30.11.2017 – So waren Comeback Kid im Kiff

Es gibt doch diese Bands, die allen Tränen der Nostalgie in die Augen schiessen lassen, und die man noch so abfeiert, auch wenn man mittlerweile vielleicht komplett andere Musik hört. Dazu gehören mit Sicherheit auch die Hardcore-Legenden Comeback Kid aus Kanada, die letzten Donnerstag, 30.11.2017, im Kiff gastierten.

Früh und beinahe pünktlich legt aber zuerst die UK-HC Truppe Higher Power vor einem Hufeisen los und motiviert auch schon zu ersten Tanzbewegungen. So richtig Stimmung will aber nicht aufkommen, zu wenig drückt das Ganze und zu gleichförmig sind auch die Songs der Band, trotz (oder gerade wegen) der eher gewöhnungsbedürftigen Stimme — kombiniert mit einer Leopardenmuster-Bleichfrisur schon eher Geschmackssache.

Danach wird’s ganz schnell ganz hässig, bei Knocked Loose hauen sich die Leute, kaum erklingen die ersten glockenhellen Engelstöne. Das sind auch ein bisschen die zwei Probleme: Was auf der Platte sensationell heavy und druckvoll ist, verschwimmt irgendwie live oftmals zu einem Stumpfen Brei aus tiefen Gitarren, die irgendwelche langsamen Töne von sich geben. Zusätzlich dazu ist das so eine Sache, klar, es sieht schon gut aus, wenn Bewegung im Publikum ist und gegen Stagedives und sochli Side-To-Side ist nichts einzuwenden. Aber wenn Leute da sind, deren primäres Ziel ist, irgendjemandem, der grad nicht daran teilnehmend ist, die Zähne einzuschlagen, geht für mich schon ein bisschen der Spass verloren. Wahrscheinlich bin ich einfach nicht genug cool…

Nachdem dann der Grossteil der den Pit beherrschenden brutalen Jungs das Kiff verlassen hat — wieso soll ich mir auch eine Band anschauen, bei der ich nicht einfach draufhauen darf? —, legen schliesslich Comeback Kid los. Und jetzt ist plötzlich aus diesem Spass für einige wenige ein Fest für alle geworden, man sieht glückliche Gesichter im ganzen Publikum und fröhliches Getanze und Gepoge. Dass man auch abgehen kann ohne jemanden zu verletzen, zeigen die Breakdowns; dass aber eine Show auch aus mehr besteht, beweist die Band mit wunderbaren Singalongs und sympathischen Ansagen — Stichwort Gastfreundschaft der Venue, Dankbarkeit. Egal, ob neue oder alte Songs, das Publikum nimmt dankend auf, schreit mit, springt von der Bühne und tanzt sich die Sorgen und Seelen aus dem Leib. Leider, leider ist es dann viel zu schnell ohne jegliche Vorwarnung auch schon wieder vorbei — das mit den Zugaben wäre schon noch was Schönes, das man mal wieder einführen könnte.