Review: Todesdisko – „Todestape II“

Ganz einfach Todestape II (VÖ: 17.11.) benannt, macht der zweite Release der Züriberner Todesdisko auch musikalisch weiter, wo das Todestape vor bald einem Jahr gestartet hat: Heimweh-Punkrock auf Mundart, Melancholie, Mitt-Zwanziger „Was mach ich eich mit mim Läbe?“-Gefühle in melodisch-chratzigi Punkakkorde getaucht. Immer ganz pathetisch authentisch, aber immer auch ganz charmant.

Ja eben, kein aufgeblasenes Schwarzromantik Industrial Projekt verbirgt sich hinter dem Namen, sondern ärmelhochkrempel-Punk mit Pop-Appeal und Bart. Die Songs bewegen sich alle im selben Gebiet, die Gitarre schrummelt ihre Akkorde, die Drums chlöpfen zimli und die Stimme erzählt rauh von schlechten Tagen, von guten Nächten, die nur dazu da sind, sich von ersteren ablenken zu lassen, Verlorenheit und anderen schönen Dingen, aus denen das Leben scheinbar besteht, wenn man näher an der 30 als an der 20 ist.  Immer mal wieder blitzt dann aber schon noch Hoffnung auf, dass da doch etwas dran ist, ist am Leben, und für diese Momente lohnt sich auch all der Bullshit.

Für mich dürft’s ruhig mal noch ein bisschen mehr räbble, aber in die Falle vom „hey, isch ja eifach Mundartpop“ geraten Todesdisko dann doch nicht, zu sehr atmet das Todestape II noch die Luft von Übungsraum, DIY und Dosenbier anstelle von schickem Studio, Producer und Gin Tonic. Aber Achtung: Ohrwürmer, grosse Melodiebögen und Mitsingchörli können Todesdisko eben schon guet.

Wenn Du ein Album suchst, das Dich so richtig den Herbstblues und die Winterdepression fühlen lassen kann, diese aber schon so ein bisschen in Perspektive stellt, ein Album, das Du am Morgen nach der langen Nacht mit Wehmutstränen in den Augen hören kannst, dann ist das Todestape II genau Dein Ding.

Live funktioniert das Ganze natürlich (also, ich nehm’s mal an) auch super, darum wird die EP am 18.11. im Minirock in Zürich getauft, wahrscheinlich mit ganz viel Schweiss, Pogo und Anker.

1.  Kes Morn
2. Asphaut Erwache
3. Ertränke (feat. Kevin Berner)
4. Geischterstadt
5. Fucking Depression