Album Review: Coal & Crayon – “KYRA”

Coal & Crayon ist eine Art Rock/Post Metal Band von der Ostseeinsel Rügen. Ja, das ist dort, wo die Müllers im Sommer amigs ihren FKK Urlaub verbringen. 77’000 Rüganer gibt es gemäss Wikipedia und fünf davon schifften aufs Festland rüber, um ihr zweites Album “KYRA” aufzunehmen.

Die Jungs schreiben, dass die Band erwachsen geworden sei und sie möchten nun von uns wissen, ob das auf dem Album zu hören ist. Um das beurteilen zu können, habe ich mir auch ihr Debüt-Album “World Asleep” zu Gemüte geführt, denn obwohl Coal & Crayon unter anderem bereits im Vorprogramm von The Ocean gespielt haben, kannte ich die Band vorher nicht. Insgesamt klingt ihr neues Werk ruhiger, aufgeräumter und vielseitiger als der Erstling, der aber durchaus auch hörenswert ist. Somit darf ich der Band bestätigen, dass eine Entwicklung spür- bzw. hörbar ist.

Was auffällt, ist der Konzeptaufbau des Albums, welches in die vier Teile “Klea”, “Yves”, “Rada” und “Ayla” aufgeteilt ist. Eine interessante Idee. Leider gibt es aber musikalisch zwischen diesen Kapiteln keine grossen Unterschiede. Bereits im ersten Song “Klea I: As We Grow Up” zeigen Coal & Crayon, wie gross ihre musikalische Bandbreite ist. Mit viel Hall und Delay auf den cleanen Gitarren, einem warmen Bass und verträumten Vocals schaffen sie eine wohlige Atmosphäre. Der Song steigert sich und kombiniert die nachdenkliche Stimmung mit Screams in bester Cult of Luna-Manier. Am Schluss wird noch virtuos auf der Doublebass herumgekickt, bevor dieser progressive Soundknoten für den direkten Übergang in “Klea II: Again and Again” wieder gelöst wird.

Die musikalische Gangart ist zwar in den einzelnen Songs sehr vielschichtig und auf einem hohen Niveau, aber im Allgemeinen auch recht schleppend. Dieser gemächliche Songaufbau wiederholt sich für meinen Geschmack etwas zu oft, so dass ich leider immer wieder mit meinen Gedanken von der Musik abschweife. Ein paar knackige “In-Your-Face-Songs” mehr hätten sicher gut getan und mich wieder ins Hier und Jetzt geholt. Die druckvollen Gesangspassagen klingen sehr schön und die Screams sind energiegeladen und bringen die Emotionen gut rüber. Die Gesangslinien der softeren, cleanen Vocals finde ich dagegen teilweise etwas langweilig und auch an der englischen Aussprache dürfte noch etwas “gewörkt” werden.

Mit “KYRA” haben Coal & Crayon auf jeden Fall bewiesen, dass sie ihr Handwerk verstehen und sie haben ein wirklich tolles, atmosphärisches Album abgeliefert. Die Band muss sich aber auch bewusst sein, dass sie zusammen mit bunten Fischen wie The Ocean, Opeth oder Porcupine Tree im Art-Rock-Post-Metal-Prog-Teich schwimmt. Sozusagen der Koy-Teich der Musik, für den sich vorwiegend pingelige Musiker und Musiknerds interessieren. Um hier aufzufallen und bewundert zu werden, müssen die fünf Insulaner meiner Meinung nach noch etwas wachsen und an Wiedererkennungswert gewinnen. Die Band ist aber definitiv auf dem richtigen Kurs und ich werde in Zukunft öfter mal nach Rügen blicken. Nein, nicht (nur) wegen den FKK Stränden, sondern weil ich gespannt bin, wie sich Coal & Crayon weiterentwickeln werden.

Aufgenommen wurde das Album von Jan Oberg (Schlagzeug im Hidden Planet Studio Berlin), Patrick Hinz (Gitarren in seinem Home Studio Rostock) und Siegmar Pohl (Gesang im Dying Lizard Studio Hamburg). Gemixt von Siegmar Pohl. Gemastered von Philipp Welsing (Original Mastering Hamburg).

VÖ: 24.11.2017 / Sportklub Rotter Damm

1. Klea:I. As We Grow Up
2. Klea:II. Again & Again
3. Klea:III. In A Self Complacent Time
4. Klea:IV: With Different Faces
5. Yves:I. We’ve Felt Safe
6. Yves:II. But Locked Up In Circles
7. Yves:III. From The Beginning
8. Yves:IV. Until We Failed
9. Rada:I. Death Created
10. Rada:II. Time
11. Rada:III. Every Year In A Minute
12. Rada:IV. We’re Just Transient
13. Ayla:I. All Rumors
14. Ayla:II. About The Abyss
15. Ayla:III. Are True
16. Ayla:IV. But We Don’t Want To Imagine