So war’s bei The Menzingers im Werk21

Bevor PUP und The Menzingers Honig ums Maul geschmiert wird, muss zuerst etwas Dampf abgelassen werden; denn ausverkaufte Shows sind wegen Platzmangel meist etwas unangenehm – vor allem mit weniger als 1.70 Meter Körpergrösse. Noch viel schlimmer sind aber überausverkaufte Shows. Öppen so wie die am 8. Februar 2018 im Werk21.

So führt‘s auch dazu, dass über den ersten Support, Cayetana, gar nicht viele Worte verloren werden können. Einen Platz im Keller des Zürcher Dynamos zu finden ist nämlich schon kurz nach Showbeginn der Meitliband bereits unmöglich. Ich weiss also weder wie die Bandmitglieder aussehen, noch wie sich die Crowd verhält. Und als wäre das Stehen im Eingang nicht schon blöd genug, ist der Sound auch ziemlich grottig. Was melodiös von Cayetana zu mir rüberschwappt, haut mich aber eh nich wirklich aus den Socken. Um es in den Worten von CH-Rapper Baze auszudrücken: “Scho nätt u so, aber ehnder weniger.”

Kommen wir nun zum schöneren Teil des feucht-fröhlichen Konzertabends: PUP. Wer sich die Jungs aus Toronto schon einmal angehört hat oder sie gar live erleben durfte, weiss, wie energiegeladen ihr Sound ist. Kein Wunder also ist in den vorderen Reihen bereits beim ersten Track einiges an Bewegung zu erkennen – zugegeben, “Familiar Patterns” ist auch ein richtiger Banger.

Was jetzt folgt ist etwas chaotisch: Es fliesst viel Bier, es wird gemosht was das Zeug hält, jeder hat das Gefühl er sei der geborene Crowdsurfer und als PUP meinen Lieblingssong “If This Tour Doesn‘t Kill You” anstimmen, wird schnell klar, dass der Track auch den anderen ziemlich gefällt. Was ich mich zu diesem Zeitpunkt frage: Können The Menzingers diese ausgelassene Stimmung toppen?

Um die Antwort darauf gleich vorne weg zu nehmen: Ja, können sie sehr wohl. Also nicht dass ich von der Band sonderlich viel sehe – die besagte Grösse wieder, gäll – aber am Schweissgeruch an, die mir die vorwiegend männlichen Dynamo-Besucher wortwörtlich unter die Nase reiben, muss es ziemlich abgehen. So ist nach ein, zwei Songs der Amis ziemlich niemand sicher vor dem Moshpit. An dieser Stelle ein Kompliment an die Crowd: Die ungeschriebene “No Drinks near the Pit”-Regel wird grösstenteils befolgt und ich muss, nicht wie befürchtet meine Haare sofort nach der Show waschen.

Wer hart mosht, verliert hart. Zum Beispiel Smartphones, Portemonnaies oder Rega-Mitgliedskarten, welche die Band für einen Helikopterpilotenausweis hält. Wie ich mitbekomme, findet ziemlich alles wieder zurück zu seinem Besitzer, denn die Menzingers lesen jeden Namen, den sie auf einer Karte finden, vor.

Als Dank dafür wird die Band bei fast jedem Song von einer Mitsingwelle überrollt und es scheint als könne jede/r irgendwie den Text mitschreien – zum Glück für Sänger Greg Barnett. Dessen Stimme ist nämlich spätestens beim Überhit “I Don‘t Wanna Be An Asshole Anymore” klinisch tot und alles andere als schön anzuhören.

Drum ist er wohl auch gottenfroh, ist die The Menzingers-Show in Zürich nach ein paar wenigen weiteren Tracks und zwei Zugaben (darunter das wunderbare “After The Party”) schon wieder Geschichte. Ich jedenfalls sowas von. Vielleicht bin ich einfach zu alt im Kopf – oder zu klein – um mich unter der Woche in von Schweiss und Bier triefende Konzertlokale zu quetschen. Gut war‘s trotzdem. PUP und The Menzingers, wenn ihr wieder kommt, komm ich auch wieder.