15.12.2017 – So waren Northlane (und ein Haufen anderer Bands) im Dynamo

Ganz ehrlich: Obwohl Northlane für einige Zeit eine meiner Non-Plus-Ultra-Bands waren, habe ich mich weder mit „Node“ geschweige denn mit „Mesmer“ so richtig auseinander gesetzt. Live hat die Band aber noch immer zu überzeugen vermocht, darum ist mensch dann am 15.12.2017 auch gerne wieder ins Dynamo gepilgert, insbesondere da auch ein Supportprogramm der Extraklasse zu erwarten war.

Wider erwarten im Werk21 anstatt im Saal eröffneten Ocean Grove den Abend vor noch ziemlich spärlich vorhandenen Zuschauern. Mag es am Regen gelegen haben oder daran, dass die Landsmänner von Northlane stilistisch durchaus als Aussenseiter zu betrachten waren? Man weiss es nicht. An der Performance der Band hätte es auf alle Fälle nicht gelegen, da war extrem viel Energie und Spielfreude da. Und der Sound — irgendwo zwischen Nu-Metal, Hardcore und modernem Metalcore — muss sich auch nirgends verstecken; eine Band, die noch von sich hören lassen wird, wurde doch dieses Jahr erst das komplett DIY aufgenommene Debütalbum veröffentlicht.

Danach standen die Amis von Invent:Animate im Keller ganz vorne und im Raum wurde es doch schon einiges voller. Zwar schien zuerst noch ein bisschen mit angezogener Handbremse gestartet worden zu sein, doch sehr schnell hat man auch hier alles gezeigt. Technisch top, heavy, viel zu kritisieren gibt’s nicht. Einzig schade ist, dass die zweite Gitarre vom Band kam — gerade, wenn da so schöne Läufe und Riffs gehört werden, macht es doch auch immer Freude, diesen Fingern zuzusehen.

Oh, und Rant-Time: Was daran lustig sein soll, wenn man der Band über das halbe Set Buhrufe und den Mittelfinger entgegenbringt, dann aber beleidigt zu diskutieren beginnt, wenn jemand anderes sich daran stört und um Unterlassung bittet, und anschliessend deswegen das Konzert verlässt (!!) erschliesst sich mir nicht so ganz. Aber tja, wenigstens hatten wir anderen dann unsere Ruhe. Abgesehen vom einen Typen, der das Gefühl hatte, vapen im Konzertraum sei schon voll geil, ist ja kein Rauch oder so. Ich weiss auch nicht, können wir uns nicht alle ganz schnell darauf einigen, dass vapen insbesondere an Indoor-Konzerten scheisse ist?

Aber hey, weiter mit Erra, denn die liessen einen diese negativen Vorfälle mit einem Auftritt der Superlative gleich wieder vergessen. Da passte einfach alles; ausser mit grossen Augen und Ohren zuzusehen und -hören, was da für technisch perfekte Riffs abgeliefert wurden, konnte man nicht viel tun. Auch der Keller war mittlerweile voll und das Publikum schrie die Songs mit, es gab Getanze und einfach ganz viel Gestaune. Okay, mich hat nach einer Weile die hohe Cleanstimme des Gitarristen — obwohl auch hier nichts auszusetzen wäre — gestört, aber ist halt Geschmackssache.

Können da Northlane noch einen drauflegen? Das Publikum denkt ja und steht vom ersten Ton an Kopf, wildes Geschubse bricht aus und auch einige Crowdsurfer machen sich auf ihre Reise über die Köpfe der Menschen. Die Band selber — allen voran Sänger Marcus Bridge — legt eine Spielfreude an den Tag, als ob dies nicht beinahe das Ende einer dreiwöchigen Tour wäre, sondern als habe man nun den einen speziellen Gig — abgesehen von den komischen Masken, die die Hälfte der Band trägt und die mich immer noch irritieren. Von dem her alles super? Eigentlich schon, auch wenn man zugeben muss, dass die „alten“ Songs, allen voran das frenetisch bejubelte „Dispossession“, immer noch am meisten ziehen.