Zürich Openair Tag 4: Rückblick, Facts und Fazit

Gegen 18:00 Uhr haben wir uns am Samstag aufs Festivalgelände begeben und uns ein paar Songs von der Band Von Wegen Lisbeth angehört, gute deutsche Festivalmusik, die Stimmung war ausgelassen. Die Besucherzahl war gefühlt ähnlich hoch wie am Vortag, das Festival konnte gesamthaft rund 80’000 Besucher zählen dieses Jahr, so viele wie nie zuvor. Man hatte aber nie das Gefühl, es hätte zu viele Leute, denn man ist gut durchgekommen und die Menschen haben sich auf dem Gelände angenehm verteilt.

Auch bei Slowdive und Metronomy haben wir uns einige Songs angehört, so richtig packen konnte uns der Sound aber nicht, was sicher Geschmacksache ist. London Grammar war auch gut besucht im Stagetent und die klare Stimme der Sängerin hat etwas an Birdy erinnert.

Um 22:00 Uhr hat dann Parov Stelar der Menge eingeheizt mit sympathischem Elektrowing. Das Liveset kann sich sehen lassen und allgemein waren die Shows mit vielen Visuals geschmückt, welche über diverse Screens projeziert wurden. Parov Stelar werden übrigens am 09.03.2018 in der Samsung Hall in Zürich auftreten. Um 23:00 Uhr sind wir in den Dance Circus, um die Show von Klingande zu sehen, von der ich wirklich begeistert war. Tolle Lichtshow, coole Songauswahl und Klingande zeigten, dass auch bei DJ’s durchaus Instrumente mit auf die Bühne passen. Eine tolle Darbietung der ganzen Band und natürlich durfte ihr Hit „Riva“ nicht fehlen, das ganze Zelt stampfte fröhlich und ausgelassen mit.

Gespannt wartete ich auf The Prodigy, welche mit wenigen Minuten Verspätung eine fulminante Show starteten. Sie starteten ihre Show mit „Breath“ und das Publikum war begeistert. Ich stand etwas weiter hinten und dort gab es ab Hälfte des Sets etwas mehr Platz um somit auch etwas besseren Sound, da dieser jetzt auch bis zu mir voll durchkam 😉 Auf jeden Fall habe ich die Show voll und ganz genossen, für Eptileptiker wäre sie jedoch eine rechte Herausforderung gewesen, da man das Gefühl hatte, sie hätten die Strobo-Beleuchtung einmal eingeschaltet und nach dem letzten Song wieder ausgemacht. Hits wie „Firestarter“, „Omen“ und „Invaders Must Die“ durften natürlich auch nicht fehlen. Für mich war’s die dritte The Prodigy Show und sie reihte sich für mich auf Platz 2 ein, einfach, weil der Bass noch etwas mehr hätte aufgedreht werden dürfen, der hatte einem damals am Greenfield Festvial fast weggeblasen und bei der Musik gehört sich das so! Ich war happy mit der Show und etwas enttäuscht, dass in den Partyzelten und im Dance Circus dann wieder praktisch nur monotoner Elektro lief.

Allgemein war es ein gelungenes Festivalweekend, wenn auch die ganze Planung sehr mühsam verlief, wenn man als Medium nur wenige Tage vor dem Festival über eine Zusage/Absage für die Akkreditierungen informiert wird. Ein grosses Plus waren die Sanitären Anlagen, wobei die WC’s ein paar Reinigungen mehr vertragen hätten zwischendurch. Das Foodangebot war, wie bereits erwähnt, sehr grosszügig und vielseitig und es gab ein paar sehr innovative Stände wie z.B. ein Stand, wo man sich einen portablen Akku für 5.- ausleihen konnte, um sein Handy zu laden, man musste also nicht stundenlang anstehen um das Handy für mehrere Stunden abzugeben. Aufgefallen optisch und geruchstechnisch ist auch der Stand „BioCan“ – Willkommen bei den Schweizer  Hanf-Pionieren, man hätte meinen können, wir sind in Holland 😉 Der Stand war immer gut besucht und ich bin gespannt, wie sich das offenbar grosse Interesse für Cannabis beim Schweizer Volk auf die Volksinitiative #CH420 auswirken wird. Was natürlich auch einmalig ist am ZOA sind die vielen Flugzeuge, welche einem lautstark über die Köpfe hinwegbrausen. Mir hat das ganze Ambiente sehr gefallen, das Festivalgelände ist übersichtlich, aber trotzdem genug gross, um die Menschenmasse angenehm zu fassen und die Gehwege sind kurz.

Die Menschen waren angenehm und die Stimmung war gut, einzig das viele Rumgeschubse, um den Weg frei zu machen im Publikum, war etwas nervig und anstandslos. Laut dem Medical Staff benötigte es allgemein weniger medizinsiche Behandlungen als in Vorjahren und die Behandlungen aufgrund von Alkohol- und anderem Drogenkonsum waren erfreulich gering. Der Campingplatz war mit 5000 Personen ausverkauft und wir haben für unser relativ grosses Zelt auch am Donnerstag in unserem Terminal schnell einen Platz gefunden, zudem hatte es auf dem Camping ein Foodzelt, gute Campingorganisation! Das ZOA ist komplett bargeldlos und man bezahlt mit einem Chip am Festivalbändel, wo man unkompliziert via Kreditkarte oder vor Ort Geld aufladen kann. Man verliert aber relativ schnell den Überblick und die App ist auch nicht immer ganz aktuell mit dem persönlichen Geldbestand. Unbedingt sollte erweitert werden, dass man auch mit Postcard Geld aufladen kann.  Es gab viele „unprofessionelle“ freiwillige Helfer, was man leider teilweise an den Ständen und bei organsatorischen Fragen auch merkte, aber jeder hat sich Mühe gegeben und das geleistet, was ihm möglich war. Ohne die Helfer wäre ein solcher Event gar nicht möglich.

Foto: Eduard meltzer photography