07.10.2017 – Irie Révoltes in der Reitschule Bern, so war’s!

Ein Abschied ist nichts Schönes. Erst recht nicht, wenn er eine Liebesbeziehung beendet, wie diejenige von Irié Revoltés und der Reitschule. Aber man kann ihn auch zelebrieren, dann tut’s wenigstens ein bisschen weniger weh.

Irie Révoltés stehen seit Beginn des Jahrtausends für eine explosive Mischung aus Punk, Reggae und Hip-Hop mit reichlich politischen Inhalten. Nach 17 Jahren schweisstreibenden Konzerten sind die Deutschen nun auf ihrer „Irievoir“ genannten Abschiedstournee. Und wenn Irie Révoltés rufen, dann kommt Bern: Die Grosse Halle der Reitschule war schon lange ausverkauft und wurde zu Beginn des Abends leider enttäuscht. Als Support trat mit Stixonspeed nämlich ein Drum’n’Bass-Künstler auf, der mit seinen Interpretationen von Irie Révoltés-Hits das Publikum nicht recht abzuholen vermochte und eher befremdete. Bei seinem Cover von „Antifaschist“ wurde immerhin zum ersten Mal klar, wie laut es in der Reithalle werden kann. Und diese Tatsache wurde vom Publikum in der Folge noch so einige Male unter Beweis gestellt.

Irie Révoltés starteten ihren Auftritt mit einem Feuerwerk musikalischer Art. Eines, das irgendwie (zur Freude aller Anwesenden) nicht zu enden schien. Auch wenn mal gemächlichere Töne angespielt wurden wie beim über zehnjährigen „Soleil“ oder „Ensemble“, blieb die Intensität erstaunlich hoch. Luden diese Lieder zum Mitsingen ein, animierten dutzende andere – wie „Allez!“, „Fäuste hoch“ oder „Aufstehn“ – zum Mitschreien und -springen. Diese Einladungen nahm ein wirklich grosser Teil des Publikums liebend gerne an und verwandelte die Reithalle in ein Tollhaus. Leider war die Band über weite Strecken etwas gar leise, so dass sie zu leicht von den ZuschauerInnen übertönt werden konnte, was bedauernswerterweise auch bei einigen Ansagen und ruhigeren Liedintros passierte. Häufig nahm die Band die Vorlage aber an und stieg in die Antifa-Sprechchöre ein. Nicht nur das Publikum mit Textsicherheit und unzähligen grossen Mosh Pits bewies Ausdauer, dasselbe galt erst recht für Irie Révoltés, die es schafften, mit ihrem zweieinhalbstündigen Set wohl wirklich alle Erwartungen zu erfüllen – wenn nicht zu übertreffen. Obwohl es trotzdem weh tut: So darf man sich verabschieden. Wer es aber noch nicht ganz wahrhaben möchte: Für ein paar Konzerte der Irievoir-Tournee sind noch Billets erhältlich. Und Sänger/Rapper Carlito hat in Bern mit dem Lied „Hope“ bereits schmackhaft gemacht auf sein Soloalbum, das nächstes Jahr erscheinen soll. Ausserdem gehen Hymnen wie „Antifaschist“ natürlich nicht verloren und werden uns auch weiterhin begleiten.