09.09.2017 – Release Show von GROOMBRIDGE in Bern

Am Abend des 9. Septembers war es nun soweit: GROOMBRIDGE aus Burgdorf tauften ihr fünftes Album im Gaskessel in Bern. Beim Betreten des Chessu-Areals wurde man regelrecht überrumpelt. Hier ein Foodtruck, da ein Festzelt, dort eine Bühne und mittendrin ein riesiger Skatepark. Nettes Einweihungsfest der Berner Skatebowl, aber was uns interessierte, spielte sich im Innenraum ab.

In der anschaulichen Holz-Arena hatten sich bei unserem Eintreffen bereits Ripstone bereit gemacht. Die junge Band aus Biel überzeugt mit starker Bühnenpräsenz, fettem Sound, harten Riffs und der glasklaren Stimme von Sängerin Julie. Ziemlich beeindruckend, wie sicher und professionell das Trio daherkommt und auch klingt. Dass hier zahlreiche Instrumente ab Band kommen, stört überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Ich finde die Band sehr zeitgemäss. Irgendwie die logische Konsequenz des digitalen Zeitalters, die Nutzung der technischen Möglichkeiten wird hier ausgeschöpft. Schade, dass das Publikum etwas verhalten war. Aber wahrscheinlich werden wir die Industrial Rock Band noch öfters sehen, hoffentlich auch mal auf grösseren Bühnen mit lauteren Boxen.

Nach kurzer Umbau-Pause ging es los mit den Gastgebern: GROOMBRIDGE betraten die Bretter der nördlichen Halbkugel. Die fünf Herren, die von ihrer Erscheinung her nicht unterschiedlicher sein könnten, liessen von Anfang an keine Zweifel offen, dass hier eine verdammt motivierte und eingespielte Band auf der Bühne steht. Die Stimme von Sänger Dyle besticht mit Einzigartigkeit, Präzision und Vielseitigkeit. Der Typ braucht seine Stimmbänder als Instrument, natürlich darf hier aber auch das Effektgerät nicht fehlen. Ohne das würden auch die Sounds nicht entstehen, die einem beim Hören des neuen Albums „Der Specht“ immer denken lassen: „Wie machen die das?“. Daran mitschuldig sind aber auch die beiden Gitarristen resp. Instrumentalisten Fibe und Hessty, die ständig zwischen ihren Saiten und Tasten hin und her fliegen. So entstehen also die schweren tragenden Synthesizer und elektronischen Teppiche, die harten rhythmischen Gitarrenparts und sphärischen Endlosschlaufen. Bassist Sili und Drummer Sky tragen hier am meisten zum gemeinsamen Nenner des Soundteppichs bei. Ohne grossen Schnickschnack wird hier der solide Boden geliefert, der irgendwie auch nötig ist, damit der Zuschauer den verworrenen Melodien, Tackten und Songs folgen kann.

Ein faszinierendes musikalisches Kunstwerk wird hier gezeigt. Auf höchstem Niveau. Das kann aber für den einen oder anderen Zuhörer ein wenig anstrengend werden. Jedenfalls mir ging es ab und an so. Mein Unterbewusstsein sehnte sich mehr und mehr nach einem Refrain, den ich mitsingen kann oder nach einem Song, an dessen Intro ich mich am Ende auch noch erinnere. Oder nach einem Riff, das ich beim Heimfahren noch Nachpfeifen kann. Für mich also leichte Überforderung, gepaart mit einem grossen Haufen Faszination.

Am Sonntag habe ich mir gleich die neue CD runtergeladen und das Anhören hat geholfen, das Erlebte zu verarbeiten. Einige Songs sind doch hängengeblieben, nur hat das mein Gehirn bisher noch nicht mitgekriegt. Macht ihr das eigentlich mit Absicht? Na, auf jeden Fall habe ich grossen Respekt vor der immensen Kreativität, der musikalischen Vielfalt und vor höchster Präzision. Danke für das Erlebnis, gerne wieder.

Foto: Roland Juker