Album Review: Dirty Sound Magnet – “Western Lies”

Man muss wirklich nicht Iron Man sein, um von Dirty Sound Magnet angezogen zu werden. Nadine hat bereits über die spannende Geschichte der Band berichtet und euch erklärt, weshalb die Fribourger demnächst die Weltherrschaft an sich reissen werden. Natürlich auch – aber nicht nur – weil wir sie im November zu unserer Band des Monats gekürt hatten. Jedenfalls können wir uns nicht mehr von den drei Jungs los reissen. Um herauszufinden, weshalb das so ist, hörte ich mir ihr neues Album Western Lies etwas genauer an.

Neben der Tatsache, dass hier drei begnadete, perfekt aufeinander eingespielte Musiker am Werk sind, ist es auch die Herangehensweise, die aus “Western Lies” etwas Besonderes macht. Anstatt sich in ein steriles Aufnahmestudio zu begeben, hat sich das Trio, fernab von aller Ablenkung, selbst ein Studio eingerichtet, um dort zu experimentieren und Aufnahmen zu machen. Das Resultat klingt dann wie – Zitat meiner Freundin: “Wenn Jim Morrison Ozzy Osbourne gefressen hätte und sie danach zu Kasabian tanzen würden”. Dieser Satz klingt zwar unlogisch, aber passt vielleicht genau deswegen perfekt. “Western Lies” ist nämlich so einzigartig, dass es schwer ist, das Gehörte in Worte zu fassen. Irgendwie gewohnt, aber trotzdem ungewohnt. Retro, aber doch modern. Hä? Ja, eben… die Band nennt das Ganze “Mystic Rock” oder “Creative Rock”.

Das Album fühlt sich an, als würde man auf einem bierverkrusteten Bandraumsofa sitzen und den Jungs beim Jamen zuhören. Eine Dynamik und Direktheit, die ich bei vielen modernen Produktionen vermisse. Spätestens nach dem fast elfminütigen Psychedelic-Rock Trip “Ecstasy of God” ist mir dann klar, warum die Band vor allem 60er- und 70er-Jahre-Rockgötter wie Led Zeppelin oder Black Sabbath als musikalische Einflüsse nennt. Trotzdem finde ich bei Songs wie dem treibenden “Homo Economicus” oder “Merry People”, das mich irgendwie an Blur erinnert, auch modernere Elemente. Zusätzlich werfen die Jungs noch Folk und Ethnoklänge in den Topf. Diese leckere Soundsuppe wird dann mit aktuellen, gesellschaftskritischen Inhalten abgeschmeckt.

Die Gesangsfetischisten unter euch könnten vielleicht etwas enttäuscht werden. Da wird halt auch mal an sämtlichen Harmonien vorbeigejohlt und geschrien. Das muss man mögen. Meiner Meinung nach passt dieser trashige Gesang aber perfekt zum Sound und verleiht ihm sogar noch mehr Eigenständigkeit.

Dirty Sound Magnet interessieren sich nicht für unsere Hörgewohnheiten und zeigen uns eindrücklich, dass es auch heute noch möglich ist, ohne fette Produktion, alleine mit Kreativität und einer Message, verpackt in ehrlicher Musik, zu begeistern. Meinen allergrössten Respekt dafür!

Live und in psychedelischen Farben könnt ihr die Band zum Beispiel am 16.12.17 in Genf, oder am 12.01.18 in Düdingen geniessen. Mehr Infos zu ihrer grossen Europatour findet ihr auf ihrer Website.

Label/Vertrieb: Noisolution

1. The Sophisticated Dark Ages (2007- Present)
2. Cash Cow Superstar
3. A Gutted Diva
4. Homo Economicus
5. The White Man’s Burden
6. Western Lie
7. Eastern Flood
8. My Dolly Bird
9. Ecstasy of God
10. And Then We Die
11. The Poet and His Prophet
12. Merry People