15.02.2018 – Schubsen ohne Geschubse und laute Decibelles: So wars im Werk 21

Das Werk 21 in Zürich. Eine Katakombe mit Undergroundvibe. Beim Konzert von Schubsen und Decibelles am 15. Februar konnte man wirklich von Underground sprechen. Trotz Preview und Tagesanzeiger fanden nur ca. 30 Nasen den Weg in den Keller. Dass eine Band eine Konzerthalle heute noch füllen kann, grenzt für mich eh an ein Wunder. Das Freizeitangebot in Zürich ist mittlerweile extrem gewachsen, so dass auch bekannte Veranstalter und Lokale Mühe haben, unbekannte Talente aus dem Ausland zu fördern. Umso grossartiger ist es, wenn man dann, zusammen mit den restlichen vereinzelten Besuchern, von der Musik der spielenden Bands überzeugt wird. Hierbei ein grosses Dankeschön an den Veranstalter Soundmanöver, der seit fast 4 Jahren regelmässig geile Konzerte organisiert und grosse und kleine Künstler fördert.

Schubsen haben am 15. Februar den Anfang gemacht. Die vier Nürnberger starteten ihre Musik in einem leeren Raum. Der wummernde Bass zog aber hypnotisch die Foyersteher in den gewölbten Konzertsaal. Um den Raum zu füllen, wartete der Sänger von Schubsen im Publikum, bis kurz vor seinem Einsatz, zu welchem er auf die Bühne sprang. Wie soll man Schubsen beschreiben? Die Band ist Punk. Wirklich Punk. Anstelle karierter, verrissener Markenhosen und Irokesenkamm trugen sie einen schlichten Mix aus 10 Euro Hosen, Hawaii-Hemd und abgelatschtem Vespamantel. Dabei konnte man auf den apathischen Blick des Bassisten zählen, während der Sänger wirre, deutsche Texte ins Mikrofon brüllte und dazu Tanzeinlagen bot, die sich irgendwo zwischen Eurythmie und Herointurky bewegten. In den Pausen zwischen den Songs machte er dazu leicht dadaistisch geprägte Ansagen unter dem Vorwand “einen Sitzen zu haben”. Dabei wirkte er ziemlich nüchtern, bis Veranstalter Lars Pfeffi-Shots für die Bands vorbeibrachte.

Aber wie kann einem dieses wirre Verwirrte gefallen? Entweder ist man Kunsthändler oder einfach begeistert von der Ästhetik dieser Musik. Es passt alles, obwohl es nicht zu passen scheint. Leicht angezerrte Delaygitarren, knorriger Bass, meist tighte Drums und dazu extrem herausstechende, impulsiv geschriene Deutsche Texte. Bei Schubsen merkt man, was Punk ist. Für mich ist es mehr als ein Milieu, das sich durch Herumlungern, linke Texte und zerrissene Karo-Hosen definiert. Punk ist zu tun, zu lassen und zu machen, was man will. Sich nicht unterzuordnen. Schubsen.

Einen Kontrast boten Decibelles. Auch diese schubladisiere ich als Punk und doch widerspiegeln sie nicht das allgemeine Vorurteil von Punk. Die zwei Frauen und ihr Bassist hauen drauf und betonen dabei ihre Weiblichkeit und ihren Wille nach Eigenbestimmung. Kreischend wie Nina Hagen und dabei verdammt groovig.

Auch wenn zu wenig Leute zum moshen anwesend waren, stillgestanden ist praktisch niemand. Von sanftem wippen zu ekxtasischem Getanze war für jeden die richtige Tanzperformance möglich. Platz hatten wir ja genug. Decibelles gaben das Gefühl vom Underground Punkfeeling der 80er. Noise, Speed, und auch von der aufkommenden Rave Kultur beeinflusst. Neben dem Tanzen bemühte sich das Publikum, ihr französisch Vokabular aus Schulzeiten wieder in Erinnerung zu rufen. Immerhin schafften wir, dass am Ende des Konzertes statt “one more song”, “encore” gerufen wurde. Eine Zugabe gab es trotzdem nicht. Wohl ein französischer Abgang.