dead“ ist der Band einer der besten und härtesten Songs ihrer bisherigen Karriere gelungen. „Let me see you bang your head! Techno is dead!“ Ein “Fick dich!” gegen digitale Musik und selbsternannte Musiker, die nur den PC anschliessen, ohne überhaupt je in die Nähe eines Instrumentes gekommen zu sein.

Böse Zungen behaupten ja, dass die Bitch Queens zu sehr versuchen wie Turbonegro zu klingen. Mag sein, aber mit dem „Special Education“-Debakel vom letzten Jahr, bin ich ehrlich gesagt froh, dass es doch nicht 100%-ig so ist. Die Scheibe lässt mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück, denn ich muss gestehen, dass die Bitch Queens im Jahr 2017 die Chance haben, die besseren Turbonegro zu werden. “L.O.V.E.” ist bis jetzt das beste Album dieser Basler Schlampen und steht bei mir hoch im Kurs, es in Top 5 des Jahres zu schaffen. Wenn die Entwicklung beider Bands so weitergeht, müsste man die Bitch Teens gründen. Mit violett glitzernden Kutten.

Um “L.O.V.E.” ordentlich zu feiern, findet am 5. und 6. Mai das Bitch Festival statt. Wir verlosen 1×2 Tickets. Mehr Infos dazu findet ihr hier.

VÖ: 28.04.2017

Anti-Social
Deadbeat Generation
Naked Or Denim
Polymeric Lover
R-Rated
B-Stock Babies
Devine Receiver
Boy Toys Of Glory
Collateral Damage
Girls Girls Boys Boys
Techno Is Dead