Vale Tudo im Interview am Open Air Gränichen 2014

Vale Tudo über 20 Jahre OA Gränichen, ihren Film und Groupies

Was das Open Air Gränichen für Vale Tudo für eine Bedeutung hat, was die Jungs vor 20 Jahren beschäftigt hat und was hinter der Bühne im Backstage Bereich abgeht, erfahrt ihr hier aus erster Hand.

Der Sommer ist bald vorbei und viel Regen fiel auf die Erde. Was waren eure Sommer-Highlights?

TC: Hm, ich weiss gar nicht wo anfangen mit Aufzählen. Nein im Ernst, das heute ist unsere erste Show nach dem Greenfield Festival.
Sumo: Eigentlich wollten wir im Sommer ja in die Ferien, nicht wahr?!
TC: Unser Highlight ist ganz ehrlich das Gränichen. Wir spielen jetzt zum dritten Mal hier und es fühlt sich an wie nach Hause kommen. Es ist sehr familiär und wir kennen die Organisatoren schon lange. Ein weiteres Highlight wird unsere Reise nach Marokko sein, wohin wir in gut drei Wochen für eine grosse Festivalshow fliegen werden. Das wird sicher gross, obwohl es ja dann schon eher ein Herbst-Highlight sein wird.

Euer Film,  „A Trip, Not A Tour“ kam ja vor Sommerbeginn raus. Wie war die Resonaz zum Film?

TC: Durchs Band hinweg gut, interessanterweise. Das ganze Lob geht ja hier eigentlich an Johannes Hartmann. Wir waren nur dort, waren uns selber und hatten eine riesen Freude daran, dass wir überhaupt vier Konzerte in Marokko spielen konnten. Das Ganze war nicht unsere Idee, sondern seine. Er hat alles gedreht und geschnitten, uns ca. 100 Minuten Rohschnitt zukommen lassen und wir konnten noch unseren Senf dazu geben.  Er ist der Dude, der das Ganze Lob bekommen soll.
Sumo: Wir kennen ihn auch schon länger. Er kam immer als Fan an unsere Konzerte und der Kontakt wurde dann immer mehr. Dann haben wir ihn gefragt, ob er denn nicht mitkommen wolle, um ein wenig zu filmen. Schlussendlich wurde das Ganze immer grösser.

Ihr hattet doch einen etwa zehn minütigen Clip im Sinne, nicht?

Sumo: Genau, er meinte, wenn wir Glück haben, bringen wir 20 Minuten zusammen. Und die Reaktion der Leute auf den Film ist interessant. Sie sagen dir, dass sie nichts mit der Musik anfangen können, aber der Film hat ihnen extrem gefallen. Die Art, wie wir rüberkommen, gefällt ihnen anscheinend. Das ist für mich fast das grössere Kompliment, als wenn sie uns so oder so schon super finden.
TC: Das Spezielle war ja auch, als Hardcore Band nach Marokko zu reisen und so etwas zu machen. Bei einer anderen Musikrichtung hätte man vielleicht gesagt – hm, gut, na und?

Die Vergangenheit dieser Musikszene in Marokko ist ja schon mal speziell.

TC: Fakt ist, dass man in der arabischen Welt von unserer Art von Musik nicht sehr angetan ist. Das war die Idee hinter der Sache, dass man die ernsthaftere Seite davon aufzeigen kann. Die Leute dort unten sind echte Revoluten. In unseren Breitengraden ist es ja mehr so: Ah, harte Musik und vielleicht noch eine Message dahinter. Hier ist das völlig unbedeutend. Dort ist schon nur das Outfit der Kids für ihre Eltern ein Problem und schwierig zu akzeptieren. Alleine das gibt schon eine Menge Probleme.

Euer Film ist sogar für einen arabischen Filmpreis in L.A. nominiert worden. Wie kam es dazu?
Sumo: Ich glaube, es gibt da eine Filmplattform, auf der man Filme uploaden kann. Danach können die Filmfestivals sich einen Überblick verschaffen und aus den Filmen auswählen. Es gibt ja mittlerweile so viele verschiedene Filmfestivals. Wir wissen ehrlich gesagt gar nicht, wie gross die Bedeutung davon jetzt ist. Wir glauben zu wissen, dass der Film dort gezeigt wird. Ich glaube aber nicht, dass er für einen Preis nominiert ist. Er wird auf jeden Fall im Programm gezeigt und schon das alleine ist natürlich supercool. Die Rubrik ist „Best Doc Feature“ oder so. Am Schluss wird vermutlich schon für die Filme gevotet. Wir haben auch keine Ahnung, wie viele Leute da vor Ort sein werden. Wir werden da jetzt nicht extra anreisen, und uns das anschauen. Egal was dabei rauskommt, wir freuen uns darüber und fühlen uns geehrt, dass er überhaupt gezeigt wird. Aber einmal mehr: Es ist Hänus Werk und sein Verdienst. Wir wären ja die Selben gewesen, auch ohne Kamera. Es war nicht ein fünfköpfiges fremdes Kamerateam vor Ort, das dir Anweisungen gab, wie du dich vor der Kamera verhalten sollst. Er war einfach dort, wir waren uns selber und die Kamera lief. Er hat mit jedem Einzelnen von uns jeweils zirka eine Stunde Interview geführt, damit er Audiomaterial hatte. Man konnte ja nicht nur den Zug zeigen. Da schauten wir schon ein wenig, dass die Kulissen unterschiedlich waren. Einmal im Hotel oder auf der Terrasse, dass es auch optisch etwas hergibt. Ansonsten war oder ist unser Geheimnis glaub ich, dass wir uns selber einfach nicht zu ernst nehmen. Wir machen einfach mal, ohne Rücksicht auf Trends oder was auch immer. Zustande kam es ja dadurch, dass wir auf Facebook gepostet haben, dass wir nach Marokko gehen. Er war der erste, der den Beitrag geliked hat und einen dummen Kommentar dazugegeben hat. So haben wir halt gesagt: Du kommst mit. Er meinte, wenn die Spesen gedeckt sind, warum nicht. Zwei, drei Tage später haben wir seinen Flug gebucht, er hat frei genommen und kam motiviert mit. Schlussendlich hat er einen geilen Film daraus gemacht, ohne zu wissen, dass es so kommen wird.

Im September gehts wieder nach Marokko. Was habt ihr konkret im Sinn?

Sumo: Es ist ein Gig im Rahmen des Boulevard Festivals in Casablanca. Es dauert glaube ich drei Wochen und ist aufgeteilt in Techno, Hip Hop, Fusion und World Music. Das erste Wochenende, an dem wir spielen, findet in einem Kulturzentrum statt. Mit Skatewettbewerb und Breakdance – es scheint ein ziemlich grosser Event zu werden. Dort sind wir am marokkanischen Nachwuchswettbewerb als Gastheadliner eingeladen. Es sagen alle, es sei super. Unsere Kollegen aus Marokko spielen dort auch und es ist sogar gratis. Im letzten Jahr waren so um die 7‘000 Menschen vor Ort.

Werden auch wieder Bands auf der Bühne stehen, die in eurem Film vorgekommen sind?

Sumo: Nein, es spielt keine Band aus dem Film. Es gelang jedoch der einen Band, mit der wir während des Trips einen Gig hatten, ins Festival Line Up zu kommen.
TC: Wir selbst versuchen jetzt noch, an ein bis zwei weitere Shows zu gelangen, aber es ist leider alles extrem unkonkret. Man kann sich das hier bei uns gar nicht vorstellen, wie es dort unten abläuft. Da werden teilweise Shows promotet, von welchen hier jeder Veranstalter die Finger lassen würde. Es kommt auch immer wieder vor, dass Konzerte kurzfristig abgesagt werden müssen, auf Grund von Intervention der Polizei.
Sumo: Wir haben jetzt einmal geplant, zwei Tage vor dem Festival anzureisen und in dieser Zeit noch zwei Shows zu spielen. Schlussendlich müsste aber bald mal etwas Definitives reinkommen, da es ansonsten eng wird mit Werbung machen.
TC: Wobei man muss auch sehen, dass letztes Jahr drei Wochen vor dem Trip noch einige Gigs nicht gesichert waren. Teilweise hat sehr kurzfristig noch die Location oder das Datum gewechselt. Alles in allem sieht es aber für die Reise im Herbst eher schlecht aus noch Gigs vor dem Festival spielen zu können. Es ist auch unser Pessimismus, denn wen wir dort sind, finden die marrokanischen Dudes sicher noch „ Hey wir haben eine Garage, kommt, spielt doch dort noch einen Gig“. Es ist echt unberechenbar, aber extrem cool. In diesem Bereich befindet man sich nicht nur auf einem anderen Kontinent. Nein, es fühlt sich nach einem anderen Planeten an.
Sumo: Wir gehen jetzt einmal dorthin, so wie geplant. Auch ohne Gigs werden wir zwei gute Tage haben.

Ich habe im Film eure Geduld und Ruhe bewundert. Ich selbst hätte die Nerven ziemlich sicher nicht bewahren können.

Sumo: Wir hatten einen marokkanischen Tourmanager. Wir hatten dadurch echt keine Probleme und wirklich unsere Ruhe gehabt.
TC: Er hat sehr gut geschaut, dass wir da nicht zu fest von den Leuten, bzw. den Händlern belästigt wurden. Das ist jetzt nicht bös oder arrogant gemeint, aber die sind einfach ganz anders drauf. Ich war schon einmal zuvor in Marokko, damals jedoch ohne einheimischen Reiseführer. Das war teilweise schon echt nervig. Ich ging beispielsweise in ein Geschäft und habe nur kurz in eine Ecke geschaut und da stand der Verkäufer keine zwei Sekunden später schon neben mir und fragte: „ You like this, you like this?!“ Ich antwortete darauf nur, dass ich ein anderes Shirt angeschaut hatte und er hat direkt geswitcht: „Ah you like this??!“ Dabei wollte ich nur kurz reinschauen gehen. Sie lassen jedoch nicht locker, bis man sich einfach umdreht und den Shop verlässt. Ich habe das Gefühl, dass geschickte Verkaufsstrategien nicht so ihr Ding ist.
Sumo: Gerade durch diesen Umstand, dass wir eine Person bei uns hatten, die das Leben dort kennt, waren wir ziemlich entspannt.
TC: Du weisst echt nicht, was dich dort erwartet. Es wäre falsch mit irgendwelchen glamourösen Vorstellungen nach Marokko zu reisen, weil so kannst du fast nur enttäuscht werden.
Sumo: Ohne dass wir es auf das abgezielt hatten, aber wir verbrachten die beste Zeit unseres Lebens.
TC: Es hat mehr oder weniger alles gut funktioniert und das was nicht klappte war einfach spannend und fünf Minuten später auch amüsant.
Sumo: Ich finde genau das hat auch den Film spannend gemacht.

Schwenken wir unseren Fokus jetzt voll und ganz aufs Open Air Gränichen. Im Vorfeld habt ihr ein Bild auf Facebook mit dem Kommentar „Family Affair“ gepostet. Was verbindet euch mit dem Open Air Gränichen? Habt ihr es schon vor eurem ersten Gig besucht?
Sumo: Nein, wir waren vor unserem ersten Gig noch nie an diesem Festival. Ich kann mich einfach erinnern, dass ich seit ich diese Musik verfolge immer wieder hörte, dass man hier herkommen sollte. Einige Freunde gingen hin aber wie gesagt, vor unserem ersten Gig war ich noch nie hier. Seither war ich aber ein, zwei Mal wieder als Besucher dabei. Ich bin jedoch vor allem durch Dinu, den ich schon über zehn Jahre kenne, mit dem Open Air Gränichen verbunden. Zudem gefällt mir besonders die Mischung des Line-Ups. Mal etwas Stoner Rock, mal etwas Skapunk und wiederum dieses Donnerzeugs. Einmal war Bad Religion der Headliner, heute ist es Heaven Shall Burn. Es hat zwar kaum Gemeinsamkeiten miteinander und dennoch ist es eine gelungene Mischung.
TC: Das Open Air Gränichen ist verhältnismässig klein, bzw. kleingehalten. Es kommen viele Leute aus der Region. Man spürt einfach andere Vibes als an den grossen Festivals, wie beispielsweise am Greenfield. Der Umgang hier mit den Organisatoren und Helfern ist sehr herzlich. Wir haben 2009 das erste Mal im Moortal gespielt und es herrschte einfach von Beginn weg eine sehr persönliche Stimmung. Wir wurden super vom Publikum aufgenommen und das ist nicht selbstverständlich, gerade bei der aktuellen Übersättigung des Angebots in diesem Bereich.
Es ist der Mix aus dem Kontakt zu Dinu aber auch der Umstand, dass aufgrund der Nähe unsere Freunde vorbeischauen und wir immer wieder mit einer riesen Party im Publikum beglückt werden.

Open Air Gränichen wird 20 Jahre alt. Was habt ihr vor 20 Jahren gemacht?

TC: Vor 20 Jahren war ich sieben (lacht).
Sumo: Vor zwanzig Jahren war ich mit meiner ersten Band PX-Pain unterwegs. Im Jahre 1994, also  ziemlich exakt vor zwanzig Jahren, haben wir die erste Scheibe aufgenommen. Vorher war ich noch in Griechenland in den Ferien. Daran kann ich mich irgendwie erinnern, weil ich unbedingt einen Text fertigschreiben musste aber viel mehr weiss ich nicht mehr. TC und ich sind schon so lange am Start, deshalb finde ich jetzt 20 Jahre nicht eine so enorme Zeitspanne.
TC: Also für 27 ist es noch krass – Spass bei Seite. Vor 20 Jahren habe ich in einer Punk Rock Band meine ersten Schritte im Musikbusiness getan. Mit dieser spielte ich auch einige Shows. Es war im Gegensatz zu heute jedoch viel improvisierter. Man versuchte mit eher mässiger Ausrüstung irgendetwas zu Stande zu bringen. Der Spass stand dabei ganz klar im Zentrum. Gerade bei diesem Punkt, habe ich das Gefühl, dass die meisten Bands das heute etwas aus den Augen verloren haben. Klar, der Faktor Spass ist auch jetzt noch oftmals der Beweggrund, eine Band zu gründen, aber weil man heutzutage relativ günstig an gutes Equipment herankommt, überwiegt schnell mal die Ernsthaftigkeit den Spass. Für mich war es lange Zeit unmöglich ein Marshall Amp zu kaufen. Die waren früher einfach fast unbezahlbar. Zudem gab es zu jener Zeit kein Ebay, allgemein kein Internet und keine Mobiltelefone. Man hielt gezwungenermassen in den Zeitungen nach Inseraten Ausschau. Wenn man fündig wurde, kam das nächste Problem: Wie kommt man zum Ort des Verkäufers? Auto fahren durfte ich noch nicht, Nachtzüge waren noch ein Fremdwort und am Tag ging es auch schlecht. Ich habe das Gefühl, dass es in dieser Hinsicht früher schwieriger war, was wiederum dazu führte, dass man sich mehr Mühe in der Sache geben musste und nichts anderes übrig blieb sein Ding durchzuziehen.

Ihr liefert mir hier ein gutes Stichwort. Habt ihr euch jemals ausgemalt so weit zu kommen, wie es aktuell der Fall ist?
Sumo: Als wir begonnen haben, habe ich mir in den Kopf gesetzt, einmal in der roten Fabrik, einmal in der Wohlgroht und einmal im Volkshaus zu spielen. Irgendwann war das passiert und ich stellte fest, dass es nicht wirklich besser war als ein Gig in der Jugi XY. Trotzdem gings immer weiter. Es ist letztendlich auch in mir drin, denn ich liebe es, mit der Band unterwegs zu sein.
TC: Im Endeffekt kann man ja auch nicht viel dafür, ob der Erfolg kommt oder nicht. Man macht einfach seine Musik und je nach dem fahren die Leute drauf ab oder eben nicht. Wichtig ist, dass man sich nicht auf den Erfolg versteift. Bei uns gabs das nie, dass ein Bandmitglied über Bühnenoutfits oder dergleichen diskutieren wollte. Wir haben einfach das gemacht, was wir wollten. Als wir 2006 mit Vale Tudo begonnen haben, dachten wir nie, dass wir jemals so erfolgreich werden. Wir schrieben ein paar Songs, einfach zum Spass. Ohne es gross darauf anzulegen, schlug es aber immer grössere Wogen und eine Show folgte auf die andere. Für mich ist weitaus krasser, dass ich nie daran geglaubt hätte, bis ins hohe Alter *zwinker* in einer Band zu spielen. Es ist nicht selbstverständlich. Wir hören von einigen Leuten aus unserem Umfeld, dass sie für so etwas, auf Grund von Familie und Job, keine Zeit mehr haben. Ich schaffe es glücklicherweise noch heute, einmal in der Woche mit den Jungs im Bandraum zu klimpern. Für mich ist das fast die spannendere Seite, denn der Rest kann ich nur minimal beeinflussen, da die Menschen um uns herum entscheiden, ob sie unsere CDs kaufen und unsere Shows besuchen wollen.

Wie hat sich, respektive was, hat euren Bandalltag in den letzten 20 Jahren verändert?
Sumo: Ich finde die grösste Veränderung brachte das Internet. Es wurde dadurch einfacher Werbung zu machen, man kann schneller Kontakt aufbauen und es gestaltet sich auch leichter, den Fan an eine Band zu binden, da man auf Social Media auch ohne auf Tour zu sein, Lebenszeichen von sich geben kann. Früher war eine Band weg vom Fenster, wenn ein paar Monate lang keine Flyer von ihr im Umlauf waren. Die grossen Player im Musikbusiness wie Shakira oder Madonna können fünf Jahre weg sein, dann ein Album herausbringen und über die Social Media ein riesen Hype generieren – so als wären sie nie weg gewesen. Klar, bei einer Band wie Vale Tudo geht das auch heute nicht in dem Ausmass, aber mittlerweile ist es auch kleinen Bands mit Hilfe dieser Kanäle möglich, ähnliche Crowds zu erreichen.
TC: Auch Bandintern hat das Internet bzw. der Computer eine enorme Veränderung hervorgerufen. Früher musste man noch mit Kassetten hantieren. Mal ging das Bändchen kaputt, häufig wurde es vergessen und so benötigte es viel Zeit, bis man schon nur ein Demotape hatte. Heute kann man sich für „wenig Geld“ ein eigenes Studio aufbauen und kann die Daten bequem via World Wide Web von A nach B transferieren. Nebst dem technischen Bereich, hat sich vor allem der Bezug zum Bandraum geändert. Mittlerweile haben alle ihre eigene Wohnung in welcher man seine privaten Vorlieben ausleben kann. Früher ging man in den Bandraum, wenn man mal eine Marihuanazigarette rauchen wollte oder auch, um einfach mal die Stereoanlage beben zu lassen. Der Stellenwert des Bandraums ist in der Vergangenheit gesunken. Schlussendlich ist es ein Raum, wofür man Geld bezahlt und sein Equipment einlagern kann. Dementsprechend hat sich auch die Arbeitsweise verändert. Heute gehen wir in den Bandraum um während zwei, drei Stunden an unserer Musik zu arbeiten. Früher lebten wir fast dort.

Jeder Musiker hat vor oder auf der Bühne so seine Ticks. Wie sieht es bei euch aus?
Sumo: Früher hatte ich einen extrem mühsamen Tick. Ich musste ohne Witz an jedem Konzert kotzen. Zum Glück konnte ich das seit Vale Tudo irgendwie abstellen.
TC: Ich bin vor den Konzerten gerne kurz alleine, damit ich mich, wie beim Sport, aufwärmen kann. Es ist mir auch schon passiert, dass es mir während einem Auftrit schwarz vor Augen wurde.

Zum Schluss haben wir eine Funfrage für euch. Wie hat sich die Groupiesituation verändert? Mit Gigs am Greenfield oder hier am OAG sollte da doch einiges möglich sein?

Sumo: Das ist krass, früher war ich jahrelang der einzige in der Band, der eine Beziehung hatte. Die anderen waren immer Singles, oder?
TC: Nein, das ist nicht wahr. (Gelächter) Ich finde das schickt sich auch nicht wirklich in unserem Genre. Ich habe das Gefühl, dass das weibliche Publikum mehr Stil hat, als zu Glamrockzeiten. Die 80er sind definitiv vorbei. Klar, vielleicht lernt man nach einem Konzert jemanden kennen, aber da geht es nicht sofort zur Sache.
Es geistert heutzutage immer noch durch die Köpfe der Leute, dass Backstage die Sau los ist. Wir können das jedoch nicht bestätigen. In der Regel ist die erste Frage, ob es Wlan hat. Dann werden noch die letzten Facebook-Posts gecheckt und anschliessend die verbeleibende Zeit vertrödelt. Wir haben noch das Glück, dass wir unser Merch selbst verkaufen. Aber Bands, denen der Arsch vom Management weggetragen wird, haben echt nichts zu tun. Die warten einfach bis sie auf die Bühne können.
Sumo: Backstage ist langweilig. Da muss ich euch enttäuschen.

Mit dieser Desillusionierung kommen wir auch ans Ende des Interviews, denn Vale Tudo musste sich auf den Weg zur Bühne machen. Wir danken Vale Tudo, insbesondere TC und Sumo, für das unterhaltsame Gespräch.