Interview mit Kyle Gass: Wenn der Interviewer zum Interviewten wird

Aufgeregt wie wohl noch nie in meinem Leben, habe ich mich auf den Weg nach Basel gemacht, um ein Interview mit der Kyle Gass Band zu führen – ein Riesendankeschön an dieser Stelle an Tina, die das für mich möglich gemacht hat! Endlich im Grand Casino Basel angekommen, war der Empfang durch den Security-Oberhäuptling sehr unfreundlich. Ok, das hier etwas andere Regeln herrschen, ist mir durchaus bewusst, aber man kann doch bestimmt aber freundlich bleiben, oder? Egal. Nach wenigen Minuten erhielt ich meinen Pass und ich wurde in den Metro Club zur Band geführt. Ich hatte bis dahin noch keine Ahnung, mit wem genau ich das Interview führen werde. Ich war dann doch etwas überrascht, als ich in einen ca. 4m² kleinen Raum hinter der Bühne geführt wurde und mich Kyle Gass himself in Empfang nahm. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde versuchte ich, die Gesprächsführung zu übernehmen und mit dem Interview zu beginnen. Ich scheiterte kläglich.

Kyle: Was ist dein grösster Wunsch oder Traum?
Stefanie: (Etwas überrumpelt) Ehm, keine Ahnung, vielleicht etwas mehr Erfolg mit der eigenen Band haben wäre toll?!

Natürlich wollte er etwas mehr wissen über die Band, aber das kürzen wir an dieser Stelle ab.

Kyle: Bist du aufgeregt? Gib mir deine Hand! Oh du schlotterst ja richtig, das musst du doch nicht. Kennst du diesen Song? (Man hört von draussen das Dröhnen von der Bühne – die Band ist gerade am Soundcheck.)

Klar kenne ich diesen Song… Cakey!
Kyle: Lass uns auf die Bühne gehen – nimm das Aufnahmegerät gleich mit!

Kyle nahm meine Hand und führte mich auf die Bühne, machte mit der Band einen kurzen Soundcheck und ich schaute dem ganzen begeistert zu. Der Song war noch nicht zu Ende gespielt, als mich Kyle wieder zurück in den Raum führte. Mein Puls hat sich mittlerweile beruhigt und wir wollten zum wesentlichen Teil übergehen, als es an der Tür klopfte und der unfreundliche Oberhäuptling der Security hereinplatzte: Armbandkontrolle! Kyle hatte sein Armband nicht an, da es ihn beim Gitarrespielen stört. Dem Security war dies sichtlich egal und er verlangte, dass er das Band anzieht. Auf diese unfreundliche Aufforderung reagierte Kyle mit einem plötzlichen Anflug von Ungeschicktheit. Wo war nun schon wieder dieses Band? In der Hosentasche? Doch in der Jackentasche? Hmm… wo denn nur? Nach gefühlten fünf Minuten “Suchen” fand er dann doch noch sein Band und legte es sich an. Der Security, innerlich am Kochen, verliess mürrisch den Raum. Als die Tür wieder geschlossen war, richtete Kyle zwei bestimmte Finger in Richtung Tür. Ich konnte mich kaum noch halten vor Lachen!

So, wollen wir nun mit dem Interview starten?
Kyle: Klar, legen wir los!

Wie war eure Europa Tournee bis jetzt?
Kyle: Bis jetzt hatten wir wirklich sehr viel Spass, die Tour ist wirklich gut und so auch die Vorbands. Wir spielten das erste Mal  seit langer Zeit wieder in England, das war super. Man war etwas besorgt, wie die Nachfrage sein würde aber die Shows waren gut besucht.

Welche Show war denn die Beste?
Kyle: Hmm, ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber das war glaube ich die Show, als du dabei warst… (Anm.d.R. Das war die Show in Strasbourg.)

Ihr kennt die Schweiz ja schon ein bisschen; was sind drei Dinge, die für euch typisch schweizerisch sind?
Kyle: Ein kleines bisschen… ehm, Geld… mehr Geld – man hat hier das Gefühl, von reichen Leuten umgeben zu sein. Und strenge Security. (Kurze Aufklärung, dass der Oberhäuptling-Security ein Deutscher ist und kein Schweizer – es schlussendlich aber keine Rolle spielt, welche Nationalität sondern er halt einfach ein *** ist) und die natürliche Schönheit der Schweiz. Es ist atemberaubend, jedes Mal, wenn wir hier sind denken wir: WOW! Für euch ist das wohl normal, und ihr nehmt das nicht mehr wahr und wenn ihr an einem anderen Ort seid, denkt ihr, ist das hässlich hier!? Ihr lebt an einem so schönen Ort!

Wie ist es für dich auf Tour zu sein? Was schätzt du daran?
Kyle: Ich geniesse die Routine und den Kulissenwechsel.

Und auf was könntest du verzichten?
Kyle: Auf was könnte ich verzichten? Nichts, ich liebe es!

Was ist das Erste, was du machst, wenn du wieder zu Hause bist?
Kyle: Ich sitze! Wenn ich von einer Tour zurückkomme, bin ich etwas dekomprimiert, ich lasse alles los, der Druck fällt von mir weg. Natürlich habe ich meine Freunde und Familie eine lange Zeit nicht gesehen und das wird nachgeholt.

Ich stehe immer zur gleichen Zeit auf, habe meinen 8.5 Stunden-Job, jeder Tag sieht bei mir in etwa gleich aus. Wie sieht der Tagesablauf bei dir aus?
Kyle: Was? Du arbeitest 8.5 Stunden? Jeden Tag? Du bist doch etwas Besonderes! Wo ist dein Freund? Arbeitet er nicht? Verdient er nicht genug um dich zu unterstützen?

Nach einigen Aufklärungen später.

Wie sieht denn nun ein Tag bei dir aus?
Kyle: Langweilig, wirklich langweilig.

Nun zum Album. Ich persönlich finde es richtig toll! Was für Feedback habt ihr so bekommen?
Kyle: Das Feedback war sehr gut!  Ich denke, die Leute lieben vor allem, dass das Album vielseitig ist, kein Song hört sich gleich an und es ist von allem etwas dabei ob Jazz, Rock’n’Roll usw.

Wie sieht bei euch der Aufnahme- und Songwriting Prozess aus?
Kyle: Oh…Wie ein Zugwrack!? Wie ein Desaster? Jeder macht für sich etwas und wir fügen dann diese Ideen zusammen – so entstehen die Songs. Diese werden von Mike Bray, mir und John geschrieben. Manchmal zusammen und manchmal jeder für sich.

Wenn du dir ein Tattoo von euren Songtexten stechen lassen müsstet, welche Zeile würde es sein?
Kyle: Haha, ich denke das wäre „We ride with kings on mighty steeds“ von „The history of Tenacious D“!

Wie entstand das Artwork?
Kyle: Lustig, das du das fragst: wir haben ein ausführliches Video darüber auf unserer Facebook-Seite gepostet! Seht es euch an!

Ihr habt innerhalb der Band ziemliche Jahrgangsunterschiede – wie ist das für euch?
Kyle: Ehm, es ist manchmal ein Thema für Uncle Jazz, weil er der Älteste ist. Eigentlich ist es der Grund, warum er in der Band ist, ich wollte jemanden haben, der älter ist als ich. Und es passte! Ich mag es, dass es unterschiedlich ist, es macht das Ganze interessanter. Warum nur alles alte Männer? Ein kleiner Unterscheid sollte schon da sein.

Kommen wir zur letzten Frage: Was gibst du den heutigen Musikern / Bands mit auf dem Weg?
Kyle: Ich würde sagen: mach mit deinem Freund Schluss, zieh nach Los Angeles, starte eine neue Karriere. Wir gründen zusammen eine neue Band namens “Tenacious She”!

Haha, „Tenacious She“? Cool!
Kyle: Ja, nur wir beide! Es wird für deinen Freund etwas hart sein am Anfang, aber er wird darüber hinwegkommen!

Interview: Stefanie Ramseier