Scream Your Name über ihr neues Album „Reborn“

Heute erscheint das dritte Studioalbum „REBORN“ der Burgdorfer Rockband (oder auch New-Metalband laut SRF3) Scream Your Name. Wir wollten von den Herren wissen, was sie bei der Entstehung der neuen Platte für Erfahrungen gesammelt haben, wie sie mit (unserer) Kritik umgehen und ob sie nun effektiv radiotauglichen Rock verkaufen wollen.

Heute erscheint euer neues Album „REBORN“. Ihr habt zum ersten Mal mit einem Produzenten zusammengearbeitet. Welche Erfahrungen und Eindrücke nehmt ihr von dieser Zusammenarbeit mit?
Wenn du zusammen im Studio sitzt und dir die Zeit nimmst, dich in die Songs und Instrumente zu vertiefen, fühlt sich das einfach richtig an. Wir brauchten irgendwie jemanden, der uns das wieder zeigt. Schliesslich entstanden die meisten Songs bisher am Computer. Beim Songwriting im Jahr 2017 ist der Computer zwar nicht wegzudenken, aber die Kommunikation vor dem Bildschirm und hinter den Instrumenten hat viel mehr stattgefunden. Und es fühlt sich gut an, wenn jemand ausserhalb der Band, der selber leidenschaftlicher und professioneller Musiker ist, an deine Musik glaubt. An deine Fähigkeiten als Musiker und Mensch und dich aus deinem kleinen Gärtchen rausholt und dir zeigt, dass du viel mehr kannst, als du denkst. Schwierig war es jeweils, wenn wir nach ein paar Tagen Tonstudio wieder zurück in die Schweiz reisten und im Alltag wieder unseren Jobs nachgehen mussten. Zu schnell vergeht das Hochgefühl, das du hast, wenn du den ganzen Tag an der Gitarre sitzen darfst und am Abend gemütlich in einer Bar ein Bierchen trinkst und spätestens um 22 Uhr todmüde ins Bett fällst. Die Distanz zu Hamburg, wo unser Produzent sein Studio hat, machte uns öfters zu schaffen. Erstens ist es sehr kompliziert, am Telefon und in E-Mails über Songs zu sprechen. Zweitens verloren wir hie und da wieder den Enthusiasmus, der eben nur entsteht, wenn du mit allen Beteiligten am Ort des Geschehens bist. Schlussendlich haben sich die Strapazen aber mehr als gelohnt, denn auf das Ergebnis sind wir mächtig stolz!

„REBORN“ kommt gemässigter daher als eure beiden Vorgänger. Unser Basil hat sich ja die Frage gestellt, ob sich das bewusst – vielleicht auch im Hinblick auf Radio-Plays – verändert hat. Wie seht ihr eure eigene, musikalische Veränderung?
Für uns ist die Veränderung gar nicht so gross. Schliesslich sind wir immer noch dieselbe Band, die live genauso wuchtig daher kommt wie bisher. Nur dass die CD nicht mehr nach überkomprimiertem Metalcore klingt und halt einfach mehr Leben und Emotionen in den Songs steckt und diese nun ein wenig anders verpackt sind als bisher. Das hat überhaupt nichts mit Radio zu tun. Ausserdem ist die Produktion immer noch viel zu hart für die tägliche Rotation auf den ganzen Kommerz-Sendern. Am Ende hat jeder Song das gekriegt, was er brauchte. Manchmal haben Screams gepasst, manchmal nicht. Manchmal brauchte es ein Breakdown, manchmal die akustische Gitarre. Natürlich haben auch wir uns in den letzten drei Jahren verändert, vielleicht sind eben wir ein wenig gemässigter und ruhiger. Uns ist wichtiger denn je, dass man die Texte versteht, dass die Geschichte und der Song verstanden werden. Übertrieben gesagt könnte man das auch so sehen, dass wir früher das Gefühl hatten, möglichst laut zu sein und die Leute anschreien zu müssen, um gehört zu werden. Heute erzählen wir lieber eine Geschichte und wer zuhören mag, ist herzlich willkommen. Abgesehen davon sind die unterschiedlichen Elemente der Musik viel wirkungsvoller, wenn du sie sparsam und an der richtigen Stelle einsetzt.

Ein neues Album kann mit Lob überhäuft oder mit harscher Kritik in den Boden gestampft werden. Wie fest nehmt ihr euch negative Kritik zu Herzen und wie geht ihr damit um?
Wenn die Kritik objektiv ist und mit Respekt geäussert wird, denken wir schon darüber nach. Schliesslich hat sich jemand die Zeit genommen und sich Gedanken über unsere Musik gemacht. Wenn aber jemand das Gefühl hat, man müsse über etwas schreiben oder seine Meinung kundtun, wovon man keine Ahnung hat und es ohne anständige Begründungen in der Luft zerreisst, hat der oder diejenige unserer Meinung nach auch keinen Respekt verdient.

Ihr sagt von euch, dass ihr noch nie so ehrlich gewesen seid wie jetzt. In Bezug auf die Texte, die Kommunikation mit den Fans oder eure Arbeit im Musikbusiness. Könnt ihr das etwas genauer erläutern?
Bereits vor über einem Jahr, als wir das erste Mal in Hamburg waren, hatten wir anschliessend bandinterne Aussprachen. Wenn du seit über 10 Jahren zusammen an etwas arbeitest, staut sich das eine oder andere an und manchmal ist es schwer, etwas anzusprechen, weil es so verdammt persönlich werden kann und du Angst hast, das alles den Bach runtergeht. Aber wir haben das zusammen überstanden und die neue, sehr offene Situation hat sich sehr stark auf die Texte und Musik ausgewirkt. Was die Fans betrifft, sind wir einfach offen und ehrlich und hören uns auch die Kritik an, wenn diese, wie schon gesagt, mit Respekt daher kommt. Daraus entstehen oft die besten Gespräche. Und wir versuchen nicht mehr so stark, möglichst alles, was innerhalb der Band geschieht, geheim zu halten und ja niemandem zu erzählen. Schliesslich musst du mit jemandem darüber sprechen, was irgendwie auch den Druck aus der Band nimmt. Und schliesslich sind wir auch nur Menschen, klar ist nicht alles perfekt. Hinter dieser Fassade verstecken wir uns nicht mehr oder versuchen zumindest, sie Stück für Stück abzubauen.

Was das Musikbusiness betrifft, haben wir extrem viel gelernt im letzten Jahr. Das Fazit: Halte dich fern von jenen Leuten, die viel reden, ohne etwas zu tun. Bezahle niemals im Voraus den gesamten Betrag für etwas, auch wenn du noch so viel Vertrauen hast. Arbeite mit Leuten, die in deiner Nähe sind, die du eben mal besuchen kannst. Das vereinfacht vieles. Nicht, dass es nicht auch andersrum gut ausgehen kann, wie es beim neuen Album der Fall ist. Es ist einfach viel einfacher, wenn nicht tausende Kilometer dazwischen liegen, trotz der ganzen Kommunikationsmittel der heutigen Zeit. Wenn jemand wirklich mit dir arbeiten will, merkt man das schnell. Dann passiert nämlich sofort was und man motiviert sich sehr schnell gegenseitig. Wir sind es aber leid, uns stundenlang Vorträge und Ratschläge anzuhören über Dinge, die eh schon alle wissen und man schon x-Mal durchgekaut hat. Wenn sich der Gesprächspartner nicht einmal vorher ein wenig informiert und mit Sachen kommt wie „Habt ihr eigentlich eine Bandseite bei Facebook?“ oder „Ihr müsst live spielen!“, dann sagen wir danke, stehen auf und verlassen das Gebäude oder die Skype-Session.

Was wird uns denn live auf der Bühne so erwarten? Ihr werdet ja auch zum ersten Mal eine Akustik-Show zum Besten geben.
Ja, darauf freuen wir uns! Das ist eine komplett neue Erfahrung für uns. Da unsere Songs auch ganz gut ohne Schlagzeug und verzerrte Gitarren funktionieren, wird das schon irgendwie klappen. Bei den normalen Konzerten verändert sich nicht viel an unserem Live-Auftritt. Das knallt immer noch voll in die Fresse und wir arbeiten hart daran, an jedem Konzert das Bestmögliche abzuliefern.

Am Samstag, 30. September wird das neue Werk in der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn gefeiert. Mit von der Partie sind Defender und Mindcollision. Tickets gibt es bei Starticket.

An dieser Stelle verlosen wir natürlich auch zwei signierte Exemplare von „REBORN“. Schreibe uns eine E-Mail mit dem Betreff REBORN und deiner Adresse an info@rawk.ch. Ausgelost wird am 15. September 2017.