18.08.2017 – Kraftklub, Broilers und Feine Sahne Fischfilet an den Winterthurer Musikfestwochen

Kraftklub in der Schweiz? Da muss man ja fast hin. Die Broilers in der Schweiz? Darf man eigentlich nicht verpassen. Feine Sahne Fischfilet in der Schweiz? Grund genug um hinzugehen. Spielen alle drei an ein- und demselben Ort, fällt die Entscheidung über das Freitagabendprogramm leicht. Doch bekanntlich werden hohe Erwartungen nicht selten enttäuscht. Wie war’s an den Winterthurer Musikfestwochen?

Für Feine Sahne Fischfilet galt dies am vergangenen Freitag keineswegs. Die deutsche Punkband vermochte das Publikum trotz Regen zu begeistern. Die Jungs schienen ob der Stimmung selber etwas überrascht und tatsächlich hat ihr Auftritt die Bezeichnung „Opener“ nicht verdient. Ihr häufiges Touren zahlt sich auf jeden Fall aus, nicht nur versammelte sich bereits viel Publikum vor der Bühne, dieses zeigte sich bei einigen Liedern auch noch textsicher. Handgezündetes Feuerwerk taten das ihre zur perfekten Abrundung dieses fast perfekten Starts in den Abend.

Mit Feuerwerk ging es bei den Broilers weiter, musikalisch wie pyrotechnisch. Eine feine Mischung aus altbekannten und (überzeugenden) neuen Liedern vom im Februar erschienen Album „(sic!)“ vereinigte sich zu einem Ohrenschmaus. Dass da bei vielen auch die Beine nicht ruhig blieben, versteht sich von selbst. Es wurde zum ersten Mal etwas eng zwischen Bühne und Bierstand und auch richtig laut. Was bereits für Feine Sahne Fischfilet galt, hat für die Broilers erst recht Geltung: Tanzbarer (oder beinahe zum Tanzen zwingender) Punk-Rock mit Mitgröhlrefrains, dank Handfackeln gemischt mit Fussballstadionatmosphäre und dazu eine gute Prise politische Inhalte. Kann’s noch besser werden? Vielleicht schon, schliesslich stand mit Kraftklub der Headliner erst noch bevor.
(Basil meint: Wo Feine Sahne Fischfilet irgendwie noch ein bisschen räudig punkig unterwegs sind, regiert bei den Broilers ganz unverblümt der Bierzeltschlager bzw. der „An Tagen wie diesen“-Hosen-Zugabenblock. Klar, die Ansagen sind charmant, die Show ist gut — also so Rockstarmässig halt —  und die Songs haben alle auch irgendwie einen zwingenden Refrain, aber es fetzt einfach nicht. Vielleicht, wenn man so ein richtiger Fan ist, dann scheisst man da drauf; mich aber hat’s nicht so gepackt.)

Als die Chemnitzer die Bühne betraten, wurde es wenig überraschend noch einmal deutlich enger in der Steinberggasse. Auch hier wurde die richtige Mischung aus Liedern vom neusten Album „Keine Nacht für niemand“ die dem Publikum keineswegs unbekannt schienen und alten Liedern gefunden. Wobei so alt waren die auch wieder nicht („Mit K“ ist gerade mal fünfjährig!). Die Stimmung auf jeden Fall war von Beginn weg berauschend und blieb es durchgehend. Auch Sänger/Rapper Felix Brummer war richtiggehend begeistert, er habe angesichts der Kulisse nicht sonderlich viel erwartet, es sei aber „episch“. Vermutlich hat gerade die spezielle Kulisse viel zum gelungenen Abend beigetragen. Die Konzerte der Winterthurer Musikfestwochen (grösstenteils übrigens gratis) werden in einer Gasse mitten in der Altstadt durchgeführt und lassen beim richtigen Publikum und der richtigen Band durch die geringe Breite beinahe Clubstimmung aufkommen. Dass das Line-up nicht nur aus BesucherInnensicht perfekt zusammen passte, haben die drei deutschen Bands übrigens gleich selbst bewiesen: Als alle (wirklich alle!) gemeinsam „Blitzkrieg Bop“ von den Ramones anstimmten, hat die Steinberggasse gebebt wie wohl noch selten zuvor.

Foto: Thomas Gerstendörfer, Winterthurer Musikfestwochen