Metronomy im Fri-Son

Arpeggios, Schellenkranz und Funiculaire

Wir sind gerade von einer gepflegten Skiwoche im Berner Oberland zurück. Mit blauen Flecken und etwas verkatert ruhen wir uns zu Hause aus, räumen die Skisachen und Gepäck aus dem Auto, damit wir wieder vier Plätze frei haben, um nach Fribourg zu fahren.

Auf dem Plan steht Metronomy im Fri-Son. Die Elektropop-Band aus England existiert bereits über 15 Jahre. Sie sind mit ihrem vierten Long-Player ‘Love Letters’, welches vor einem Jahr erschien, durch Europa unterwegs – wir sind noch unterwegs auf der Suche nach einem Parkplatz während die Vorband ‘Robbing Millions’ aus Belgien die Leute anheizt.

Das Konzert ist ausverkauft und zum ersten mal erlebe ich ein Konzert in der grossen Halle im Fri-Son. Die mobilen Wände müssen raus, damit die gut 1000 Gäste Platz haben. Trotzdem ist es etwas eng im Fri-Son. Und die Konzertgänger drängen sich noch weiter in den Saal als die ersten Töne des Sets erklingen.

Das erste Highlight im Set ist das als Single ausgekoppelte ‘Love Letters’, welches dem neuen Album auch den Namen gibt. Der Four-to-the-Floor-Beat und der repetitive Refrain zieht das Publikum an. Zum ersten Mal an diesem Abend tanzen und singen die Leute mit.

Die Pop-Songs von Metronomy werden von gefälligen Synthie-Arpeggios untermalt. Diese lenken erfolgreich von der einfachen Komposition ab. Zeitweise erinnert die Instrumentalisierung mit sphärischen Synthesizern bei den langsameren Liedern an Pink Floyd.

Sehr früh im Set bringen die fünf Musiker den Überhit ‘The Look’. Die Band glaubt so sehr an die Qualität ihrer neuen Songs, dass sie den ‘The Look’ schon früh verbraten. Das finde ich gut. Die Konzertbesucher freuen sich und tanzen, wo es Platz hat.

Metronomy Review 2

Sympathisch am Live-Auftritt der Band sind mehrere Faktoren.
Nummer eins: Alle in der Band singen mit; auch wenn niemand eine herausragend gute Stimme hat. Das gilt auch für den Lead-Sänger Joseph Mount. So ist niemand in der Band besonders exponiert. Die Songs stehen klar im Vordergrund.
Zweiter Faktor: Die Band hat stellenweise Choreographien einstudiert. Dabei wirken die Künstler kindlich stolz auf ihre einfachen Lieder und Melodien.
Dritter und wichtigster Faktor: Fast jedes Lied hat eine andere Instrumentalisierung und deswegen wechseln sich die Bandmitglieder an den Instrumenten ab. Die Schlagzeugerin oder der Bassist unterstützen am Keyboard. Einer der zwei Keyboarder spielt hier und da ein Gitarren-Solo. Der andere Keyboarder überzeugt bei einer enthusiastischen Schellenkranz-Performance. Es wirkt abwechslungsreich: Ein elektronisch angehauchtes Stück kommt komplett ohne Gesang aus – bei einem anderen steht Joseph Mount alleine mit der Gitarre auf der Bühne. Sehr cool.

Im knapp zweistündigen Set kommt keine Langeweile auf. Trotz allem schafft Metronomy es nicht die Stimmung im Saal konstant hoch zu halten und die Leute im Fri-Son mitzureissen. Während den ruhigeren, weniger elektronischen Songs hört man die Besucher schwatzen. Bei einigen Besuchern ist anzumerken, dass nicht die Band wichtig ist, sondern eher die tanzbaren Elektropop-Songs. Der Frontmann kann auch kaum eine Reaktion provozieren, wenn er begeistert von der Fahrt im Funiculaire in Fribourg erzählt, oder die Leute auffordert etwas lauter zu sein als am Tag davor (im Xtra). Es sei schliesslich Freitag und damit Wochenende.

Note: 6/10

Text: Marko Bublic