Album Review: Tiny Moving Parts – “Swell”

Von Experimenten will das neue Album von Tiny Moving Parts nichts wissen. Auf „Swell“ werden wieder Elemente aus Emo, Math-Rock und (immer mehr) Pop Punk zusammengewürfelt und als kleine, energetische 3-Minuten-Häppchen serviert. Das kurzweilige Songwriting und die evidenten technischen Fähigkeiten des Trios aus Minnesota lassen immer noch locker eine Empfehlung zu, doch auch im vierten Anlauf gelingt kein auf ganzer Länge befriedigender Rundumschlag.

Auch wenn musikalische Nachbarn schnell zu finden sind, haben es Tiny Moving Parts durchaus geschafft, einen relativ unverwechselbaren Stil zu entwickeln. Dieser besteht zwar aus altbekannten Elementen, aber in genau dieser Zusammensetzung finden sie sich selten. Da sind die typischen, twinkligen Emo-Gitarren, aber auch die grossen, dem Pop Punk entnommenen Mitsing-Refrains sowie die sperrigen, mathigen Rhythmen. All dies, insbesondere der immer grösser werdenden Pop-Punk-Anteil, findet sich auch auf dem neuen Werk „Swell“, dessen Songs allesamt auch auf „Celebrate“ von 2016 hätten sein können. Mit „Celebrate“ teilt sich „Swell“ alles: Es sind beides gute, kurzweilige Alben. Beide haben einige Hits und einige schwache Songs, die auch nach zigfachem Hören nicht oder negativ in Erinnerung bleiben. Beide haben weder textlich, noch strukturell viel Tiefgang. Vom dem neusten Wurf seien hier drei Highlights erwähnt: Vorabsingle „Caution“ (eine Art Perfektion der Tiny-Moving-Parts-Formel), das pop-punkige, mit seinen Synths an The Get-Up Kids erinnernde „Smooth It Out“ und der Closer „Warm Hand Splash“, der mit einer langersehnten, ausgedehnten, ruhigen Passage inklusive Trompete aufwartet (hallo American Football).

Tiny Moving Parts schreiben ihren einen Song mit minimalen Variationen und sie schreiben ihn gut; und an manchen Tagen will man nichts anderes als zehn neue Varianten dieses Songs. Dann ergötzt man sich an der verspielten Griffbrettakrobatik, singt die Refrains lautstark mit und air-drummt sich durch die zahllosen Fills. All das bietet „Swell“. Was es nicht bietet, sind Überraschungen in irgendeiner Form. Nie wird die ich-bin-traurig-aber-irgendwie-ist-auch-alles-gut-Stimmung aufgebrochen, selten wird einem ruhigeren Teil mehr als einige Sekunden Zeit gegeben, und genauso selten erheben sich die darauffolgenden lauteren Teile zu etwas wirklich Explosivem. Ab und zu gesellen sich einige Tasten, Streicher oder weibliche Gesangsharmonien zur Standardinstrumentierung, um etwas Abwechslung ins Spiel zu bringen. Wird aber der Trick des Männlein-Weiblein-Duetts im ruhigen Zwischenteil von nicht weniger als der Hälfte der Songs angewendet, verpufft dessen Effekt noch bevor er irgendeine emotionale Reaktion hervorruft.

Bands müssen und können sich nicht immer neu erfinden, und für viele mag es ein Segen sein, wenn sich ein Lieblingskünstler treu bleibt. Für mich haben Tiny Moving Parts auf „Swell“ aber zu wenig getan, um mein Interesse zu wahren. Die Musik ist fernab von schlecht und die meisten Bands könnten sich vom Trio eine oder mehrere Scheiben abschneiden, doch diesmal haben sich Tiny Moving Parts meines Erachtens zu eifrig selbst kopiert. Wie bei „Celebrate“ werden eine Handvoll Hits in einer Playlist landen, das Album als Gesamtwerk wird aber selten einen vollen Durchlauf geniessen.

VÖ: 26.1.2018 / Big Scary Monsters