Album Review: Muzak – “I”

Die Luzerner Prog-Rock Band Muzak veröffentlicht im März ihr neues Album “I” und ich durfte bereits reinhören. Um einen Teil der Produktionskosten, einen Videoclip und die Plattentaufe zu finanzieren, wagten sie das Experiment Crowdfounding. Rund 5000 Stutz flossen so in die Bandkasse und ich kann allen Spendern vorab schon sagen, dass sie ihr Geld nicht zum Fenster hinausgeworfen haben. Nach einer EP (2013) und dem Doppelalbum “Oxymoron” (2015), mit einem aufwändigen Videoclip zum Song “How Could We Ever”, ist das Konzeptalbum “I” bereits ihr dritter Streich. Neben Konzerten in bekannten Clubs wie dem Dynamo, Bad Bonn etc., haben Muzak bereits als Supportband der kanadischen Prog-Götter Saga im Z7 gespielt. Bei dieser Vorgeschichte und dem Genre Progressive-Rock allgemein, ist meine Erwartungshaltung natürlich etwas höher als bei einem Debüt (oder bei einem Gölä-Album).

Ein Konzeptalbum wie “I” braucht auf Grund seiner Komplexität eine gewisse Zeit, um sich zu entfalten. Auf Anhieb ist mir aber klar, dass hier drei hervorragende Instrumentalisten und eine tolle Sängerin zu hören sind, die ihre Musik als Gesamtkunstwerk verstehen. Das Artwork und der Videoclip zu “Manifesto” zeigen auf eindrückliche Weise, wie wichtig es der Band ist ihre Musik passend zu visualisieren. Für die optische Umsetzung arbeiten Muzak mit einer russischen Künstlergruppe rund um Yana Istoshina zusammen. Bei diesem Gesamtpacket fühle ich mich angenehm an die Band Tool erinnert.

Akustische Gitarren, ein Klavier, gesprochene Samples in verschiedenen Sprachen (sogar Bärndütsch), ungewohnte Gitarrenriffs, treibende Bassläufe, Orgeln, Rhythmus- und Tempowechsel. Und das ist nur der Anfang vom Album “I”. Bereits der instrumentale Prolog treibt jedem Prog-Nerd die Freudentränen in die Augen. Wer danach so richtig durchdrehen möchte, könnte gleich zum Song “Manifesto”, oder zum noch abstrakteren “Kaleidoscope” springen. Das wäre aber schade, denn was dazwischen liegt ist nicht minder hörenswert. Das Wort “episch”, trifft es wohl am besten.

Was ich wirklich toll finde und sehr schätze, ist die Offenheit von Muzak. So folgt auf “Manifesto” beispielsweise der unglaublich traurige, aber auch schöne, mit einem Klavier begleitete Song “Cruel World”. Solche Momente findet man auf “I” einige. Auch an kreativen Ideen in den Songs mangelt es nicht. Ob das ein Funk Beat, eine Trompete, oder eine gepfiffene Melodie ist, spielt dabei keine Rolle. Das Album endet mit einem elfminütigen, gewaltigen Epilog, in dem nochmals alle Facetten der Band vereint werden. Der Begriff “Muzak” steht übrigens für Hintergrundmusik in Fahrstühlen, Hotel-Lobbies etc. Eine tolle Ironie.

Wenn Prog-Rock-Bands eines gemeinsam haben, dann die instrumentale Virtuosität. Bei Muzak ist das nicht anders, aber sie haben nicht diesen Drang bei jedem Song zwanghaft zeigen zu müssen, wie schnell und verwirrend sie spielen können. Es bleibt immer genug Platz für die Melodie, wodurch die Kopflastigkeit der Musik entschärft wird. Verantwortlich dafür ist Frontfrau Lena Greber, die mit sehr viel Ausdrucksstärke und Energie singt. Dieser Kontrast zwischen Kopf- und Bauchmusik, progressiven Klängen und melodiösem Epos ist anfangs ziemlich gewöhnungsbedürftig und daran werden sich wahrscheinlich die Prog-Geister scheiden. Ob dieses Melodiöse und Epische gefällt, ist Geschmacksache.

Qualitativ gibt es in meinen Augen absolut nichts zu bemängeln und meine Erwartungen hat die Band mehr als nur erfüllt. “I” ist musikalisch hochstehend, kreativ, abwechslungsreich, ungewohnt und auch optisch beeindruckend in Szene gesetzt. Genau so muss ein Progressive Rock Konzeptalbum sein. Ich danke Muzak für dieses Meisterwerk, welches mich noch lange begleiten wird und hoffe für die Band, dass sie damit die verdiente Anerkennung erhalten werden.

Die Plattentaufe findet am 24.03.2018 im Treibhaus in Luzern statt und die Band verspricht kein gewöhnliches Konzert, sondern einen unvergesslichen Abend mit Audio-Visueller Untermalung voller Überraschungen.

Muzak auf Facebook.

VÖ: März 2018

1. Prologue (Ten Years Wiser)
2. Matter Of Time
3. Half Way There
4. Mediocre
5. Manifesto
6. Cruel World
7. Ease My Pain
8. Kaleidoscope
9. Made It
10. Epilogue (Perception)