Album Review: Stick To Your Guns – “True View”

Fun Fact: Meine erste Review für Rawk war ein Konzertbericht über Stick To Your Guns im Dynamo. Nicht so Fun Fact: Bis vor zwei Wochen kannte ich nur die ca. zehn bekanntesten Lieder von STYG. Shame on me! Aber das hat sich postwendend geändert, als ich „True View“ schon ein bisschen vor der Veröffentlichung durchhören durfte. Dritter Fun Fact: Ich hab die Scheibe schon mindestens 15 Mal komplett durch gehört und mir ist immer noch nicht langweilig. Soviel dazu.

Gestartet wird mit „3 Feet From Peace“. Und spätestens nach 20 Sekunden wird einem klar, auf was man sich hier eingelassen hat. Da wird richtig aufs Pedal gedrückt. Und das gefällt der Vera natürlich ausserordentlich gut. Danach folgen „The Sun, The Moon, The Truth“ und „Married To The Noise“, welche als Singles erschienen sind. Die Texte scheinen sehr selbstkritisch und reflektiert, ohne einen runter zu ziehen. Sie feuern zum Aufstehen und Weiter lkämpfen an. Und zum Mitsingen. Denn auch wenn dir die Texte völlig egal sind, kann das Werk musikalisch ohne Probleme überzeugen. Das beweist auch „Delinelle“. Der startet herrlich brutal und schafft es, einen Refrain zum Mitsingen einzubauen, ohne Energie zu verlieren. Dasselbe gilt auch für „Cave Canem“.

Danach geht’s in eine „ruhigere“ Richtung mit „56“. Lustigerweise mein Lieblingslied auf der Scheibe. Und dass, obwohl ich es durchaus als Liebeslied betiteln würde. Weiter geht die Reise mit „The Inner Authority“ und „You Are Free“. Wieder ein bisschen härter und in klassischer Hardcore Manier. „Doomed By You“ ist ein weiterer aufstehen-und-weitermachen-Song. Bei „The Better Days Before Me“ gibt es nicht viel zu sagen. Einfach zuhören und geniessen. Als nächstes ist „Owed Nothing“ an der Reihe. Ebenfalls extrem mitreissend und sicher perfekt als Live-Performance. „Through The Chainlink“ gefällt mir vom Konzept her sehr gut, aber mir sind beim Mix die Melodien am Anfang ein bisschen zu leise. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Mit „The Reach Of Me“ findet „True View“ einen gebührenden Abschluss, der uns mit dem Gefühl von „Ich schaffe das“ hinterlässt.

Alles in allem ist die Scheibe eine gelungene Sache. Sie funktioniert vom Aufbau der Lieder, lässt Hardcore Herzen höher Schlagen und gibt uns ein gestärktes Selbstvertrauen mit auf den Weg. Die Lieder sind musikalisch stark und unterstützen die Gesangsrange von Jesse. Obwohl sie keine grossen Experimente wagen, scheint das Album keineswegs wie eine Wiederholung, sondern durchaus eine Weiterentwicklung. Wer STYG vorher schon mochte, wird auch dieses Album mögen. Wer sie vorher nicht hören konnte, wird auch hier nicht schlauer werden. Was die Herren hier abliefern ist ein richtiges Brett, ein solides Album, das sich ohne wenn und aber in ihre Diskografie einreihen kann und auch nicht so schnell vergessen wird. Das Album wird von einem übergreifenden Konzept, dem Selbst, getragen. Und je länger man zuhört, desto mehr kann man aus der Auseinandersetzung der Band, mit sich selber, lernen und auf sich selbst übertragen. Und eine kleine Anmerkung zum Schluss: Wie genial ist es eigentlich, dass sie für jeden Song eine kleine Illustration auf dem Cover eingebaut haben?

Das Album erscheint am 13.10.17 via Pure Noise Records.

  1. 3 Feet From Peace
  2. The Sun, The Moon, The Truth: “Penance of Self”
  3. Married To The Noise
  4. Delinelle
  5. Cave Canem
  6. 56
  7. The Inner Authority: “Realization Of Self”
  8. You Are Free
  9. Doomed By You
  10. The Better Days Before Me
  11. Owed Nothing
  12. Through The Chain Link
  13. The Reach For Me: “Forgiveness Of Self”