Album-Review: Flash Forward – „Revolt“

Eine alte Musikerweisheit besagt, dass das dritte Album das schwierigste sein soll. Und so war es auch mit „Who We Are“ (2016), dem dritten Album der Alternative Rockband Flash Forward, welches gemäss eigener Aussage ihren Ansprüchen und den Erwartungen der Fans nicht gerecht wurde. Doch wie weiter?

“Alles auf Anders!” lautet die Antwort der drei Jungs, die bereits seit 2010 zusammen Musik machen. Mit dem vierten Album „Revolt“ will die Band aus dem Ruhrgebiet ihren amerikanischen Vorbildern (The Used und Konsorten) die Stirn bieten. Mit ins Boot geholt wurde der Produzent Flo Nowak, der u.a. auch schon für Itchy und Emil Bulls produziert hat.

Und tatsächlich beamt mich die Qualität der Produktion auf Anhieb an die amerikanische Westküste. Das Album startet mit einem Riffrock-Gewitter, das sich in einen eingängigen Refrain ergiesst. Der Song “Heart of Gold” gibt damit auch gleich die allgemeine Marschrichtung der Platte vor. Kreative, abwechslungsreiche Strophen und tighte Gitarrenriffs wechseln sich ab mit melodiösen, eingängigen Refrains.

Der vierte Song “Perfectionist” wird zugleich die erste Singleauskoppelung aus “Revolt”. Und was für eine! Ich höre Einflüsse von Muse und, Achtung, jetzt kommt’s: Michael Jackson. Wer’s nicht glaubt, muss hören. Da ist Flash Forward in Zusammenarbeit mit der Trancecore Band To The Rats And Wolfes ein kleines Meisterwerk gelungen!

Gleich im Anschluss folgt mit „Lion“ ein Bruch im bisherigen Konzept. Ein Emo-Rock-Epos, welches sich kontinuierlich steigert und unter die Haut geht. Die klare Stimme von Sänger und Gitarrist Stefan Weigel kommt hier sehr schön zur Geltung. Die folgenden drei Songs “Chains”, “Kickstart” und “Dramatic” sind solide Rocksongs, welche die anfangs erwähnte Marschrichtung wieder aufnehmen.

Gegen Ende des Songs “Payback” geht’s mit den Gastmusikern der Post-Hardcore-Band 8Kids etwas aggressiver ans Werk. Die aufgeheizte Stimmung wird dann aber mit dem eher poppigen Song “One Way Track” gleich wieder abgekühlt. Ein sehr gelungener Kontrast. Der Refrain von “Old Enough” versprüht dann noch ein bisschen Foo Fighters-Flair, bevor das Album in schon beinahe gewohnter Flash Forward-Manier mit dem Song “Recovering” endet.

„Revolt“ bietet zwölf energiegeladene Songs, die ohne Umwege ins Ohr gehen. Für meinen persönlichen Geschmack geht das aber schon etwas zu geschmeidig. Gerne hätte ich noch einen Ticken mehr Mut zur Kreativität in den Refrains und den Songstrukturen gehört. In Songs wie „Perfectionist“ oder „Lion“ beweist das Trio, dass es dazu durchaus fähig ist.

Alles in allem ein sehr spannendes, modern produziertes Rockalbum, das mit hoher Wahrscheinlichkeit einem breiten Publikum gefallen wird. Ob die Band damit ihren eigenen, hohen Ansprüchen gerecht wird, würde ich sie gerne fragen, wenn sie – hoffentlich bald – mal in der Schweiz spielen.

Wer nebst der CD noch einen originalen Flash Forward-Jutebeutel erwerben möchte kann das hier tun.

Text: Pesche Burckhardt

VÖ: 24.11.2017 / Uncle M Music

Heart Of Gold
Deadline
Paralyzed
Perfectionist (feat. To The Rats And Wolves)
Lion
Chains
Kickstart
Dramatic
Payback (feat. 8Kids)
One Way Track
Old Enough
Recovering