16.-18.6.2017 – So war das “Booze Cruise – Festival” in Hamburg

Im Februar sah ich, dass die Kollegen vom Downpour Fanzine eine Art Geburtstagsparty zum 3-jährigen Jubiläum feiern würden. Als die ersten Acts bekannt gegeben wurden, war’s um mich geschehen. Kurzum: Flug gebucht, Hotel gebucht und beim Veranstalter für Tickets angefragt, die auch netterweise für mich zurückgelegt wurden (DANKE STEFAN!). Da ich ja selbst Konzertveranstalter bin, freute ich mich besonders auf sehr viele bekannte Gesichter. Rund die Hälfte der Bands, die auf dem Booze Cruise spielten, durfte ich selbst schon mal veranstalten.

Am 16. Juni ging es schliesslich auf nach Hamburg. Bei einem schönen Hafenrundgang fand ich dann zum Glück gleich die erste Location, den Hafenbahnhof, wo mich ein netter Singer-/Songwriter-Festivalstart erwartete (u.a. mit Stumfol, der in meiner Top 3 der besten Alben 2016 war). Ich durfte mich tatsächlich mit dem Titel “Gast Nummer 1” schmücken, und das, obwohl ich einen der längsten Anreisewege hinter mir hatte.

Nach den vortrefflichen akustischen Tönen ging es dann weiter ins Hafenklang. In der Nähe kurz was zu Essen gefasst und rein ins Getümmel,  das mit Irish Handcuffs und der Abschluss-Show von No Weather Talks bombastisch anfing. Den Freitagshöhepunkt setzten dann die Ikonen von Iron Chic, die alle im Hafenklang in ihren Bann rissen, zum Mitgröhlen einluden und kein Bein neben dem andern stehen liessen. Aber seht doch selbst, wie das abging:

Mit einem leichten Kater bin ich am Samstag im Hotel aufgewacht und war daher anfänglich ziemlich mitgenommen. Irgendwie musste ich mich wieder aufraffen. Gegen 15 Uhr spielten schon die Jungs von Hell & Back auf der MS Claudia, einem Partyschiff, zusammen mit der Band Onsind, die uns bei einer Hafenrundfahrt ihren fetzigen Punkrock um die Ohren hauten. Die Atmosphäre war einmalig, bei netten 22 Grad, Sonnenschein und kühlem Bier. Auf dem Boot war nicht allzu viel Platz vorhanden, doch konnte man die Shows trotzdem schön geniessen, wie man hier auf einem Bild der Sonntagsshow sehen kann.

Nach einer kleinen Pause ging es weiter in den Gun Club zu den Jungs von All Aboard! und Resolutions. Die Herren von All Aboard! waren schon den ganzen Samstag mit ihren Hawaiihemden unterwegs und fielen bereits auf der Reeperbahn auf. Gut geölt und gut gelaunt erschien mir auch das Set, das sie spielten. Den Abschluss machten meine Lieblings-Hannoveraner von Resolutions, die jeweils Appenzeller Alpenbitter als Sprit brauchen, damit sie auch richtig gut spielen können. Der Bitte kam ich natürlich nach und so wurde neben Mexikanern und diversen Bieren auch der eingeführte Schnaps getrunken. Die Band hatte eine unglaubliche Power und man merkte, dass sie genau so Bock hatte wie die Zuschauer, die jetzt auch wieder anfingen zu crowdsurfen. Nach einem packenden Set bewegte ich mich schlussendlich in den Angel Klub zur Pineapple Party und wieder zurück in den Gun Club – bis in die frühen Morgenstunden.

Sonntag. Ojemine, die Birne tut noch mehr weh als am Vortag. Doch wie habe ich dich herbeigesehnt, lieber Sonntag. Nur noch vier Shows, bis ich wieder chillen kann und mich auf die Rückreise vorbereiten würde. Doch du warst schon früh da, oh du gemeiner Sonntag. Der letzte Festivaltag begann um 13 Uhr im schönen Salon Stoer direkt beim Fischmarkt von Hamburg. Eine akustische Einlage von Travels & Trunks, der für den grossartigen Austin Lucas eröffnen durfte. Austin, der von Anfang an das Publikum mitreissen konnte, spielte ein schönes Set und brauchte die PA-Anlage kaum. Er sah jedoch ein wenig mitgenommen aus und irgendwie hatte man das Gefühl, dass er es anfänglich nicht so toll fand, schon gegen 14 Uhr aufzutreten zu müssen. Je länger das Set dann dauerte, desto motivierter wirkte er und nahm auch Songwünsche entgegen, die er dann unplugged in einer ruhigen Menschentraube spielte. Das war einer meiner Gänsehaut-Momente am Festival.

Zu guter Letzt ging es noch einmal auf eine richtige Booze Cruise-Fahrt. Dieses Mal auf der MS Hedi und mit zwei wunderbaren Acts zum Abschluss des tollen Festivals. Mit den Schotten von 13 Crowes startete das letzte Kapitel phänomenal. Ihr Mix aus The Gaslight Anthem und Bruce Springsteen brachte die Zuschauer zum mitschaukeln. Den Schlusspunkt setzten unsere Lieblings-Londoner von Apologies, I Have None. In dem rund 40-minütigen Set gaben die Briten alles und zeigten, warum sie auch auf grösseren Festivals spielen dürfen. Mit viel Leidenschaft hauten sie in die Saiten und auch die ein oder andere Stimme aus dem Publikum johlte mit. Als man in der Hafeneinfahrt immer noch in Spiellaune war, schauten auch viele Besucher des Hamburger Hafens ein wenig verdutzt drein, als das Boot dann wieder anlegte und eine Punk-Band darauf spielte. Mit dem letzten Ton und ein paar letzten Umarmungen fand das Booze Cruise sein Ende.

Fazit: Wer auf kleine Shows und “kleine” Bands steht, wird dieses Festival einfach lieben. Für mich stellt sich die Frage erst gar nicht, ob ich nächstes Jahr wieder hinfahre. Ich habe mich fürs 2018 beim Veranstalter bereits wieder angemeldet! Tschüss Hamburg, bis zum nächsten Jahr.