Album Review: The Crumpets – “Carousel”

Endlich ist es soweit und The Crumpets aus Bern präsentieren uns ab dem 23. März 2018 ihr Debütalbum “Carousel”. Die vier “girls who rock” spielen bereits seit 2010 ihr Publikum schwindlig. Höchste Zeit, um ihr musikalisches Werk für die Ewigkeit festzuhalten.

Gemäss Bandbiografie brauchte es neben der Liebe zur Musik auch etwas Wahnsinn, um das Experiment Frauenband zu wagen. Tatsächlich gibt es nicht viele Rock Bands die ausschliesslich mit Frauen besetzt sind. Bei der Recherche fand ich zwar (unter anderen interessanten…. nennen wir es mal “Artikeln”) viele Bilder von fönfrisierten, geschminkten Männern in Leggins, aber nur wenige Frauenbands. Wenn The Crumpets mit ihrem Album weitere Ladies dazu ermutigen können, auch eine Band zu gründen, fände ich das grossartig. So viel dazu, aber kommen wir zu Wichtigerem. Nämlich der Musik.

Nach einem kurzen, zum stilvollen Cover und dem Albumtitel passenden Jahrmarkt-Musik-plus-Hintergrundgeplapper-Intro, geht es mit dem Song “Talk” los. Die Band beschreibt ihre Musik als energiegeladen und eingängig und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Aufgenommen mit Hilfe von Micha Krähenbühl (Scream Your Name) und sehr glatt abgemischt und gemastert von Peter Lagoda, dem Tourmanager der Kyle Gass Band, geht der Sound direkt ins Ohr. Was sich für mich persönlich schon zu angenehm und harmonisch anhört, wird gerade deswegen sehr viele Leute ansprechen. Ich bin mir aber sicher, dass The Crumpets live etwas dynamischer und kantiger daherkommen.

“Carousel” bietet einige klassische Midtempo-Rocksongs, die wegen ihrer Eingängigkeit und der Produktion manchmal ins Poppige abdriften, aber auch schnellere Tracks mit treibenden Beats, wie beispielsweise “Is it So”. An den richtigen Stellen wird das Ganze durch verträumte und ruhige Songs wie “Reason” oder “Late Night” abgebremst. Letzterer mausert sich langsam zu meinem Lieblingssong, jedoch gibt es auf dem Album keinen Durchhänger, oder Lückenfüller. Apropos bremsen: Die Mischung auf “Carousel” hat auch meinen Autotest mit Bravour bestanden. Selten ist mir der Weg von Biel nach Bern – trotz Stau auf der A1 – so  kurz vorgekommen. Das Album hat mit zehn Songs genau die richtige Länge. Nach dem durchhören bin ich noch nicht übersättigt und habe Lust auf einen weiteren Durchgang. So bleiben die Songs schnell im Gedächtnis und das Ganze hat definitiv Suchtpotential.

Ob rauchige Rockröhre, gefühlvolle Gesangslinie, oder Background Vocals. The Crumpets haben mit Eva, Faa und Laa immer eine passende Stimme parat. Die gilt es natürlich zu arrangieren und das machen The Crumpets hervorragend. Auch die Gitarren sind gut arrangiert, klingen aber Stellenweise über dem ultragenauen Drum etwas fahrig und brav. Tragisch oder störend ist das aber nicht, weil das Album von den Vocals, den eingängigen Melodien und den abwechslungsreichen Stimmungen lebt. Zum Schluss noch ein kleiner Tipp: Nehmt den letzten Song “Hold On” wörtlich und The Crumpets belohnen euch mit einer Überraschung, die unter die Haut geht.

Die Band liefert mit “Carousel” ein überzeugendes, kurzweiliges und süchtig machendes Debut Album ab, auf dem die Leidenschaft und die Freude am Musik machen deutlich spürbar sind. Ich freue mich, die Songs bald live zu hören und – ja ich stehe dazu – bin nicht abgeneigt die vier gutaussehenden Mädels auf der Bühne zu sehen. Gelegenheit dazu gibt es am 01.04.2018 bei der Plattentaufe im Käpt’n Holger in Langnau.

Intro
Talk
7 Days
Carousel
Reason
See Me
Breathin’ In
Is It So
Darling
Late Night
Hold On