Heaven Shall Burn im Interview am Open Air Gränichen 2014

Maik Weichert über Sonnenuntergänge und Parkway Drive

Am Open Air Gampel haben wir Heaven Shall Burn Tourmanager Beni trotz Wind und Hektik für ein Interview mit der Band gewinnen können. Wie gesagt, Gampel war hektisch und so ziemlich alle Termine gingen drunter und drüber, aber das Interview für das Gränichen Open Air wurde zum Glück fixiert. Im Moortal traf man sich dann relaxed im kleinen Backstage-Bereich und konnte in aller Ruhe mit Maik Weichert, einem der beiden HSB Gitarristen plaudern.

Zuerst Open Air Gampel, eine Woche später Open Air Gränichen. Es macht den Anschein, dass ihr gerne in der Schweiz spielt.
Wir haben in der Schweiz seit Langem sehr treue Anhänger. Früher haben wir oft in Genf gespielt, dort war die Hardcore-Szene zu Hause. Da waren wir auch mit Bands wie Cataract gut befreundet und mit denen unterwegs zu sein hat schon immer sehr Spass gemacht. Es ist kein grosser Unterschied, ob wir in der Schweiz oder in Deutschland spielen. Mittlerweile sehen wir die Schweiz fast ein bisschen als zweite Heimat. Wir alle sind dann keine Eidgenossen sondern Volksgenossen, sozusagen. Ich komme ja aus Weimar, wo Friedrich Schiller herkommt, der Wilhelm Tell geschrieben hat. Da gibts also zusätzlich auch kulturelle Verbindung. In der Schweiz sind wir auch immer super angekommen. Gerade am Greenfield Festival wurden wir super abgefeiert und jetzt haben wir ein paar andere Festivals abgecheckt, was auch echt Spass gemacht hat.

Wie ihr mit dem Gig am Open Air Gampel gezeigt habt könnt ihr auch an Festivals begeistern, die in der Metalszene nicht einen riesigen Stellenwert haben.
Ja, da waren wir auch etwas besorgt, da wir wohl mit Abstand die härteste Band waren. Aber die Leute haben super mitgemacht und es hat Spass gemacht. Es war eine coole Überraschung. Der eine Monitor-Soundmann ist der Tontechniker von Kraftklub. Die haben letztes Jahr am Gampel gespielt und der meinte schon, dass es echt cool ist und wir uns darauf freuen können.

Wie ist es für euch, auf Bühnen mit Blick auf ein schönes Naturpanorama zu spielen? Nimmt man das wahr oder fokussiert man sich doch eher aufs Publikum? 

Also beim Gampel war es ja schon dunkel, als wir gespielt haben.  Vor zwei Wochen haben wir in Spanien an einem Festival gespielt. Pünktlich zum Sonnenuntergang. Die Sonne ging direkt bei den Bergen unter. Das sah schon fett aus. Solche Dinge nimmt man auf jeden Fall wahr und mit den ganzen Leuten kommt das nochmals eine Ecke cooler. Wenn sich dann beides miteinander verschmilzt bekommt man das schon mit, ganz klar. Oft ist es aber auch so, dass jeder vor der Bühne ein tolles Panorama hat und du guckst nur eine dunkle Wand an. Die Bühnen sind meistens so gestellt, dass das Publikum ein geiles Panorama hat, nicht die Band. Dann hat man beim Spielen selber das Feeling natürlich nicht. Ich kann mich auch erinnern, als wir einmal auf einer Insel in Prag open air gespielt haben. Die Bühne stand also inmitten eines Flusses. Und da war ein Part, wo ich ein Gitarrensolo gespielt habe und das hat zusammen mit dem Sonnenuntergang in die Altstadt von Prag gehallt. Das war ein total geiles Gefühl.

Wie bereitet ihr euch als Band auf Shows und Tours vor?
Das ist eher so in Jahresabschnitte eingeteilt. Wir proben natürlich vor einer Festivalsaison ordentlich. Studieren ein Programm ein, machen uns Gedanken über das Aufteilen. Dann spielt man das erste Festival, was meist so Ende Mai losgeht. Dazwischen probt man nur, wenn man mal ein Wochenende frei hat, damit man auch drin bleibt.  So richtig harte Proben liegen zwischen den Festivals nicht drin. Heute ist ja der Abschluss unserer Festivalsaison und der ist relativ spät im Festivalkalender. Da machen wir uns jetzt gar keine Gedanken mehr. Das Programm haben wir jetzt schon zehn Mal auf grossen Festivals gespielt und wenn man das vor 80‘000 Menschen in Wacken nicht verkackt, dann wird es in Gränichen hoffentlich auch gut über die Bühne gehen. Für das Publikum ist es natürlich cool, weil die merken, dass die Band etwas gelöster ist.
Das Gampel war quasi eine Generalprobe für das Summer Breeze, was für uns eine ganz wichtige Show war. Beim Gampel hatten wir nichts zu verlieren. Die Leute, die uns sowieso mochten, waren vor der Bühne. Und die anderen, die da auf Scooter gewartet haben, haben sich eh nicht für uns interessiert. Da wissen wir auch über die Jahre hinweg gesehen, dass egal wie scheisse wir spielen, die Leute es dann irgendwie doch noch retten.

Wir feiern 20 Jahre Open Air Gränichen. Was hast du vor zwanzig Jahren gemacht? Welche Musik hast du gehört?
Vor zwanzig Jahren habe ich noch nicht einmal angefangen, Gitarre zu spielen. Ich war ein richtiger Spätzünder und hab erst so mit 18 oder so Gitarre gelernt. Da war ich selber auf den ersten Konzerten unterwegs. Ich erinnere mich an ein Metal Festival – mein erstes richtiges Festival. Da haben Napalm Death, Paradise Lost und Blind Guardian gespielt. Seitdem bin ich grosser Musikfan. So wie vielleicht heute 15- oder 16-Jährige zum ersten Mal am Festival herumlaufen, war das damals bei mir.

Reisen wir in die Zukunft. Was steht bei euch an?
Wir sind nicht eine Band, die jemals gross etwas geplant hat. Wir haben immer nur gehofft, aber nie etwas erwartet. Dadurch kann man  auch nie wirklich enttäuscht werden. Wir schauen immer, was kommt. Alles, was wir jetzt schon erreicht haben ist eh viel viel mehr, als wir uns jemals erträumt hätten. Mit so harter Musik überhaupt bekannt zu werden und in die Top Ten der Charts zu kommen, kann man ja überhaupt nicht erwarten. Von daher haben wir uns das grosse Vorausplanen echt abgewöhnt.  Es kommt sowieso immer anders, als man denkt. Und das ist echt kein Spruch oder Gelaber, das ist wirklich so. Wir schauen selber, was kommt und wenn sich eine Gelegenheit ergibt, ergreifen wir sie und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm.

Ein fixer Punkt in eurer Zukunft ist sicherlich der Gig zusammen mit Parkway Drive am 9. Dezember im Volkshaus Zürich. In welchem Verhältnis steht ihr zu den „Newcomern“ aus Australien, wie ihr sie am Gampel so liebevoll genannt habt?
Ja, die kennen wir. Sonst würden wir solche Sprüche ja auch nicht bringen. Das sind echt liebe Kumpels von uns. Mit denen waren wir jetzt auch Anfang Jahr in Südamerika unterwegs. Wenn du mal zusammen in der kolumbianischen Gosse gesessen hast, dann wirst du automatisch zu Freunden fürs Leben. Es macht einen Riesenspass mit denen. Schliesslich kennen wir sie ja auch schon sehr lange. Sie sind zum Beispiel genauso sportbegeistert wie wir. Wir machen immer so interne Fussball- oder Ping Pong-Turniere und in Chile haben sie uns ein paar Surfstunden gegeben. Das war auch total witzig. Wir zeigen ihnen dann dafür, wie Skifahren geht. Es sind echt liebe Kumpels und sie haben auch die selbe Einstellung wie wir. Die richten sich auch nicht danach, was das Musikbusiness eigentlich verlangt und machen, worauf sie Lust haben. Wir freuen uns riesig auf die Tour. Wir werden sicherlich jede Menge dumme Ideen haben. Wenn nur die Hälfte davon klappt, was wir vorhaben, können sich die Leute echt freuen.

Ich kann mir vorstellen, dass das echt gut kommt. Die Jungs von Parkway Drive lassen sich ja nicht einmal von einem Rollstuhl aufhalten.
Ich ziehe Luke damit immer auf und sage: „Du hast dich im Rollstuhl mehr bewegt als sonst“, weil er da immer rumgefahren ist.

Wie läuft es so mit der Kommunikation? Die sprechen ja ein richtig breites Australisches Englisch.

Ach, das geht noch viel schlimmer! Ich hatte letzte Woche ein Interview mit einem Magazin aus Schottland und das war wirklich unglaublich. Aber die Jungs geben sich dann schon Mühe und wenn sie mal was erzählen, was man nicht unbedingt verstehen sollte, dann reden sie in ihrem Slang.

Könnt ihr schon verraten, was auf der Tour auf uns zukommen wird?
Ne, da verraten wir nix. Vor allem weil wir überhaupt noch nicht wissen, ob das so klappt. Wir sind da mit Luke von Parkway Drive dran, haben eine Menge dumme Ideen. Die Techniker sagen dann immer, dass wir bescheuert sind und dass das nie im Leben gehen wird. Mal sehen, was am Ende dabei rauskommt. Hoffentlich verspreche ich nicht zu viel – nicht dass wir am Ende doch nur eine normale Show machen. Aber gewöhnlich wird das auf keinen Fall, ne. Wenn da zwei Bands aufeinander treffen, gibt es schon einen freundschaftlichen Wettstreit. So ein bisschen Battle-mässig mit positiver Energie.

Nun gut, herzlichen Dank für deine Zeit und Geduld, die du da auf dich genommen hast für rawk.ch.
Kein Ding, es immer eine schöne Abwechslung, so ein Interview. Sonst sitzt man nur rum, isst und wartet.