Album Review: Great Collapse – Neither Washington Nor Moscow…Again!

Etwas positive Hässigkeit gefällig? Politischer Punk mit gescheiten Lyrics? Melodie und nach vorne drängender Groove? Great Collapse aus Amilanden haben genau das auf ihrem neuen Album „Neither Washington Nor Moscow…Again“ (VÖ am 26.01.2018 via End Hits Records) festgehalten und in 11 Songs verpackt.

„Supergroup“ und so, wird eh immer ein bisschen kritischer betrachtet als „die normale Band“, aber bei der Band um Thomas Barnett von Strike Anywhere und aktive bzw. ehemalige Mitglieder von Rise Against, Nations Afire und mehr ist die Sorge eher unbegründet. Erstens hat sich die Truppe längst als eigenständige „Marke“ etabliert, ohne nur als „ah, das sind doch die von …“ Musik zu machen, und zweitens sind halt auch die Songs nicht ein lahmes Selbstverwirklichungsprojekt oder halbgares Rumgejamme, sondern haben eben etwas zu sagen.

Ob es um Donald Trump geht, das Erstarken der neuen Rechten in den USA — ähnlich aber auch anwendbar auf die Schweiz bspw. —, ehrliche Selbstkritik und -Reflexion, Geschichtskittung und so weiter. Mensch ist weit entfernt von plumpen Slogans und (fast) inhaltsleeren Parolen (auch hier: fast), sondern betreibt intelligentes, durchdachtes Songschreiben, so dass es Spass macht (und zum Nachdenken anregt), die Lyrics zu lesen.

Natürlich geht’s auch musikalisch nicht weniger gepflegt zu und her; die Leute wissen halt, was sie tun. Melodic Punk/Hardcore scheint mir manchmal ein Genre, das sehr schnell in eine gewisse Beliebigkeit verfällt — immer die gleiche Art Strophen und Refrains, es werden ein paar Akkorde zusammengepuzzled und irgendwelche Melodien geträllert. Doch genau in dieses Muster verfallen Great Collapse hier nicht. Es werden unkonventionelle Akkordfolgen so verpackt, als wäre es das Einfachste der Welt. Es wird Ohrwurm an Ohrwurm herausgehauen und es wird vorallem erreicht, dass mensch das Album trotz einer durchaus vorhandenen Ähnlichkeit der Songs nicht in der Hälfte ausmacht und als „jaja, war schon noch nett, aber reicht jetzt auch“-Teil wieder vergisst.

Also: Du magst Melodic Punk/Hardcore: Wird dir eh gefallen. Du kannst nichts mit dieser Musik anfangen? Hör trotzdem rein, die Band hält durchaus die eine oder andere Überraschung bereit.

Tracklist:
A tale of two cities
Who makes
Atomic calendar
Meltdown!
An injury to one
Southern excorcism
Forest for the trees
Colony blackout
Pretty wreckage
Patient zero comes home
Escape velocity