03.06.2017 – Nostalgie pur mit Simple Plan im Z7

Vorneweg: Wenn ich 18 von 20 Songs auf der Setlist lauthals mitsingen kann, muss das Konzert wohl gut gewesen sein, also mach dich auf ein wenig Fangirling gefasst, ja? Grund dafür sind am 3. Juni 2017 Simple Plan aus Kanada, die gerade das 15. Jubiläum ihrer ersten Scheibe «No Pads, No Helmets…Just Balls» mit der ganzen Welt feiern – so auch in der Konzertfabrik Z7 in Pratteln. Natürlich sind die mittlerweile fast 40-jährigen Montréaler nicht alleine unterwegs: Was die beiden Support Acts Milestones und Mallory Knox, beide aus dem Vereinigten Königreich, zu bieten haben, erzähle ich dir am besten zuerst:

Ganz ehrlich: Noch vor dem Z7 in der Schlange vor dem Eingang haben mir Milestones besser gefallen – schon nur weil ich da die weirden Handbewegungen von Sänger Matthew nicht zu Gesicht bekommen habe. Irgendwie ist der Sound der Engländer ja schon nett und die Stimme des Frontmanns ist gar nicht mal so schlecht, aber mir ist dieser untighte Pop-Rock etwas zu meitlig und zu «Wir machen imfall Musik, um Frauen rumzukriegen». Aber um fair zu bleiben: Die Jungs aus dem Nordwesten Englands sind mit einer releasten EP erst in den Anfängen ihrer Musikkarriere – da kann man noch dazulernen!

Enttäuscht vom Opener bin ich gegenüber Mallory Knox entsprechend skeptisch; denn auch von diesen Herren habe ich noch nie etwas gehört. Zu meiner Überraschung find ich den Alt-Rock der Cambridger ziemlich okay – so okay, dass ich mir sogar überlege, ihren Sound mal im Auto zu hören. Vielleicht. Auch die Crowd scheint Gefallen an Mallory Knox zu finden und es reicht gar für den ein oder anderen Hüpfer. Die Band jedenfalls rühmt die Energie des Publikums was mich zur Frage bringt: Wie lame sind die Leute denn sonst an Mallory Knox-Shows? Vielleicht sind sie genervt vom vielen Fluchen von Sänger Mikey – bitte hör auf damit, das ist nicht cool!

Umso cooler ist dafür die Umbaupause, bevor’s endlich mit Simple Plan losgeht: Aus den Boxen dröhnen Songs wie «Dear Maria, Count Me In», «Misery Business» und «Fat Lip», jeder der über 20 ist, singt schon jetzt lauthals mit und der Lichtler von Simple Plan geht ab wie ein Zäpfchen – herrlich! Was ich ebenfalls schätze: Obwohl im Timetable 21:30 Uhr als Stage Time für den Main Act angegeben ist, geht schon um 20 nach 9 das Licht aus – Kompliment an dieser Stelle an wer auch immer verantwortlich für die Einhaltung der Spielzeiten ist!

Und jetzt kommt der Abschnitt, wo’s vielleicht etwas triefig wird – ich hab dich gewarnt! Schon vom ersten Ton von «I’d Do Anything» an, fühle ich mich mindestens zehn Jahre in der Zeit zurückkatapultiert und bereue es, meine Nietengürtel weggeschmissen, den schwarzen Kajal aus dem Badezimmerschrank verbannt und die Fransen abgeschnitten zu haben. Irgendwie scheint’s als hätte nicht nur das Publikum, sondern auch die Band ziemlich viel Spass, nochmals ihre alten Songs rauszuhauen. Was mir in der Crowd aber auffällt: Es hat überdurchschnittlich viele Pärchen, bei denen einer davon voll abgeht, während der andere etwas gelangweilt dasteht (so ist’s übrigens auch bei mir und meinem Freund). Auf der Bühne geht’s derweil stürmisch zu und her und die Breaks zwischen den Songs füllt SP-Sänger Pierre mit dummen Sprüchen und witzigen Anekdoten. Natürlich spricht er auch aus, was viele von uns vor der Bühne denken: Er fühlt sich alt. Und wie! «Aber hey, immerhin hab ich noch Haare!», findet er trotzdem und hängt sofort einen Spruch an Gitarrist Jeff gerichtet dran (der hat eine Glatze seit ich denken kann).

Bevor ich mich jetzt aber in Details verliere, eine kurze Zusammenfassung vom Simple Plan-Konzert: Die Band spielt «No Pads, No Helmets…Just Balls» in voller Länge und beglückt uns mit Klassikern wie «Shut Up!» und «Welcome To My Life», der Sound ist verdammt gut abgemischt – chapeau an dieser Stelle – und es hat verdammt viel Spass gemacht; vor allem weil ich das Gefühl hatte, Simple Plan wären mittlerweile eh scheisse live. Und wer weiss, vielleicht geh ich sie auch noch ein viertes Mal schauen – spätestens wenn’s eine «Still Not Getting Any»-Anniversary-Tour gibt.

Zum Schluss muss ich aber doch nochmals ein wenig negativer sein – und zwar gegenüber der Location. Liebes Z7, ich finde es wirklich super, verbietet ihr gewisse Gegenstände und schreibt gross an, dass eine Leibesvisitation obligatorisch sei. Meine Tasche wurde so gut wie nicht angeschaut und niemand kam mit seinen in Handschuhe eingepackten Händen auch nur in die Nähe meines Körpers. Nicht, dass ich besonders scharf drauf wäre, von einer Fremden betatscht zu werden, aber wenn ihr’s schon gross anschreibt, dann zieht’s doch wenigstens bei JEDEM Besucher durch, ja?