Album Review: Bombers – “M\W”

Unter dem Namen Bombers präsentieren uns die Herren Christian Pahud, Michel Blanc und Mark Blakebrough aus Lausanne ihr neustes Projekt. Der Beschrieb von ihrem Debütalbum “M\W” beginnt mit den Worten: “Willkommen im Jahr 3000”. Mit einer Mischung aus Prog Rock, Pop, Techno und ganz viel Synthesizer wollen sie uns auf die Reise zu einem ausserirdischen Nachtclub schicken. Für gitarrenabhängige Rockmusik-Puristen mag das abschreckend klingen und ich selbst war deshalb auch eher skeptisch. Trotzdem habe ich reingehört und Leute, wenn die Zukunft so klingt, bin ich bereit zum Abheben. Deshalb mache ich hier mal einen auf Zeuge Yodas und versuche, euch mit dieser Review zu bekehren. Lohnen es tut sich! 

Geschickt eingefädelt beginnt das Album mit einem leisen, elektronischen Intro, auf das später ein dröhnender Endzeitstimmungssynthesizer gelegt wird. Bevor die Drum-Fills – deshalb wahrscheinlich der Name “Fills Call In” – einsetzen, habe ich den Lautstärkeregler bereits nach oben geschraubt und die Soundwand katapultiert mich auf direktem Weg in die Stratosphäre. Danach lädt mich der leicht melancholische Indie-Pop-Song “M\W” ein, gemütlich in der Erdumlaufbahn herum zu dümpeln.

“L’hippocampe” entführt mich in eine 80er-Jahre Spielhalle auf eine Runde Space Invaders, während draussen echte Aliens die Erde zerstören. Auf diese düstere, apokalyptische Szene, die mit über sieben Minuten für meinen Geschmack etwas zu lange dauert, folgt der krasse Kontrast in Form des locker-flockigen Songs “Overblowing”. Würden die Beatles heute noch zusammen Musik machen, könnte das so ähnlich klingen.

Dieses Wechselspiel zwischen instrumentaler Elektro-Prog-Orgie und kreativem Indie-Pop-Song zieht sich bis zum achten und letzten Stück “Take Your Time” durch, welches sich nach heroischer Siegeshymne anhört.

In meinem Kopfkino-Film hat die Menschheit also überlebt und ich habe bei diesem Trip etwas Seltenes erlebt: Ich wurde von elektronischer Musik unterhalten und hatte Spass daran, immer wieder von neuen, schrägen Synthesizer-Klängen überrascht zu werden. Mein konservatives Musik-Gewissen meint, es läge wahrscheinlich daran, dass die Bombers die synthetischen Klänge mit echten Instrumenten kombinieren. Allen voran dem Schlagzeug, welches sehr roh belassen wurde. Aus dieser Mischung ergibt sich ein sehr eigenständiger, innovativer Sound, der bis zum Schluss abwechslungsreich bleibt und sich wunderbar vom gewohnten Einheitsbrei abhebt.

Vier Jahre dauerte der Entstehungsprozess zum Album “M\W”, das komplett in Eigenregie aufgenommen wurde. Abgemischt wurden die Aufnahmen von Jeremy Conne (Rosqo, Toboggan) und Christian Pahud.

VÖ: Vitesse Records – 12.01.2018

1. Fills Call In
2. M\W
3. L’hippocampe
4. Overblowing Conversations
5. Good Colors, Bad Shapes
6. Overtones
7. Sarcophage
8. Take Your Time