28.11.2017 – Die Toten Hosen in der St. Jakobshalle Basel

Die Toten Hosen luden bereits zum zweiten Mal in diesem Monat zu einem Punk-Rock-Treffen in die Schweiz, nach dem ausverkauften Konzert im Hallenstadion, nun also etwas mehr als zwei Wochen später in die Basler St. Jakobshalle. Erneut war das Konzert ausverkauft, unter die Punk-Rock-Fans mischten sich aber auch einige gewöhnliche Radiohörer. Woran man die erkannte? Bei ansonsten fast kompletter Regungslosigkeit sprangen sie bei “Tage wie diese” und “Wannsee” plötzlich unentwegt auf und ab.

Es ist keine neue Erkenntnis mehr, dass Die Toten Hosen mit ihrer Musik Massen ansprechen und sich nicht auf Punk-Rock beschränken. Diese alte Diskussion soll hier deswegen gar nicht erneut aufgenommen werden. Fakt ist: Die Düsseldorfer verstehen es, ein über zweistündiges Konzert mit enormer Energie zu versehen und das Publikum mitzureissen. Basel St. Jakob ist sich ja an lautes Publikum gewöhnt (die Heimspielstätte des FCB liegt direkt über die Strasse), es dürfte aber wohl höchstens an Meisterfeiern eine Lautstärke erreicht werden, wie sie das Publikum der Toten Hosen selbst an einem Dienstag erzeugte. Lieder wie “Auswärtsspiel” (bereits als zweiter Song des Konzertes), “Bonnie & Clyde” und “Wünsch Dir was” brachten wohl sogar manche(n) Erkältete(n) dazu, die Stimmbänder zu beanspruchen. Unter den ungefähr dreissig gespielten Liedern befanden sich viele vom neuen Album, die teilweise ganz gut ankamen, aber auch einige alte und unerwartete Perlen wie “Reisefieber”, “Wort zum Sonntag”, “Schrei nach Liebe” (original von Die Ärzte) oder “Die Moorsoldaten” (ein von deutschen KZ-Häftlingen geschriebenes Lied). Es herrschte also nicht durchgehend Party- und Wohlfühlstimmung, die Hosen schreiben und interpretieren auch nachdenkliche und emotionale Musik. Die für einige Lieder beigezogenen Streicher untermalten die Stimmung beispielsweise von “Nur zu Besuch” perfekt.

Etwas überflüssig hingegen schien der riesige Konfettiregen  zu “Tage wie diese”, der dann aber halt auch die oben erwähnten Radiohörer wohl glücklich gemacht hat. Nicht in deren Bild passten vermutlich die paar politischen Aussagen, mit denen Sänger Campino aufwartete. Diese sind aber (noch immer!) ein wichtiger Teil des Selbstverständnisses der Band und wiederspiegeln sich ja auch in den Liedtexten. Erschreckend aber, wie viele BesucherInnen mit den Aussagen offenbar nichts anfangen konnten. Wer nach einer Anti-AfD-Ansage oder “Sascha…ein aufrechter Deutscher” nicht klatscht, hat an einem Hosen-Konzert nichts verloren!

Eröffnet wurde der Abend übrigens von der britischen Punk-Band The Adicts, die seit 1975 existiert und zwar nicht wirklich für solch riesige Bühnen gemacht zu sein schien, aber ein bisschen echte Punk-Attitüde nach Basel brachte und bei “Viva la Revolution” zusammen mit Campino doch bereits ein wenig einzuheizen vermochte.

Foto: Facebook-Seite Die Toten Hosen