Emil Bulls: «Unser neues Albumcover ist von einem koreanischen Künstler»

Wir haben Sänger Christoph und Gitarrist Stephan von den Emil Bulls am diesjährigen Greenfield Festival getroffen und ich habe mich sehr gefreut, dass es die Band wieder einmal in die Schweiz verschlagen hat, da dies in den letzten Jahren äusserst selten vorgekommen ist. Warum sie so wenig in der Schweiz spielen und wann ihr nächster Aufrtitt in der Schweiz sein wird, haben Sie uns im Gespräch vor ihrem Auftritt erzählt.

Wie war eure Anreise ans Greenfield Festival?
Christoph:
Wir sind um 01:00 Uhr nachts in München losgefahren und waren dann heute Morgen gegen 08:30 Uhr hier. Sind endlich mal wieder mit dem Tourbus gefahren, das ist immer schön und wie so ein grosses Familienzusammenkommen. Man sitzt dann noch beisammen bis in den frühen Morgen und trinkt Bier. Und mit dem sonnigen Wetter heute, das kann nur ein geiler Tag werden.

Laut Tourplan ist das Greenfield Festvial das erste grosse Festival der Saison, auf welches freut ihr euch am meisten?
Christoph:
Ja, in der Schweiz natürlich nur aufs Greenfield, das kann man gar nicht so pauschalisieren, weil wir dieses Jahr viele tolle Festivals wie das Wacken, Summerbreeze, With Full Force und Deichbrand spielen. Wir sind da wirklich auch an all den wichtigen grossen Festivals.
Stephan: Nova Rock in Österreich spielen wir auch noch.
Christoph: Ja, genau. Und das Greenfield hier in der Schweiz ist auch nicht ohne! Ich muss sagen, ich habe eigentlich kein Lieblinglingsfestival, Festivals sind immer toll.  Aber man muss schon sagen, selten ist ein Festival so schön gelegen wie hier und das  Coole finde ich, dass es hier noch relativ überschaubar ist. Die ganz grossen Festivals sind natürlich geil, weil man als Band vor einer riesen Masse spielt, aber man schaut sich ja auch als Band mal gerne noch andere Shows an und dann ist das natürlich praktischer so wie hier und eben: Die Kulisse muss euch erst jemand nachmachen.

Meistens sucht man vergebens nach eurem Namen auf schweizer Line-ups an Konzerten und Festivals, woran liegt das?Stephan: Na, das liegt nicht an uns, wir würden immer gerne hierher kommen. Wir sind früher auch viel privat zum Snowboarden und Skifahren hierher gekommen und ich hab einen Kumpel, der in Zürich wohnt. Wie gesagt, es liegt nicht an uns.
Christoph: Ladet uns einfach öfters ein! Wir sind dieses Jahr tatsächlich nochmals in der Schweiz, in Pratteln.

Echt? Im Z7 oder wo? Ich konnte auf eurer bisher bekannt gegebenen Tour kein CH-Konzert entdecken.
Stephan:
Ja, genau, das dürfen wir erst ab heute ankündigen. Wir geben euch nachher ein Flyer mit dem Datum. ( Die Album-Tour Show in Pratteln findet am 2. November 2017 statt)

Cool, dann freuen wir uns! Ich finde euer Album Cover von eurer neuen Platte “Kill Your Demons”, welche am 29.09.2017 released wird, sehr interessant. In wessen Kopf ist dieses Bild entstanden?
Christoph:
Das war eine ganz lustige Geschichte: Wir hatten den Albumtitel “Kill Your Demons” schon ziemlich früh und ich bin dann bei der Vorproduktion bei unserem Produzenten gewesen, welcher dieses Bild als Bildschirmschoner auf dem PC hatte. Ich musste pausenlos dieses Bild anschauen und dachte mir, das wäre perfekt für unser Album. Ich habe ihn dann gefragt, woher er dieses Bild habe und er sagte, es sei von einem koreanischen Künstler, den er total geil finde. Irgendwann bin ich tatsächlich einfach mal über meinen Schatten gesprungen und habe gedacht: “Mein Gott, fragen kostet ja nichts, schreiben wir den jetzt einfach mal an.” Tatsächlich hat er uns dann dieses Bild für viel weniger Geld als wir geglaubt haben, wir dachten sowas wäre unerschwinglich, dieses Bild abgetreten. Ich war in dem Moment einfach total happy. Kennst du das, wenn du etwas siehst und du willst das, weil alle anderen Vorschläge sofort nur noch Plan B und Alternativen sind und man dann tatsächlich genau das bekommt, was man sich vorgestellt hat. Schön, dass es euch gefällt.

Erzählt uns etwas über die Enstehung des neuen Albums, was ist euer Highlight?
Stephan:
Was mir besonders viel Spass macht, immer wenn wir ein Album schreiben, mieten wir uns ein Haus irgendwo. Diesmal waren wir in Oberstorf in Bayern/Allgäu und weil’s uns da so gut gefallen hat, haben wir das gleich zweimal gemacht; einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Ich mag das total gerne, wenn man da dann alles zusammen macht, zusammen Musik macht, schreibt und isst. Es kann einem auch auf den Sack gehen, aber wir geniessen die Zeit dann schon immer sehr.
Christoph: Wir haben ja jetzt schon ein paar Alben auf dem Buckel, wir hatten letztes Jahr unser 20-jähriges Bandjubiläum und da ist mir richtig bewusst geworden, wie lange wir eigentlich schon zusammen Musik machen, wie lange das auch kreativ zwischen und allen so gut funktioniert. Es ist ein Geschenk, dass wir immer noch zusammen geile Mucke machen können und uns die Kreativität nicht verlassen hat. Das gibt’s ja oft bei Bands, wo man dann plötzlich merkt: Boah, denen fällt nichts mehr wirklich Gutes ein.

Oder sie ändern die Richtung komplett.
Christoph:
Ja, genau oder sie ändern die Richtung. Bei uns war das diesmal halt einfach geil, da ist noch viel kreatives Potential vorhanden, um auszuschöpfen. Das Album ist natürlich das Beste, was wir gemacht haben. (lacht)

Gibts für euch einen Song, den ihr live wirklich gerne spielt und der in praktisch jedem Set dabei sein muss?
Stephan:
Klar, da gibts sicher ein zwei Nummern, die muss man spielen, ob es jetzt “The Jaws of Oblivion” oder ” The Age of Revolution” ist.
Christoph: Ich glaube, da hat auch jedes Bandmitglied so seine eigenen Favoriten. Meistens ist es bei dir, Stephan, bestimmt ein Song, wo du nicht so viel zu tun hast und viel Bier trinken kannst.
Stephan: Ne. Ne.
Christoph: Ich mag es immer gerne, “The Devil and the Deep Blue Sea” zu spielen, unser Schlagzeuger mag den Song glaub ich gar nicht, weil er eben für ihn sehr komplex und anstrengend ist.

Wie läuft bei euch das Songwriting ab, wie bringt ihr alle Einflüsse schlussendlich auf einen Nenner?
Stephan:
Wir sammeln Ideen und dann setzt man sich hin und schaut, wie man das alles zusammenbringt zum ‘nem coolen Album. Wenn dann jemand von einem Teil total überzeugt ist, dann diskutiert man, ob das wirklich so sein muss.
Christoph: Ich sage dann manchmal: “Ja, aber da kann man nicht drauf singen”.
Stephan: Dann sage ich: “Ja, da kann man drauf singen, wieso?”
Christoph: Lustigerweise entstehen dabei dann immer so die besten Sachen. Das ist bei mir ganz oft so, wenn ich mit etwas konfrontiert werde, mit dem ich anfangs gar nichts anfangen kann, ist es dann am Ende meistens das, was richtig gut ist. Da muss man sich ransetzen und den anderen Leuten einfach vertrauen. Man muss das Ungreifbare greifbar machen, das kriegen wir mittlerweile schon ganz gut hin. Ein Album zu machen ist immer eine unfassbar grosse Arbeit und viel Stress und man fragt sich, warum tut man sich das an? Schlussendlich wissen wir alle: Wir haben den geilsten Job der Welt und man wird für diese Mühe dann auch entlöhnt. Das meine ich aber nicht nur finanziell. Es gibt einfach nichts Schöneres als mit eigener Musik auf die Bühne zu gehen und zu sehen, wie die Leute dazu tanzen, weinen, sich prügeln und mitsingen. Du siehst das ganze Spektrum an Emotionen, was du mit deiner Musik auslöst.

Wie lange hat es gedauert, bis ihr sagen konntet: Jetzt können wir von der Musik leben?
Christoph:
Ehm, gar nicht lange, wir haben’s einfach gemacht. Es war am Anfang völlig unvernünftig, weil nicht viel dabei rumkam. Wir hatten aber zum Glück immer gute Managements, die gut auf unser Geld aufgepasst haben und so konnten wir uns irgendwie so durchmogeln.
Stephan: Man nimmt auch viel in Kauf für den Traumjob.
Christoph: Ja, das stimmt, gerade das Privatleben wird natürlich sehr eingeschränkt. Die sozialen Kontakte schrumpfen brutal, weil wenn du frei hast, müssen deine Freunde arbeiten und umgekehrt. Da ist es schon schwierig, den Freundeskreis zusammenzuhalten. Aber glücklicherweise sind wir eine Band, die sich auch nach all den Jahren untereinander wirklich noch sehr gut versteht und sich in die Augen schauen kann. Da gibts ja auch ganz andere Fälle. Man freut sich immer, wenn’s gemeinsam los auf Tour geht.

Geht ihr selber auch noch auf Festivals, so ganz normal als Besucher?
Christoph:
 Selten, weil wir ja selber viel auf Festivals spielen und man dann an freien Wochenenden auch einfach mal gerne Zuhause ist. Ich war zum Beispiel letztes Jahr alle Tage bei Rock im Park, das war das erste Mal seit langer Zeit, wo ich wiedermal komplett auf der Besucherseite stand und habe mir da auch gedacht: “Oh, wie wird das dann, wenns so voll regnet, ich kann ja dann nicht einfach in meinen Backstage-Container”.

Wir waren neidisch letztes Jahr auf euch Rock im Park-Gänger nach dem ganzen Drama am Rock am Ring in Mendig.
Christoph:
Dann war ich da und das Erste, was passierte, war ein riesen Gewitter und dann war ich pitschnass. Am Highfield war ich auch noch, da sind wir etwas früher hingefahren und haben uns das privat angeschaut und haben am letzten Tag selbst gespielt.

Gibts für euch ein Festival-Gadget, das immer dabei sein muss?
Stephan:
Ja, das wirds am 1. Juli 2017 auf bei uns im Online-Shop geben, so ein Festival-Kit, wo lauter tolle Sachen drinn sind, die man auf einem Festival dabei haben sollte!

Was zum Beispiel findet man in diesem Kit?
Stephen:
Da gibt es zum Beispiel eine Frisbee-Scheibe, die man auch als Teller verwenden kann.
Christoph: Dann halt so Sachen wie Sonnenhut und Sonnenbrille, Feuerzeug, vielleicht Gummistiefel und Regenponcho, eine Powerbank. Und wenn ich selber aufs Festival gehe, dann nehme ich mir immer einen Tetrapack mit meinem Lieblingscocktail Singapore Sling mit. Der reicht dann auch für den Tag.

Noch eine letzte Frage, werdet ihr euch heute noch andere Bands anschauen?
Christoph:
Ich bin heute so ein bisschen in einer blöden Situation. Ich habe Blink-182 noch nie live gesehen, bin selber ein Riesenfan und werde sie aber am Freitag in München in der Olympia-Halle sehen. Darum weiss ich nicht, ob ich sie heute schon sehen will, weil ich dann schon das Set kenne am Freitag.
Stephan: Ich würde es mir heute anschauen und dann einfach so viel trinken, dass du es vergessen hast am Freitag.
Christoph: Ansonsten Combichrist.
Stephan: Die Donots vielleicht (lach) (es lief gerade ein Bandmitglied der Donots hinter uns durch)
Christoph: Ja, die Donots, was ist denn sonst noch am Start heute?
Stephan: Megaherz aus München.
Christoph: Ja, unsere Megaherz-Kumpels. Aber wir haben heute den Tag über schon mal viel zu tun und gar nicht so viel Zeit, wahrscheinlich schaue ich mir Blink-182 dann schon an. Dann sind da noch die Schweizer… wie spricht man denn das aus Eluuu?

Eluveitie (gespr. El-veiti), dann viel Spass und danke für das Interview!

Die Emil Bulls sind uns im Interview total sympathisch und offen gegenüber getreten und obwohl unser restliches Rawk-Team den Auftritt eher mässig fand, erfreute ich mich persönlich doch einfach an der Tatsache, sie mal live gesehen zu haben und den ein oder anderen Song wieder erkennt zu haben, aber da geht noch mehr. 🙂