So war’s am Open Air Gampel 2017

Dieses Jahr nicht ganz so zahlreich, waren wir wieder am Open Air Gampel vertreten und liessen uns so einige gute Acts durch die Ohren zischen. 2017 war alles drin: von stechender Sonne über Sturm und sintflutartigem Regen bis hin zum perfekten, angenehmen Festival-Wetter. Von lustigen über komische bis hin zu sensationellen Leuten und von Fastfood über Asia- bis zum M-Budget- (irgendwie war der aber nicht so M-BUDGET) Food war alles dabei. Wir haben natürlich jede Wetterlage meisterhaft überstanden, mussten nie Hunger oder Durst leiden (das Bier in der Hand durfte natürlich nie fehlen) und genossen die Musik und die ausgelassene Stimmung in vollen Zügen.

Donnerstag, 17.08.2017
Um 5.45 Uhr aufzustehen ist nicht so unser Ding. Aber was macht man nicht alles, um quer durch die Schweiz ans Gampel zu pilgern. Nach einem amüsanten Autoverlad fanden wir uns auf dem Parkplatz wieder. Leider ging dann das lange Warten los. Nach drei Etappen schafften wir es kurz nach Elf auf das Festivalgelände. Soweit so langweilig. Die Zelte und Pavillons waren schnell aufgebaut und dringend nötig, denn die Sonne brannte als gäb es kein morgen mehr. Natürlich braucht es da auch ordentlich Flüssigkeit, was zum zweiten Negativpunkt des Openairs wurde: moderate Preise von 5.- für 1.5 l Mineralwasser. Sorry, aber gods no? Von der Sonne ziemlich müde und ausgemergelt schafften wir es erst zu Milky Chance aufs Gelände. Tönte nach typischem Pop, gemütlich und gut, aber alles irgendwie gleich klingend. Nach einer Verpflegungspause machten wir uns auf zu Lil Wayne. Der kam und kam nicht. Mir war’s ja eigentlich auch egal, aber dass es nicht mal ein offizielles Statement dazu gab, war schon ein bisschen schwach. Der arme Herr hatte wohl medizinische Probleme, so sagte man uns später. Ich tendiere auf zu viel synthetische Spassmacher im Blut. Aber man soll ja keine Gerüchte verbreiten. Dafür gingen The Kills dann so richtig ab. Live sind die ein echtes Feuerwerk. Ich brauchte ungefähr drei Songs, bis ich realisierte, dass da eine Sängerin auf der Bühne stand. Eine echte Powerstimme. Und auch Paul Kalkbrenner konnte sich sehen lassen. Die Visuals waren erste Sahne und die Mukke sehr meditativ tanzbar. Er selbst fühlte die Musik am meisten und jemandem zuzusehen, wie er für sein Handwerk brennt, macht unglaublich Spass. Uns war der Tag dann aber auch schon zu lang, und wir verkrochen uns in unsere, endlich ausgekühlten, Zelte.

Freitag, 18.08.2017
Es war schon anstrengend, sich einen Schattenplatz zu suchen und auch im Schatten war es nicht wirklich viel angenehmer. Da hat halt nur ein kühles Bier geholfen, bevor wir uns am späteren Nachmittag zum Amity Affliction Konzert auf der Red Stage geschleppt haben. Leider konnten wegen der stechenden Sonne nicht alle den Auftritt bis zum Schluss geniessen und mussten sich erst mal zurück in den Schatten begeben. Für die anderen gab es Konzerttouristen zu bestaunen. Das sind all diejenigen, die nun stolz bei ihren TeeniekollegInnen erzählen, sie seien mal auf einem Metalkonzert gewesen. Imfall!

Kaum hatten wir uns vom ersten Konzert ein wenig ausgeruht, ging die Action erst richtig los und hat unsere weiteren Konzertpläne total über den Haufen geworfen. Von der einen zur nächsten Sekunde hat sich der Camping-Platz zum reinsten Krisengebiet entwickelt. Halbe Zelte wurden vom heftigen Wind durch die Gegend geschleudert und wir waren erst mal damit beschäftigt, alles in Sicherheit zu bringen und aufzupassen, dass unsere Zelte nicht auch noch das Weite suchten. Ein bisschen unheimlich, aber auch ein bisschen amüsant musste es ausgesehen haben, wie fünf Nasen in einem halb gekoppten Vorzelt sassen und die Wände fest hielten. Triggerfinger haben aber bis zum Campingplatz gerockt, leider waren wir da noch mit den Wiederaufbau-Arbeiten beschäftigt. Unterwegs auf dem Festivalgelände und pünktlich zum Abendessen gaben dann Wolfmother ihr Set zum Besten. Auch hier zwar nicht ganz im Geschehen, hat sich aber von weitem trotzdem wie erwartet super angehört.

Pünktlich zum Auftritt von The Pretty Reckless, mit frischem Bier in der Hand, liessen wir uns durch die hypnotischen, anzüglichen und rockigen Töne der New Yorkerin und ihrer Band mitreissen. Keine Ahnung, wie sie es macht, aber diese Frau verdreht sogar mir den Kopf. Von lasziv bis verschmust gibt es nichts, was The Pretty Reckless nicht zum Besten geben könnten. Hier konnte man mitwippen, mitspringen, mitsingen und mittanzen, alles war erlaubt und nichts hätte nicht zum vielseitigen Rock der Band gepasst. Leider hat uns der Regen von diesem Plätzchen vertrieben, so dass wir die nächste Stunde im nächstgelegenen Verkaufsstand verbracht und dadurch auch Die Toten Hosen und später Klischée nur von weitem gehört haben. Schlussendlich entschieden wir uns nach einer weiteren Verschnaufpause, den Rest des Abends in der trockenen Rckstr-Bar zu verbringen und noch bei ein paar Bier die Rock-Hits zu geniessen.

Samstag, 19.08.2017
Ausgeschlafen, nach ca. vier Stunden Schlaf, verpflegt und gut gelaunt ging es am Samstag Nachmittag ans NemoKonzert. Für die meisten von uns. Manche haben das Konzert elegant im kuschligen Campingbus verschlafen *hust*. Man muss ja sagen, der Kerl hat einiges auf dem Kasten. Das Publikum war ein Herz und eine Seele mit dem jungen Mann und hat ihm regelmässig ein Lachen ins Gesicht gezaubert. Nemo und Band versprüten viel Motivation und haben sogar uns ein wenig erstaunt. Es war super, so viel Freude und Energie auf einer Bühne zu sehen – und zwischendurch ein bisschen mitzusingen. Das hatten wir, dank gesangsaffinen Mitzeltlern schon seit zwei Tagen geübt. „E ha ke bock uf de, ech ha ke bock uf deeeee“ – aber auf Bier hatten wir Bock. Und danach auf etwas süsseres.  Als wir danach das halbe Gelände nach Piña Colada abgesucht hatten und davon auch Kübelweise gefunden haben, waren wir vorerst ziemlich glücklich. Wir hatten keine weiteren Konzertpläne für diesen Tag und so pilgerten wir ein bisschen an den Ständen vorbei. Am Ende verschlug es Vera und Stefanie noch an den PiiNK Tattoostand, an welchem ein paar Bekannte sich ihre Ärsche tätowieren liessen. Das konnten wir nicht auf uns sitzen lassen, denn etwas wirklich Absurdes, wie sich an einem Open Air ein Tattoo stechen zu lassen, hatten wir bisher noch nicht gemacht. Also taten wir, was alle normal Denkenden und anständigen Leute tun würden: wir liessen uns auch tätowieren! Weh getan hat es überhaupt nicht. Vielleicht lag es am Adrenalin, vielleicht auch am Alkohol. Aber egal, wir sind beide überglücklich mit unseren neusten Errungenschaften und machten uns dann auch langsam ausgelaugt und müde auf den Heimweg. Wohlgemerkt nicht auf dem Arsch, einfach, dass das kurz gesagt wurde. Was man an diesen Open Airs nicht alles sieht und tut…

Für Jessi sah der Nachmittag jedoch noch eine Spur anders aus. Das erzählt sie von ihrem Gampel-Samstag: Uns wurde ans Herz gelegt, dass dieser Watsky für gute Musik sorgen wird. Da wir musikalisch von den beiden anderen Tagen recht enttäuscht waren, gingen wir also voller Vorfreude um 15:30 Uhr zur White Stage. Leider, leider war das auch nichts für unsere Ohren, grundsätzlich ist Hip Hop ja in Ordnung aber dieser Kerl war mir gar nicht sympahtisch. Naja, es musste also etwas anderes sein, denn nachdem wir noch kurz bei Seven vorbeigeschaut hatten, war der Tag vor den Bühnen für uns definitiv beendet. Mit etwas gedämpfter Stimmung haben wir dann die Kuhstallbar entdeckt. Sieht etwas schmuddelig aus, mit all den Kuhfellen, aber die hatten so einen Kaffeelikör-Slushy, mmmmmmh… echt lecker. Nach einigen Drinks, dazwischen noch etwas Bier und guten Gesprächen, verbrachten wir einen angenehmen Nachmittag und haben sogar getanzt, wenn auch nicht zu Live-Musik. Als wir dann, zurück auf dem Camping, nur etwas Warmes anziehen wollten und eine kurze Verschnauf- und Alkoholpause machten, sind wir doch dem Schlafmangel zum Opfer gefallen und haben uns erstmal bis um Mitternacht erholt. Danach ging es dann wieder in die Partymeile und haben es uns bei Rock in der Rckstr-Bar und bei den Partybeats von der Heineken-Bar noch gut gehen lassen.

Sonntag, 20.08.2017
Den letzten Tag liessen wir dann doch eher ruhig angehen, und begaben uns es erst nach dem Mittag aufs Konzertgelände. Daher hatten wir Kunz und Tom Walker schon mal verpasst, vom Camping aus hörte es sich aber nach super Gampel Sonntagsmusik an. Obwohl soviel unterschiedliches am Gampel läuft, muss man den Organisatoren definitiv lassen, dass sich die musikalisch gegliederten Tage durchaus lohnen. Nun waren wir also bei Dabu Fantastic ausgeruht und mit kühlen Getränken wieder am Start. Die Jungs aus Zürich legten ein super Konzert hin und waren ab dem riesigen Aufmarsch an Publikum doch sichtlich überrascht und erfreut. Wir tanzten uns sangen mit, so wie es sich eben für einen Sonntag und den letzten Tag des Open Airs gehört.

Nun, nach einer Nachmittagsverpflegung spürten wir trotzdem das Festival in den Knochen und so machten wir uns nach grosser Verarbschiedungstour auf den Heimweg. Manillio und SDP standen eigentlich noch auf unserem Konzertplan, die Freude auf eine kalte Dusche und das heimische Sofa überwiegten aber nach vier Tagen. Danke Openair Gampel, es war schön mit dir und bis nächstes Jahr!