20.01.2018 – Die Antilopen Gang rockt das Kiff

Metalhead auf Abwegen. Oder Vera und die Antilopen Gang. Das wäre der passende Titel für letzten Samstag. Wenn ihr fleissig meine Vorstellungsrunde gelesen habt, wisst ihr, dass ich ein Herz für gut geschriebenen Deutschrap habe. Und wenn wir ehrlich sind: Die Antilopen Gang macht zwar Rap, ist aber in Wirklichkeit eine Punkband. Punkt. Darüber lass ich nicht mit mir diskutieren. Auf jeden Fall war es am Samstag endlich soweit: Ich konnte die Antilopen in echt bestaunen. Natürlich hatte ich mich drei Tage zuvor richtig erkältet – nicht das erste Mal in diesem Winter – und war irgendwie nicht ganz beisammen. Das hielt mich natürlich nicht davon ab, ins Kiff zu pilgern.

Im Kiff angekommen, entledigten wir uns erst einmal unserer schweren und durchnässten Winterjacken. Im Obergeschoss stellten wir fest, dass noch gar nicht so viele Leute da waren. Ich hätte bei den Antilopen schon ein ziemlich volles Haus erwartet. Aber das störte mich nicht wirklich, denn auf ein grosses Gedränge hatte ich in diesem Moment wirklich keine Lust. Auf der Bühne stand schon Veedel Katzro. Den Namen hatte ich zuvor noch nie gehört und die Musik werde ich wohl auch nicht mehr hören. Nicht, dass es nicht gut war. Im Gegenteil: Die Texte schienen eigentlich noch okay. Aber es gibt zwei Dinge, die mir musikalisch nicht passen: Trap und Autotune. Und von beidem war mir leider ein bisschen zu viel dabei. Zwischendurch gefiel mir das ein oder andere Lied, aber es war wirklich so fifty-fifty.

Bei der Antilopen Gang wollte ich ein bisschen weiter vorne stehen. Wie gewohnt, an der Seite der Bühne, damit ich nicht krank in einem Moshpit ende. Spoiler: den Moshpit gab’s dann tatsächlich. Aber von vorne. Danger Dan begann das Konzert alleine am Keyboard, Panik Panzer und Koljah traten während des ersten Songs nacheinander auf die Bühne. Mit DJ im Hintergrund ging’s dann richtig rund. Das Publikum, immer noch im überschaubaren Rahmen, fühlte die Musik. Nach den ersten paar Liedern wurden die grossen Wände, welche das Bühnenbild bildeten, zur Seite geschoben und siehe da: Dahinter versteckte sich eine ganze, echte Band. Schlagzeug, Gitarre und Bass. Und spätesten da fingen die ersten paar Nasen an zu moshen. Darauf waren einige wohl nicht vorbereitet, denn die Antilopen mussten den Besuchern erklären, dass man in der ersten Reihe am besten den Fuss auf die Bühne stellt, um die moshende Masse zurück drücken zu können. Und sich nicht nach vorne beugt, um sich die Schuhe zu binden. Das Publikum feierte danach ohne grössere Schadensklagen weiter. Inklusive Stagedives und – ein wenig unbeholfenem – Moshpit. Das Set war eine gute Mischung aus altbekannten Songs in Liveband-Gewand und Songs, die ich teilweise nicht kannte. Aber die Herren haben schliesslich alle noch eigene Projekte, welche auch bei dieser Show Platz haben sollten. Alles in allem war das Konzert schön abgestimmt, die Antilopen waren – abgesehen von Gefühlen über die Schweizer Grenze und ihren Zollabgaben und dem deswegen nicht vorhandenem Merch – sehr gut gelaunt und das Publikum feierte jede Sekunde.

Wir gingen kurz vor Ende wieder nach Hause, weil wir sonst nur langsame ÖV-Verbindungen nach Luzern gehabt hätten und ich krank nicht noch in der Kälte rumstehen wollte. Ein ausgiebiges Konzert der Antilopen Gang in einem guten Gesundheitszustand steht bei mir jetzt trotzdem noch auf der To-Do-Liste. Dafür weiss ich, dass es sich auf jeden Fall lohnt, die Herren anhören zu gehen. Und anschauen zu gehen. Let’s be honest: Jeder ist irgendwie ein bisschen verliebt in Danger Dan. Nicht wahr?

Foto: Max Langelott