22.09.2017 – Kill The Unicorn tauften “PRISM” im Treibhaus

Am Freitag war es soweit: Die erste Show der Veranstalter von Hadean Booking versprach uns, wieder härtere Musik ins Treibhaus zu bringen und daran hielten sie sich auch. Aber erst mal von vorne: Können wir uns einen kurzen Moment nehmen um einmal zu erwähnen, wie gemütlich und heimelig das Treibhaus in Luzern eigentlich ist? Und das sage ich jetzt nicht nur als Luzernerin. Der Garten bietet tonnenweise Sitzmöglichkeiten bei hübsch dekorierter Umgebung, die Bar wird immer freundlich bedient und ist durchaus eine ausgiebige Musterung wert und der Saal hat die perfekte Grösse, um schnell voll zu wirken, aber trotzdem noch viel Platz für mehr Besucher zu bieten.

Aber genug geschwärmt, als Erstes stand der Hadean Flohmi auf dem Plan. Das war nicht so der typische „Jeder hat sein Eckchen und wartet auf Käufer“-Flohmarkt. Die Verkaufsgegenstände wurden mit Preisschildchen wild durcheinander auf einem Tisch angeboten. Dies lud zum stöbern ein, ohne dass man sich immer beobachtet vorkam. Ich hatte wieder einmal den klassischen „Hab ich jetzt dieses Soilwork-Album schon zuhause oder nicht“-Zweifel und liess die CD schlussendlich liegen. Wie sich heute herausstellte, zu Recht. Ich besitze das Album als Hard Copy, also nichts verloren.

Als erste Band eröffnete Deconvolution den Abend. Die Solothurner erstaunen mich jedes Mal wieder. Wie die von Null auf Hundert schalten ist unglaublich. Und mit ihrem fadengeraden Hardcore brettern die vier Herren richtig rein. Jonathan schrie sich wieder ordnungsgemäss die Seele aus dem Leib, und die anderen drei machten es ihm mit ihren Instrumenten nach. Und auch das Publikum fühlte sich schon nach dem ersten Song genug wohl, dass ordentlich gemosht wurde. Da fiel es auch kaum auf, dass noch nicht das ganze Treibhaus voll besetzt war.

Das zweite Ständchen spielten Sickret aus Sursee. Die vier spielen seit 2010 zusammen. Dass Routine nicht alles ist, bewies Sänger Timmy mit einem herrlichen Wortgestolper am Anfang des Sets. Er nahm’s gelassen und entschuldigte sich dafür, dass er ja quasi fast zum ersten Mal auf der Bühne stünde. Das Publikum fand es ebenfalls sehr amüsant und feierte ohne zu zögern zum Crossover von Sickret weiter. Wenn ihr jetzt nicht sicher seit, was Crossover ist: Bei Sickret hört es sich an wie eine Mischung aus Nu-Metal, Hardcore und Rap. Auch dem Publikum hat es ordentlich gefallen: Die Köpfe wurden geschüttelt und es wurde zum Teil auch kräftig mitgesungen.

Als Letztes und mit der neuen Scheibe „PRISM“ im Handgepäck betraten Kill The Unicorn die Bühne. Ich möchte eigentlich nicht versuchen, ihre Musik zu beschreiben, weil ich weiss, dass ich dem nie gerecht werden kann. Aber ich versuch’s euch zuliebe: Könnte man moderne Kunst vertonen, würde sie wie Kill The Unicorn klingen. Ein geordnetes Chaos in Form von Metal. Oder Metalcore. Oder Hardcore. Oder Progressive. Sehr viele Wechsel, keine Stilrichtungstabus und alles herrlich brutal präsentiert. Ich hab es ziemlich gefeiert. Der eine oder andere hat die Musik aber ein bisschen zu sehr gefühlt und nahm mit seinem Egoboost und Highkicks die halbe Tanzfläche ein. Bitte nicht. Wir Nicht-Violent-Dancer würden auch gerne ein bisschen weiter nach vorne stehen, ohne Fuss-im-Gesicht-Risiko. Danke.

In der Hälfte des Sets wurde dann das gute Stück getauft. Dazu gab es zwei voll gefüllte Einhorn-Piñatas zu zerschlagen. Die erste wurde mit einem Schlag pulverisiert, bei der zweiten dauerte es ein bisschen länger und es war ein bisschen Schummeln von Nöten. Die Luzerner spielten noch den Rest ihres Sets und wollten schon fast die Bühne verlassen, als das Publikum eine Zugabe verlangte. Die fünf Einhörner hatten aber schon alle Lieder gespielt und liessen uns die Wahl: ein neues Lied, dass sie nicht so oft geübt hatten oder noch einmal eines aus dem Set. Wir entschieden uns für “F.U.C.K.U.P” und sie lieferten.

Und dann war’s leider auch schon wieder vorbei. Hier noch ein kleines Dankeschön an die Veranstalter, Hadean Booking, Red Panda Booking und Kill the Unicorn, die Bands und alle Besucher, die den Weg auf Luzern ins Tribi gefunden haben. Der Abend war spitze. Gerne wieder!

Foto: AnshixArt