Keith von Every Time I Die: «Ich würde gerne in Indien touren»

Am diesjährigen Greenfield Festival hatte ich das Vergnügen mit dem sympathischen Keith „Ballz“ Buckley von Every Time I Die, zu plaudern. Was der gut gelaunte Frontmann am Freitagmorgen bei einem Kaffee (welcher übrigens vorzüglich war) zu erzählen hatte, könnt ihr hier nachlesen:

Hey Keith wie geht es dir?
Mir geht es sehr gut, danke. Ich bin sehr entspannt und hatte bisher einen erfreulich ruhigen Tag.

Ihr wart in Deutschland die letzten Tage, wie war es so?
Es war super! Wir waren gestern in Schweinfurt und es hat unglaublich Spass gemacht. Die Leute waren toll und haben alles gegeben!

Und nun seid ihr in Interlaken am Greenfield Festival und das zum zweiten Mal…
Ich glaube, es ist bereits das dritte Mal. Als wir vor zwei Jahren hier waren, fühlte es sich so an, als wären wir bereits einmal hier gewesen.

Genau dieses Gefühl hatte ich auch, jedoch hat mir dann Wikipedia gesagt, dass dieses Jahr euer zweiter Besuch ist.
Auf jeden Fall war das letzte Mal hier traumhaft. Ich liebe dieses Festival! Die Umgebung mit den Bergen rund um das Festival ist einfach überwältigend. Sowas gibt es in Amerika nicht. Dazu auch die Organisation und die Menschen, die einfach toll sind.

(Mittlerweile ist klar, dass es tatsächlich der dritte Besuch der Band am GF war.)

Was magst du lieber, Open Air-Shows oder Club Shows?
Hmm, ist für mich fast etwas, wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. An einem Festival wie hier fühlst du dich einfach gut. Das schöne Wetter, die frische Luft und die Stimmung der Besucher machen einfach eine gute Laune. Trotzdem bevorzuge ich aber Club Shows. Auf jeden Fall mag ich es aber hie und da mal wieder eine Open Air-Show zu spielen – nur Club Shows könnte ich nicht machen.

Also magst du die Abwechslung?
Genau! Ich würde sagen eine Open Air-Show auf 20 Club Shows ist der perfekte Mix.

Every Time I Die ist ja eine Band, die schon sehr lange unterwegs ist. Ihr feiert nächstes Jahr euren 20. Geburtstag und tourt jedes Jahr mehrere Monate. Nach all den Jahren: Was ist das Beste und was ist das Nervigste am Touren?
Um ehrlich zu sein, ist genau die Zeit nach dem die Türen der Location geöffnet wurden, die Schlimmste. Man beginnt, nervös zu werden, während man immer noch sehr viel Wartezeit hat, bis man Spielt. Dieses Gefühl ist mir immer unangenehm. Das Beste ist aber auf jeden Fall die Show selber. Wenn man an einem Ort ist, wie hier, wo die Menschen nicht die eigene Sprache sprechen und doch die Texte, welche ich vor 15 Jahren geschrieben habe in mein Gesicht schreien, ist das ein unglaubliches Gefühl. Ansonsten besteht Touren halt meistens aus Warten. Man muss sich arrangieren und herausfinden, wie man die Zeit am besten nutzt. Aus diesem Grund lese ich enorm viel.

Was liest du denn aktuell?
Aktuell bin ich an einem Buch namens „The Baron In The Trees“ von Italo Calvino. Dabei geht es um einen Jungen welcher sich eines Tages dazu entscheidet auf einem Baum zu leben und nie mehr den Boden berühren will – ein Fantasy Roman.

Also eine Geschichte im Stil von „Alice im Wunderland“?
Hmm ja kommt dem nahe, aber es ist definitiv etwas realistischer. Der Junge geht auch jagen, befreundet sich mit den Menschen im Dorf und macht sich einen Ruf als „Der Junge, der in den Bäumen lebt“. Es hat also nicht so viel Surrealismus wie bei Alice. Aber es ist definitiv ein gutes und empfehlenswertes Buch.

Danke für den Tipp! Kommen wir nochmals zurück zum Touren: Welches Land steht noch auf deiner Wunschliste?
Ganz oben auf meiner Liste steht Indien. Es ist ein Land, das ich sowieso gerne besuchen würde und wenn wir es mit einer Tour verbinden könnten, wäre das natürlich perfekt.
Früher war Afrika die Nummer eins auf meiner Wunschliste und obwohl wir vor ein paar Jahren da waren, möchte ich sehr gerne wieder hin. Da habe ich aber keinen Favorit bezüglich der Länder. Ich würde einfach generell gerne Afrika wieder besuchen. Und wenn wir schon von erneut besuchen sprechen ist da natürlich noch Japan: Egal wie oft wir bereits in Japan waren; dieses Land kommt immer wieder auf die Wanna-Do-Liste, denn es gibt einfach kein spannenderes Land zum Touren als Japan.

Wenn du an deine Shows denkst: Welcher Song fordert dich am meisten heraus?
Oh, das ist definitiv „Wanderlust“. Er ist für mich so verdammt lange und er hat sehr viele Wechsel zwischen Schreien und Singen und am Ende gibt es Stellen, welche ich von der Stimmlage her nur knapp erreiche. Wenn der Song am Ende eines Sets gespielt wird, ist meine Stimme meist nicht mehr in der Lage dazu. Deshalb spielen wir den Song auch meistens recht früh im Set.

Das heisst, wenn ihr den Song nochmals schreiben würden, würdest du es anders machen?
Haha ja, ich würde ihn definitiv um die Hälfte kürzen!

Ihr seid eine Band, die dafür bekannt ist konstant gute Alben zu veröffentlichen und letztes Jahr habt ihr bereits euer achtes Studioalbum herausgebracht. Wie geht ihr mit dem Druck um, der durch die Erwartungen eurer Fans entsteht?
Man muss lernen, mit der Sache so umzugehen, dass gar kein Druck existiert. Wir haben grundsätzlich immer denselben Prozess: Wir sind zwei Jahre praktisch die ganze Zeit auf Tour und gehen anschliessend ins Studio. Wenn wir also nach einer Tour ins Studio zurückkehren, haben wir eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was unsere Fans wollen und was sie von uns erwarten. Unsere Aufgabe ist es dann, diese Vorstellungen zu in unserer Musik zu verarbeiten. Ich glaube wir sind nach all den Jahren an einen Punkt angelangt, an dem wir nicht mehr viele neue Fans mit unseren neuen Alben gewinnen. Wir versuchen aber, die Fans, die wir haben zu behalten und hoffen, dass sie es ihren Freuden weiterempfehlen. Wir sind nicht mehr die Band, welche im Radio gespielt wird und so neue Fans erreicht. Aus diesem Grund versuchen wir, den Kontakt zu unseren bestehenden Fans, welche uns seit Jahren folgen, zu halten.

Wo du gerade von in Kontakt bleiben sprichst: Heutzutage Läuft alles über die sozialen Medien, insbesondere Facebook und Instagram. Als ihr vor zwanzig Jahren begonnen habt, gab es noch nicht einmal Myspace. Wie habt ihr da den Kontakt zu den Fans gehalten?
Touren, sehr viel Touren. Man musste einfach ständig den Leuten ins Blickfeld stehen. Grundsätzlich ist es ja die gleiche Herangehensweise wie mit dem Internet. Die sozialen Medien dienen generell dazu, sich bemerkbar zu machen und jedem zu zeigen, dass man existiert. Früher wurde dies einfach mit den Touren bewerkstelligt, in dem wir in vielen Städten immer und immer wieder auftraten. In den ersten fünf Jahren war es halt ausschliesslich in den USA. Aber ich erinnere mich gut daran, wie wir für die erste Übersee-Tour in die UK kamen und ich regelrecht Panik davor hatte, haha!

Wenn man euch auf Instagram folgt, sieht man besonders in den Stories viele Fotos von Fans welche sich ein Every Time I Die-Tattoo gestochen haben. Wie fühlt man sich bei solch einer Hingabe?
Richtig, richtig gut. Es schmeichelt ungemein und ist für uns auch ein schöner Weg um mit den Fans in Kontakt zu kommen. Auch für die Fans selber ist es cool, etwas zu haben das einen so verbindet. Es besteht automatisch eine Kameradschaft mit Leuten, die man vielleicht noch nie vorher getroffen hat. Ich liebe das und es macht mich auch wirklich stolz, ein Teil davon zu sein.

Erinnerst du dich noch an das erste EITD-Tattoo das du gesehen hast?
Ich kann mich nicht mehr an das erste Tattoo erinnern, aber ich erinnere mich daran wie jemand mal sein Shirt auszog und ein riesigen Backpiece zum Vorschein kam. Es war einem einzelnen Song gewidmet und die Lyrics waren über den ganzen Rücken verteilt. Es ist bis zu diesem Tag das Grossartigste, was jemand zu meinen Werken gemacht hat. Ich war total baff und es war auch irgendwie komisch, haha. Ich meine, der Typ war noch sehr jung und ich sagte ihm nur: „Ich hoffe dass du das nie bereust!“.

Ich glaube kaum, dass er es bereut.
Ja, es war vor langer Zeit und ich hoffe die Tatsache, dass es uns immer noch gibt, hilft dabei, es nicht zu bereuen.

Letztens habe ich mir euer Video zu „Decaying With The Boys“ wieder angesehen, in dem diese absolut verrückte Hausparty zu sehen ist. Welches war deine absolut wildeste Hausparty?
Da muss ich nicht mal lange überlegen: Wir haben mal eine Show in unserer Heimatstadt Buffalo gespielt und es war eine wirklich tolle Show mit über 500 Zuschauern. An dieser Show habe ich alle zu mir nach Hause eingeladen und es sind wirklich viele dann auch gekommen. Und es hatte wirklich alles was dazu gehört inklusive Schlägereien und Leuten, die in Pflanzentöpfe pissten, was zwar nicht so toll war. Das Highlight war aber mein Onkel, wder sein Augenlicht in einem Autounfall verloren hatte. Er machte einen Frontflip von unserer Treppe runter legte einen astreinen Crowdsurf hin, was dann umso mehr Leute zum Crowdsurfen animierte. Es war ein super Abend.

Sehr schön! Zum Ende habe ich noch fünf kleine „Dies oder Das“-Fragen, wenn du Bock darauf hast?
Ja klar! Hit me!

Jurassic Park oder Indiana Jones?
Definitiv Jurassic Park. Dinosaurier sind unschlagbar!

Skateboard oder BMX?
Skatboard keine Frage.

Pizza oder Burger?
Pizza.

„Rick and Morty“ oder „Scrubs“?
Ohhh, Rick and Morty! Wubba lubba dub dub!

Und als letztes: Bier oder Weed?
Ganz klar Bier. Ich liebe Bier!

Okay das war es! Danke dir vielmals für das Interview!
Danke dir vielmals! Es war mir ein Vergnügen.