Album Review: Turnover – Good Nature

Gut zwei Jahre nach „Peripheral Vision“, einem Album, das ihnen ziemlich viel Aufmerksamkeit über Szenegrenzen hinaus bescherte, sind Turnover mit neuen Songs zurück. „Good Nature“ heisst die Scheibe und sie beinhaltet die bislang belangloseste Musik der Band.

Es ist schwierig, Turnover zu besprechen, ohne immer wieder auf ihren musikalischen Werdegang zurückzukommen. Wie viele ihrer Mitstreiter hatten sie das Bedürfnis, nach einigen Pop-Punk-/Emo-Platten ihren Sound mit ausser-szenischen Einflüssen anzureichern. Bei Title Fight war es Shoegaze, bei Balance & Composure Post-Punk und Turnover haben sich dem Dream Pop verschrieben. Die spannende Frage ist, wie sich eine Band nach einem stilwechselnden Album weiter- oder zurückentwickeln kann. Turnover liefern mit „Good Nature“ eine mögliche Antwort – und Ernüchterung macht sich breit.

Nachdem nun alle übriggebliebenen Emo-Elemente abgelegt wurden, bleiben schöne, aber zu weitesten Teilen geradezu aufdringlich unaufdringliche Songs, die mit wenig Variation in Tempo, Timbre, Melodie und Struktur dahinplätschern. Wer die drei Vorabsingles gehört hat und sie zwar als gut und recht, aber doch eher unzwingend und eintönig befand, dem bietetet der Verlauf des Albums wenig Grund, seine Meinung zu revidieren. Im Gegenteil, schnell macht sich ein Mangel an Songs oder Passagen, die herausstechen, bemerkbar. Immerhin: „Curiosity“ und „Breeze“ warten mit leicht angezogenem Tempo auf, „All That It Ever Was“ überrascht mit Beatles-esquen Melodien und Harmonien.

Diese kleinen Lichtblicke lassen aber nicht darüber hinwegsehen, dass „Good Nature“ einfach eine Sammlung von  Indie/Dream-Pop-Songs mit jangeligen Gitarren ist, wie sie von Real Estate oder Wild Nothing seit Jahren (oftmals besser) geschrieben werden. Nur weil das Turnover oder andere Run-For-Cover-Bands noch nicht gemacht haben, ist es weit gefehlt, von Innovation oder Experimentierfreudigkeit zu sprechen, wie das im Pressetext und Interviews sehr gerne gemacht wird. Ist ja auch egal, am Ende müssten einfach die Songs stimmen. Hier aber hat man beim ersten Durchlauf die ganze Platte begriffen, es gibt auf weiteren Hörgängen geradezu nichts zu entdecken, so seicht sind die Kompositionen. Auf „Peripheral Vision“ schimmerten immer wieder Emo- und Pop-Punk-Elemente durch. Die Abwesenheit dieser Elemente auf „Good Nature“ bestärkt die These, dass genau diese unfertige Transformation für das gewisse Etwas und ein wenig Eigenständigkeit gesorgt hatte. Nun aber gibt es wahrlich keinen Grund mehr, Turnover den erwähnten oder unzähligen anderen Indiebands vorzuziehen.

Zumal auch textlich kaum Substanz vorhanden ist. Super, wenn es Sänger/Songwriter/Gitarrist Austin besser geht. Die Glorifizierung von leidenden, geplagten Sängern ist eine alte Leier und es ist erfreulich, wenn jemand inneren Frieden findet und diese positive Message verbreiten will. Aber „I know that the rain falls hard when it falls, and I know you’re more of the relaxing in the sunshine type of person. It hurts when you gotta be at home and stay inside“ aus, errm…, „Sunshine Type“ oder „it’s easy to fall into a lie, part of a big machine, like they will do to me. Is it really so far out to say that they will tell you lies? Trying to make you be the same“ aus „Curiosity“? Phuh.

Natürlich, es muss nicht alles voller Bedeutung sein und inhaltliche wie musikalische Tiefe besitzen. Bei einer spätsommerlichen Runde am See oder als Hintergrundmusik beim Sonntagsbrunch kann man mit diesem Album nichts verkehrt machen. Und das ist ok, solche Momente brauchen auch die passende Untermalung. Erwarte aber nicht, bei genauem Hinhören mehr zu entdecken.

VÖ: 25.08.2017 / Run For Cover Records