Jason Black von Hot Water Music: „Wir planen, irgendwann nächstes Jahr in Europa zu spielen.“

Wir haben den redseligen Bassisten von Hot Water Music zum neuen Album, seinen Einflüssen, ihren Erfahrungen mit der Schweiz und Literatur interviewt.

“Light It Up” erscheint am 15. September. Ihr habt zum ersten Mal ein Album in Eigenregie mit eurem Tontechniker aufgenommen. Wie war die Erfahrung?
Jason:
Grossartig! Wir wollten das schon lange einmal machen. Wir sind seit über 20 Jahren zusammen, also sollten wir in der Zwischenzeit wissen, wie das geht (lacht).

Die neue Scheibe ist anders als „Exister“.
Besser oder schlechter?

Geschliffener und weniger rau.
Ach ja? Das ist genau das Gegenteil von unserem Vorhaben. Wir dachten das immer von „Exister“. Wir gingen damals in den Blasting Room, haben aufgenommen und uns zu viel Zeit genommen. Dieses Mal wollten wir einfach aufnehmen und spontan sein. Das ist das Problem, wenn man schon ein paar Alben aufgenommen hat. Man fixiert sich zu sehr auf jedes kleinste Detail. Danach hört jeder das Album, wie er es hören will. Wenn die Songs raus kommen, gehören sie nicht mehr dir.

Wie schreibt ihr eure Songs?
Über die Jahre hat sich einiges verändert. Zum grössten Teil, weil wir alle viel umgezogen sind. Für dieses Album haben wir Ideen per Mail ausgetauscht, bevor wir zusammengekommen sind. Ich denke, es war wirklich von Vorteil für uns, es auf diese Art zu machen.

Das war sicher nicht einfach, weil nicht mehr alle in Gainesville wohnen.
Absolut! Nur Chris und George leben noch da. Chuck hat mit dem Flugzeug fünf Stunden nach Gainesville. Wir haben alle Jobs und Familien.

Welches ist dein Lieblingssong auf dem Album?
Ich habe mich nicht entschieden. Momentan mag ich alle, aber das ist immer so, wenn du ein neues Album aufnimmst. Alles ist neu. Für mich braucht es in der Regel eine Weile, um mich zu entscheiden. Ich höre unsere Alben nicht, wenn wir damit fertig sind. Die Songs werden zu Favoriten, wenn wir sie live spielen, wenn sie sich gut anfühlen und die Reaktion der Zuschauer gut ist.

Welcher Hot Water Music Song fühlt sich am besten an?
Trusty Chords! Ich mag den Song wirklich. Wir sind keine Spassband, aber der Song macht richtig Spass, auch wenn der Inhalt ziemlich ernst ist. Es liegt an der Stimmung des Songs. Er ist heiter und eingängig. Irgendwie anders als die anderen.

Wie bist du involviert in das Songschreiben?
Das ist alles Chris und Chuck. Wenn sie fertig sind, fragen sie George und mich, ob wir noch Vorschläge haben oder ob uns etwas überhaupt nicht gefällt.

Ich habe gelesen, dass ihr gerade eine Tour für 2018 plant. Ist Europa auch dabei?
Ja, wir planen irgendwann nächstes Jahr in Europa zu spielen. Wir haben schon von überall Angebote erhalten, aber wir können nicht überall spielen, da wir keine Vollzeit-Band sind. Wir haben Zuhause viel um die Ohren. Also sind wir ein wenig egoistisch und bleiben sehr wählerisch.

Ich hoffe stark, dass eine Clubshow bei uns auf dem Programm steht!
Wir spielen nicht gerne an Festivals. Wir sind keine Festivalband, nur das Groezrock ist eine grosse Ausnahme. Ich spiele lieber in einem Club. Da können wir uns eher entfalten.

Was ist mit dem Punkrock Holiday in Slowenien?
Wir haben da vor langer Zeit einmal gespielt. George war vor kurzem da und sagte: „Wow! Es ist grossartig! Da müssen wir wieder hin!“ Wir hatten damals eine richtig gute Zeit da. Das wäre ein Festival, an dem wir gerne wieder auftreten würden.

Wie war eure Erfahrung in der Schweiz? Da gibt’s eine Band, die nie wieder hier spielen wird, weil wir alle zu reich und verwöhnt seien.
Ich finde die Schweiz grossartig, aber ich hasse den Zoll! Manchmal ist es kein Problem, mit dem ganzen Merchandise über den Zoll zu kommen, manchmal geht es vier Stunden. Einmal hatten wir das Problem, dass wir unsere Instrumente nicht über die Grenze brachten, weil wir keine Quittungen hatten. Ich spreche über Gitarren, die wir seit über 20 Jahren besitzen. Wir haben dem Zöllner alles erklärt und gesagt, dass wir nur unser Konzert in der Schweiz spielen wollen, und gefragt, was wir an Taxen zahlen müssen. Er wollte uns nicht reinlassen, weil er dachte, wir würden die Instrumente schmuggeln.

Das ist lächerlich!
Es war zum schreien (lacht)! Die sind mit Knarren und Hunden gekommen. Ein Zöllner hat dann in unserem Tourbus eine Turbonegro CD gesehen und den anderen gesagt: „Hey! Die sind sauber! Lasst sie durch! Ihr verdammten Idioten! Kapiert ihr eigentlich nicht, was hier abgeht?“ Ich glaube, er war Turbonegro Fan. Zum Glück kam dieser Typ. Wir haben vier Stunden gewartet.

Was ist eure Verbindung zu Turbonegro? Ihr habt ja auch „Prince Of The Rodeo“ gecovert.
Wir lieben sie! Ich erinnere mich als ich sie das erste Mal gehört habe. Wir waren auf Tour und es war etwa 1998 als „Apocalypse Dudes“ erschein. Wir alle fanden es die beste Scheibe, die seit langem veröffentlicht wurde. Wir sind also selbst seit langer Zeit Fans dieser Band.

Euer Name stammt von einer Kurzgeschichtensammlung von Charles Bukowski. Welche anderen Autoren haben euch inspiriert?
Das kommt auf die Zeit drauf an. Chris liest sehr viel und George hat den Namen für die Band ausgesucht. Wir lesen alle unterschiedliche Sachen. Ich denke, die Welt wäre ein besserer Ort wenn Bands mehr lesen würden (lacht). Chris ist seit einigen Jahren auf einem Robert-Louis Stevenson Trip. Keine Ahnung was Chuck liest.

Manchmal denke ich auch, dass ihr von Kerouac inspiriert wurden. Vor allem „On The Road.“
Oh ja! Das war ein massgebendes Buch, als wir die Band gestartet haben. Es passt sehr gut, wenn du anfängst zu touren.

Ich dachte Giver wäre darüber…
Giver ist eine Phrase aus Kanada. Es bedeutet Cheers oder Prost. Das amüsierte uns richtig.  Wir waren gerade mit den Bouncing Souls auf Tour und hatten zusammen mit ihnen eine imaginäre Band „The Givers“. Den Song haben wir dafür geschrieben, jedoch kam die Band nie zu Stande.

Ich sah euch am Groezrock 2008 als ihr True Believers mit den Bouncing Souls spielten. Seit dieser Show schreie ich True Believers an jedem Konzert. Egal, wer spielt. Daraus wurde ein Running Gag. Chuck wollte es nicht spielen, als er in der Schweiz war.
(Lacht) Ja, jedes Mal wenn wir mit ihnen auftreten, versuchen wir etwas Witziges zu machen. Wir haben viele Shows zusammen gespielt und kennen deshalb einige Songs von einander.

Was für Bands hörst du sonst so?
Das neue Material von A Tribe Called Quest fand ich grossartig. Ich höre nicht viel neuen Punkrock. In letzter Zeit höre ich oft Jazz oder HipHop.

Was, Jazz?
Die neue Kamasi Washington war grossartig, aber ich höre auch alte Sachen wie Chick Corea. Meine Favoriten sind jedoch Bebop und Cool Jazz von Miles Davis.

Ich dachte noch, dass die Herangehensweise ans neue Album ähnlich wie die von Miles Davis bei Kind Of Blue war. Er hatte im Taxi auf dem Weg ins Studio die Idee für einen Song und dann nahmen sie das auf. Er nahm es so gelassen (cool) und sagte deshalb, dass die Scheibe Cool-Jazz sei.
Ja! George und ich spielten an der Highschool viel Jazz zusammen. Wir improvisierten viel. Genau so sind wir auch im Studio. Wir lassen uns treiben und lassen uns überraschen, wohin uns der Song bringt. Das macht Spass! Ich könnte nicht in einer Band spielen, wo alles in Stein gemeisselt ist.

Du wurdest also sicher auch von Jazzbassisten inspiriert.
Mein Lieblingsjazzbassist ist Marcus Miller. Ich mag alle seine Alben und er hat eine verdammt coole und verrückte Geschichte, mit wem er alles schon gespielt hat. Als ich angefangen habe Bass zu spielen, spielte ich Jazz, aber beeinflusst wurde ich von Karl Alvarez, Geddy Lee und Christ Burton.

Hast du das „So What“ Cover von Marcus Miller gehört?
Das ist grossartig! Ich habe mich in letzter Zeit viel mit ihm beschäftigt. Vor kurzem habe ich ihn mit seinem neuen Trio live gesehen mit Chad Chambers am Schlagzeug. Es war richtig cool.

Wir haben eine „Band des Monats“ Rubrik in der wir Schweizer Bands fördern wollen. Was ist dein Rat an junge Bands?
Das Business hat sich stark verändert. Als wir angefangen haben, gab es einfach viel weniger Bands. Wichtig ist, dass sie ihr eigenes Ding durchziehen, denn am Ende haben sie keine andere Wahl. Sie sind auf der Bühne und müssen hinter dem stehen was sie machen. Vielleicht funktioniert es, wenn sie bloss dem nächsten Trend nachlaufen, aber wenn nicht, vergeuden sie ihre Zeit und sind ohne Passion dabeigewesen.

Live your heart and never follow?
Yeah! (lacht). Genau! Am Ende des Tages hast du nur dich und was du gemacht hast. Was bringt es, wenn du nicht dahinterstehen kannst?

Was denkst du über die aktuelle Lage der Musikszene?
Es ist verrückt! Es gab einen Weg, wie man früher ein Album rausgebracht hat. Wenn die Scheibe fertig aufgenommen ist, standen Pressetermine an, dann kam dies und das und schliesslich machte man eventuell einen Videoclip. Nun wollen die Leute die Hälfte des Albums am liebsten schon vor der Veröffentlichung hören. Ich denke wir gehen einen Weg der ziemlich veraltet ist. Alben werden nicht mehr konsumiert. Der Hörer konsumiert nur noch Songs. Es wäre schön, wenn das Album wieder mehr Wertschätzung erhalten würde. Heute kann jeder Musik veröffentlichen und der Markt ist extrem überflutet. Es fällt mir schwer, so neue Musik zu finden. Es gibt grossartige neue Musik. Ich mag The Dirty Nil. Es gibt Bands, die viele mögen, ich verstehe es auch, aber es ist nicht mein Ding. Ich fühle mich wie mein Dad (lacht). Ich bin mit Jawbox und Fugazi aufgewachsen und alles ist heute so komplett anders. Ich denke es gibt noch intelligente Musik, aber im Punkrock nicht mehr so viel. Ich denke Rockbands sind am Arsch. Die neue Nine Inch Nails ist grossartig und ich hoffe die neue Beatsteaks wird gut sein.

Beatsteaks? Was? Nach Smack Smash kam nicht mehr viel Gutes von Ihnen.
Ja, das war alles ziemlich poppig. Ich liebe Smack Smash. Ein wirklich grossartiges Album. Ich habe nie verstanden, warum die in den Staaten nicht grösser sind. Die Beatsteaks sind auf Smack Smash so, wie die Foo Fighters sich gerne anhören würden.

Hast du noch etwas das du unseren Lesern mitteilen willst?
Hoffentlich sehen wir uns nächsten Sommer! Ich mag die Schweiz und wir sind keine Band, die Probleme mit der Schweiz hat!
Vielen Dank!